text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

So weit die Wellen uns tragen Roman von Noble, Shelley (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.09.2016
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
8,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

So weit die Wellen uns tragen

Meri Calder Hollis hat alles, was sie sich wünschen kann: einen Freund, der ihr vermutlich bald einen Heiratsantrag machen wird, eine liebevolle Familie, die immer für sie da ist, und einen Job, den sie liebt. Doch an ihrem 30. Geburtstag bekommt sie von ihrer Großmutter einen Brief überreicht: geschrieben von ihrer vor vier Jahren verstorbenen Mutter, die ihr ein lang gehütetes Geheimnis anvertraut. Ein Geheimnis, das Meris Leben völlig auf den Kopf stellt ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 479
    Erscheinungsdatum: 09.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732523283
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: Breakwater Bay
    Größe: 538 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

So weit die Wellen uns tragen

1. Kapitel

Meri Hollis ließ den Farbsplitter in einen braunen Papierumschlag fallen und rollte sich über die Seite, um sich auf dem Gerüst aufzusetzen.

Müde streckte sie auf dem rauen Holz die Beine und knackte mit der Halswirbelsäule. Es war ein langer Tag gewesen, zuerst stehend, dann sitzend, dann auf dem Rücken liegend. Jeder Muskel protestierte, als sie sich vorbeugte, um ihre Zehen zu berühren, doch sie war klug genug, den Abstieg nicht zu beginnen, ehe ihr Kreislauf wieder in Schwung war.

Während sie wartete, beschriftete sie ihre jüngste Probe, steckte sie zu den anderen in den Karteikasten und seilte ihre Fracht in einem Eimer die zehn Meter bis zum Boden ab. Sie knipste ihre Kopfleuchte aus, streifte sie sich von der Stirn und blickte sich ein letztes Mal in ihrem kleinen Eckchen der Welt um. Im schwachen Licht sah alles genauso verrußt und verblasst aus wie zwanzig Stunden, zweihundert Farbproben und mehrere Liter Essigwasser zuvor.

Es war nur langsam vorangegangen. Selbst an einer flachen Decke lief die penible Reinigung von Farbschichten niemals im Handumdrehen, doch wenn auch noch Stuckornamente im Spiel waren, war äußerste Vorsicht angezeigt. Aber nachdem Meri endlich genug von der Originaldecke freigelegt hatte, war sie sich sicher, dass sie Mitte des neunzehnten Jahrhunderts bemalt worden war.

Es war aufregend - vor allem, wenn ihr Verdacht sich bewahrheiten würde.

Am Nachmittag hatte sie den ersten Flecken Gold entdeckt. Bestimmt gab es noch mehr. Doch weitere Nachforschungen würden bis Montag warten müssen. Für heute machte sie Feierabend.

Meri verstaute ihr Werkzeug und setzte langsam einen Fuß auf die erste Sprosse der Stahlleiter, die sie nach unten bringen würde. Im großen Foyer hatten sie bereits vor einer halben Stunde mit der Arbeit aufgehört, aber sie war entschlossen gewesen, diesen einen Probeabschnitt heute noch fertigzubekommen.

Mit knackenden Knöcheln und Knien kam sie unten an, hielt sich an der Leiter fest und dehnte ihre Waden und Oberschenkel. Als sie das Gefühl hatte, sicher genug auf den Beinen zu sein, schnappte sie sich ihren Karteikasten und das Werkzeug und brachte beides in die Werkstatt.

Carlyn Anderson blickte von ihrem Platz am Rechner auf, wo sie die Daten einpflegte, die bei der heutigen Arbeit gesammelt worden waren. "Du bist die Letzte."

Meri stellte den Karteikasten auf dem Tisch ab und streckte den Rücken durch. "Jetzt weiß ich, wie Michelangelo sich gefühlt haben muss. Nur dass er am Ende die Sixtinische Kapelle vorweisen konnte und ich bloß eine verrußte Decke in einem unbedeutenden Herrenhaus. Und gut zweihundert Splitter aus zwanzig Lagen uralter Wandfarbe in den verschiedensten Ekeltönen."

"Schon, aber denk doch mal daran, wie sie aussehen wird, wenn sie in den Originalzustand zurückversetzt ist!"

"Darauf habe ich heute tatsächlich einen Vorgeschmack bekommen. Wenn ich mich nicht irre, riecht es hier gewaltig nach Gold."

"Blattgold?"

"Vielleicht. Könnte auch ein Verbundstoff sein. Bei dem Zustand, in dem die Decke ist, lässt sich das ohne Mikroskop unmöglich sagen." Meri zog sich einen Stuhl an den Tisch heran und setzte sich. "Warum zum Teufel überstreicht man eine verzierte Decke aus dem neunzehnten Jahrhundert?"

"Aus demselben Grund, aus dem sie die Owen-Jones-Tapeten mit psychedelischem Orange überstrichen haben."

"Ach, was soll's, anderer Leute schlechter Geschmack ist unsere Versicherung gegen die Arbeitslosigkeit", meinte Meri. "Ist noch jemand da, der das hier heute Abend noch ins Labor bringen kann?" Sie reichte Carlyn den Papierumschlag mit den Proben.

"Ich übernehme das, aber du schuldest mir was für die Absage zum Karaoke-Abend morgen. Und es ist Sixties-Abend." Carlyn vollführte mehrere Doo-Wop-Gesten, die sie in ihren Mittagspausen einstudiert hatten.

"Tut mir leid, aber ich hab Gran versprochen, dass ich für mein Gebu

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen