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Sommerflucht von Conrad, Katharina (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.07.2016
  • Verlag: Silberburg-Verlag
eBook (ePUB)
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Sommerflucht

Auf der Flucht vor ihrer Vergangenheit und ihrem eifersüchtigen Exfreund landet Sabina mitten in der schwäbischen Provinz in der Nähe von Tübingen. Dort trifft sie auf die alte Bäuerin Emilia, die bis heute unter den Folgen einer Entscheidung aus Kriegstagen leidet, und auf Christian. Christian, das merkt Sabina bald, wird ihre guten Vorsätze ins Wanken bringen, so schnell keine Beziehung mehr einzugehen. Dass er ein Geheimnis verbirgt, ahnt sie nicht. Ihre ungewöhnliche Freundschaft mit der alten Emilia und deren Lebensgeschichte zwischen der Schwäbischen Alb und dem Stuttgart der Nachkriegsjahre tauchen Sabinas Sorgen und Probleme zudem in ein unerwartetes neues Licht ... Katharina Conrad, 1976 in Tübingen geboren, legt nach vielen Kurzgeschichten nun ihren ersten Roman vor. Neben dem Schreiben und ihrer Arbeit als Physiotherapeutin widmet sie sich zurzeit ihrer Leidenschaft für vergangene Kulturen. Sie lebt mit Mann und zwei Kindern am Schönbuchrand.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 29.07.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783842517387
    Verlag: Silberburg-Verlag
    Größe: 742 kBytes
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Sommerflucht

2 Emilia

Mit einem warmen Gefühl der Erleichterung hängte Emilia den Hörer ein. Am Ende hatte die junge Frau doch nur einen Tag gebraucht, um sich zu entscheiden.

Jetzt musste Karl sie mit seiner fixen Idee vom Altersheim endlich in Ruhe lassen, denn sein wichtigstes Argument - dass sie alleine nicht zurechtkäme - hatte sich in Luft aufgelöst: Sie war nicht länger allein im Haus.

Leider besaß ihr Sohn auch zum Thema Vermietung eine unselige, festgefahrene Meinung. Als wäre Fräulein Kleefeld einer dieser Menschen, die sich das Vertrauen älterer Leute erschlichen, um sie zu berauben oder umzubringen! Ein bisschen könnte Karl ihr schon vertrauen, und wenn es ihm noch so schwerfiel.

Die junge Frau würde ihr Leben bereichern. Und sie, Emilia, würde es genießen, dass jemand da war, der sie brauchte. Amüsiert von diesem Gedanken, lachte sie auf. Brauchte, wie albern! Wozu denn? Als Vermieterin wurde man doch nicht gebraucht . Man war nur vorhanden.

Und trotzdem.

In der Stube sank sie mit der Schwere ihrer fast achtzig Jahre in den Ohrensessel und rieb sich die Schläfen. Es gab ein paar Dinge, über die sie schleunigst nachdenken musste. Jetzt, wo es tatsächlich so weit war. Zum Beispiel über die Tatsache, dass es zwischen den Stockwerken keine Tür gab. Sollte sie sich nachts im Schlafzimmer einschließen? Ach was, das kam überhaupt nicht in Frage. Selten in ihrem Leben hatte sie vor etwas Angst gehabt, und jetzt war es zu spät, um noch damit anzufangen.

Obwohl der Sessel unendlich bequem war, fand Emilia nicht zur Ruhe. Sie war wie elektrisiert. Ihre Fingerspitzen kribbelten, doch sie wusste genau, dass es diesmal mit mangelnder Durchblutung nichts zu tun hatte. Es war die reine Vorfreude.

Die Einsamkeit hatte ein Ende, endlich! Jemand würde die Stille vertreiben und das alte Gebälk zum Ächzen bringen, genau wie früher ...

Plötzlich sickerte ihr ein weiteres Detail ins Bewusstsein, das sie bisher nicht bedacht hatte: Ein Teil des Hauses würde einem fremden Menschen vorbehalten sein. Sie konnte kaum hineinspazieren und Fräulein Kleefeld erklären, dass sie sich nach dem Geruch des Zimmers gesehnt hatte, oder? Nein, unmöglich.

Mit Mühe stemmte sich Emilia aus dem niedrigen Sessel. Sie hielt einen Augenblick inne und wartete, bis der Schmerz in ihren Hüftgelenken abgeklungen war, dann nahm sie die Expedition über die Stiege ins obere Stockwerk in Angriff.

An der Tür zu ihrem alten Schlafzimmer blieb sie stehen. Sie tastete über den von unzähligen Berührungen glatt polierten Rahmen und dachte verwundert darüber nach, wie es sein konnte, dass auf der einen Seite Glätte und Glanz, auf der anderen Runzeln und Flecken ein Merkmal des Alters waren.

Sie schüttelte den Gedanken ab, drückte die Klinke und ließ die Tür nach innen aufschwingen. Die tief stehende Sonne blendete sie. Trotzdem sog sie es in sich auf, dieses besondere Licht, das es so nur in diesem einen Raum des Hauses gab. In die Sonnenwärme mischte sich der vertraute Geruch von altem Holz und dem Stroh unter den Dielen, und sie fühlte sich fast wieder wie damals, als sie mit ihrer kleinen Schwester Agnes im Schlepp am Sonntagmorgen ins Bett ihrer Eltern geklettert war.

Nun würde jemand Fremdes hier einziehen. Was hätten ihre Eltern, Gustav und Klara Brändle, wohl dazu gesagt?

Emilia trat an ein Fenster, lehnte sich gegen das Sims und schloss die Augen. Die Wärme und das leise Gackern der Hühner unten im Garten umgaben sie wie ein Kokon.

Es hatte einmal eine Zeit gegeben, da teilte man, was man hatte. Wohnraum, Lebensmittel, Arbeitskraft. Niemals wäre ein solches Haus nur von einer Person bewohnt worden. Damals, als es noch vor Leben brummte, lebten zeitweise vier Generationen gleichzeitig unter seinem Dach. Dazu das Vieh in den Ställen, Vaters Pferde, die Hunde und all die Katzen ... Emilia lächelte in sich hinein und genoss di

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