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Später, Lena, später von Elstad, Anne Karin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.04.2015
  • Verlag: Saga Egmont
eBook (ePUB)
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Später, Lena, später

Frauenemanzipation des 20. Jahrhunderts: Lena und Kjell kennen sich seit ihrer Kindheit, wo sie in einem kleinen Ort an der Küste von Trändelag im Norden Norwegens zusammen aufgewachsen sind. Als sie sich in der Kreisstadt auf dem Gymnasium wiedersehen, verlieben sich sich ineinander. Obwohl Lena zweifel an der Richtigkeit dieser Entscheidung hegt, heiraten sie - die konservative Moral der fünfziger Jahre lässt ihr keine andere Möglichkeiten. Trotz aller Bemühungen Lenas, trotz des beruflichen Erfolgs ihres Mannes ist die Ehe von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Aufgrund ihrer Unselbständigkeit ließ Lena sich in die Ehe mit Kjell drängen, wo sie jedoch kein Verständnis findet. Mit große Verständnis und Einfühlsamkeit folgt Anne Karin Elstad, eine der erfolgreichsten Autorinnen Norwegens, dem Lebensweg ihrer Heldin und erzählt wie es Lena schließlich gelingt, sich von überkommenen Normen zu befreien und einen neuen Anfang zu finden. AUTORENPORTRÄT Anne Karin Elstad wurde 1938 in Valsøyfjord in Nordmøre Norwegen geboren. Sie arbeitete als Lehrerin, bis sie 1976 ihren ersten Roman veröffentlichte. Elstad gehört mit Gaarder zu den bekanntesten und erfolgreichsten Schriftstellern Norwegen. Elstad war in ihrem Heimatland so populär, dass sie schon für Schlagzeilen sorgte, wenn sie nur ein Manuskript im Verlag ablieferte. Ihre Bücher sind in Norwegen Bestseller und verkaufen sich über eine Million Mal. Sie hat zahlreiche Auszeichnungen für ihre Bücher erhalten. 2003 und 2006 hat sie unter anderem den norwegischen Leserpreis erhalten. Elstad starb am 4. april 2012. Insgesamt hat sie fünfzehn Bücher geschrieben. REZENSION 'Elstads Buch liest sich wie der schwedische Erfolgsroman Hannas Röchet von Marianne Fredriksson.' - Ostsee Zeitung 'Anne Karin Elstad ist eine wahre Meisterin im Schildern von Einzelschicksalen.' - Aftenposten 'Anne Karin Elstad ist eine glänzende Erzählerin.' - Aftenposten 'Anne Karin Elstad bietet Lesehungrigen, Menschen, die nach Erzähltem süchtig sind, echten Lesestoff.' - Aftenposten

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 268
    Erscheinungsdatum: 24.04.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788711442159
    Verlag: Saga Egmont
    Größe: 1060 kBytes
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Später, Lena, später

4

Heute, nach all den Jahren, kann Lena erkennen, wie brutal dieser Druck auf ihnen allen gelastet hat. Damals nahmen sie es als gegeben hin, waren in einem Muster gefangen, das ihnen nicht bewußt war. Und dazu hatten sie noch die Schule, die Höchstleistungen forderte.

Sex wurde in Filmen, Reklame und Illustrierten vermarktet. Sie sprachen darüber, aber meistens sehr oberflächlich. Niemand traute sich, Unsicherheit, Unwissenheit oder Angst preiszugeben.

In der Schule wurde von Mädchen und Jungen das gleiche verlangt. Draußen waren sie streng nach Geschlechtern getrennt und völlig unterschiedlichen Anforderungen unterworfen. Wenn ein Junge von einer zur anderen flatterte und lauthals mit seinen Eroberungen prahlte, wurde das akzeptiert und festigte seine Position. Wenn ein Mädchen dasselbe tat, fiel sie sofort unter die Kategorie Freiwild, und ihre Chancen, das attraktive Ziel "fester Freund" zu erreichen, sanken beträchtlich. Sie sollte zwar rechts und links flirten, um ihre Attraktivität und Popularität unter Beweis zu stellen, aber sie sollte Grenzen ziehen können. Bei vielen Mädchen führte das zu einer zynischen Einstellung den Jungen gegenüber. Sie benutzten ihr Geschlecht als Waffe. Da sie immer wieder mit äußerlichen Maßstäben gemessen wurden, nahmen sie den Jungen gegenüber Kampfhaltung ein. Einen Jungen zum Kochen zu bringen, um ihn dann verschmähen zu können, wurde zum sichtbaren Sieg, und sie rächten sich damit unbewußt für ihre eigene verwundbare Lage. Sie kamen nie auf die Idee, daß ein Korb für einen Jungen, der sie zum Tanz aufforderte, eine ebenso große Demütigung war wie das Mauerblümchen-Dasein für ein Mädchen. Im Kampf um Status war das erlaubt. In einem Kampf, in dem die Jungen die Stärkeren waren, weil sie das Recht hatten zu wählen. Die mutigsten Mädchen konnten sich durch Körbe rächen. Wer einen Tanz nach dem anderen sitzen blieb, konnte sich das nicht leisten, egal wer der Junge auch sein mochte.

Sie wurden selbstbezogen und körperfixiert. Die Jungen redeten von Titten und Beinen und Schenkeln, und selbst die hübschesten Mädchen litten unter schweren Komplexen. Immer fanden sie etwas an sich, das nicht gut genug war.

Diese Haltungen nahmen sie mit sich ins Leben. Eine Scheinwelt aus ermüdenden Forderungen und falschen Idealen. Eine Glanzbildwelt, in der Unsicherheit hinter glatten und uniformierten Fassaden versteckt wurde.

Doch nicht nur dadurch wurden sie geformt, auch die Atmosphäre im Gymnasium war etwas Besonderes. Die meisten von ihnen wohnten möbliert. Viele kamen wie Lena aus kleinen Orten, in denen es für die Jugend nur die Wochenend-Feste in den nahegelegenen Lokalen gab. Nun waren sie in einer völlig anderen Welt gelandet. Sechzehnjährige mußten auf sich selber aufpassen, Verantwortung für Geld und Schule tragen. Wer von der Realschule kam, wohnte schon seit zwei Jahren möbliert. Das gab ihnen Freiheit, machte sie aber auch frühreif. In der Auseinandersetzung mit der neuen Umgebung verloren sie den Kontakt zu alten Freunden und ihren Heimatorten. Die Konkurrenz der Samstagabende wurde zum immerwährenden Zustand.

Die möblierten Zimmer hatten ihre eigenen Gesetze. Jungen genossen größere Freiheit als Mädchen, die von eifrigen Wirtinnen überwacht wurden. Einige durften keinen Herrenbesuch empfangen. Andere Vermieterinnen waren weniger streng in ihren Vorschriften und setzten eine Frist. Keine Jungen nach neun, zehn oder elf, je nach Dehnbarkeit der Toleranz. Ein Verstoß gegen diese Regeln bedeutete bestenfalls, daß Schule und Eltern informiert wurden. Schlimmstenfalls bedeutete es Kündigung des Zimmers - und in Fällen, die als extrem galten, den Verweis von der Schule. Das kam zu Lenas Schulzeit vor, passierte aber nur Mädchen. Sie kann sich an keinen einzigen Jungen erinnern, der von der Schule geworfen wurde. Jungen, die von der Schule abgingen, waren sitzengeblieben oder hatten die Lust verloren.

Ein Mädchen

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