text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Spiel's noch einmal Roman von Edugyan, Esi (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.11.2011
  • Verlag: Insel Verlag
eBook (ePUB)
12,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Spiel's noch einmal

Hieronymus Falk ist ein junger und außergewöhnlich talentierter Jazztrompeter, der eine goldene Zukunft vor Augen hat. Zusammen mit den "Hot-Time Swingers" spielt er im Berlin der dreißiger Jahre in Kellerbars - heimlich, denn "schwarze Musik" ist nicht erlaubt. Seine Hautfarbe macht es nicht einfacher, die Gefahr, als Kind einer deutschen Mutter und eines afrikanischen Vaters von den Nazis verhaftet zu werden, steigt mit jedem Tag. Als jedoch die schöne Amerikanerin Delilah auftaucht, scheint nicht nur Hieros Traum wahr zu werden: Sie will die Band nach Paris holen - zu keinem Geringeren als Louis Armstrong, um mit ihm eine Schallplatte einzuspielen. Doch die Ereignisse überschlagen sich und reißen alle Beteiligten mit in eine ungewisse Zukunft ... Esi Edugyan wurde 1977 in Calgary, Kanada geboren. Sie studierte an der University of Victoria und an der Johns Hopkins University und war Stipendiatin am Fine Arts Work Center in Provincetown und an der Akademie Schloß Solitude in Stuttgart. Ihr Roman Spiel's noch einmal stand auf der Shortlist für den Man Booker Prize 2011 und wurde mit dem Scotiabank Giller Prize 2011, dem wichtigsten kanadischen Literaturpreis, ausgezeichnet. Sie lebt mit ihrem Ehemann, dem Autor Steven Price, und ihrer Tochter in Victoria, Kanada.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 395
    Erscheinungsdatum: 16.11.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783458753308
    Verlag: Insel Verlag
    Originaltitel: Half Blood Blues
    Größe: 1483 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Spiel's noch einmal

Erster Teil: Paris 1940

Chip hatte gesagt, wir sollten nicht rausgehen. Treibt es nicht auf die Spitze, Jungs. Aber es war so eine brutale Nacht gewesen, und wir waren immer noch beduselt von dem Roten. Der Rote war billig, der Wein der kleinen Leute, aber er haute so richtig rein. Sah nicht mal gut aus, so eine schlammige schwarze Brühe in der Flasche. Wie Sumpfwasser.

Wir lagen ziemlich fertig in der Wohnung rum, die Fenster verdunkelt. Die Sonne ging auf, so heftig, dass das Licht durch die Ritzen drang und wie Stoff auf die Haut fiel. Ein paar Stunden vorher hatten wir in einem Hinterzimmerstudio gespielt und versucht, eine Platte aufzunehmen. So ein düsteres Loch, mehr eine Gespensterkammer als eine Bude, in der man Musik macht, überall auf dem buckligen Fußboden leere Flaschen. Unsere Zigaretten glühten wie kleine Löcher im Dunkeln, und schon daran konnte ich sehen, dass wir nicht gut drauf waren: Hieros Kippe bewegte sich überhaupt nicht, sie steckte zwischen seinen Lippen, als hörte er einfach nicht, was er zu tun hatte. Alle tigerten zwischen den Aufnahmen unruhig hin und her und horchten, wie die Ratten in den Wänden scharrten. Möglicherweise waren wir gar nicht mal so schlecht, aber ich zumindest hatte das Gefühl, dass ich von der Rolle war. Zu nervös, zu schreckhaft, zu sehr damit beschäftigt, die Tür im Auge zu behalten. Da half kein Roter. Es half nichts, dass wir von aller Welt weggesperrt waren. Schwitzend spielte ich jede Aufnahme bis zum Ende durch, nur um zu erleben, wie Hiero die verdammte Platte zerkratzte und sie in den Müll schmiss.

"Das ist alles nur verdammt falsch", murmelte Hiero jedes Mal. "Verdammt falsch ."

"Wir spielen wie die Könige – nachdem der Mob sie ordentlich in die Mangel genommen hat", sagte Chip.

Coleman und ich ließen müde die Köpfe hängen.

Aber Hiero wischte mit einem schmuddeligen Taschentuch über seine Trompete und warf Chip einen verächtlichen Blick zu. "Ja, Mann, Scheiße, aber sogar sauschlecht sind wir noch genial."

Das beeindruckte mich wenig. Die ganze Zeit hatte er sich ständig beklagt, wie furchtbar schlecht wir waren. Hatte sich die Platten geschnappt, mit dem Taschenmesser den Lack zerkratzt und sie kaputt gemacht. Hatte geschrien, das taugt nichts. Aber da war was. Eine Art schräge Schönheit.

Eigentlich wollte ich es gar nicht, aber als er mir den Rücken zudrehte, schlüpfte ich aus meiner Weste, nahm vorsichtig die letzte Platte – die frisch geschnittenen Rillen waren sehr empfindlich –, und wickelte sie in den Stoff. Nervös schaute ich mich um, dann versteckte ich das Bündel in meinem Basskasten. Die anderen waren damit beschäftigt, ihre Instrumente einzupacken.

"Wo ist die letzte Aufnahme hingekommen?" Hiero runzelte die Stirn. Er lugte in den Mülleimer auf all die kaputten Platten.

"Da drin", sagte ich. "Du wolltest sie ja nicht, oder?"

Er warf mir einen mürrischen Blick zu. "Nein, es hat keinen Sinn. Wir kriegen das sowieso nie richtig hin."

"Was soll das heißen, Mann?", fragte Chip. Er lallte ein bisschen. "Willst du damit vielleicht sagen, dass wir es aufgeben sollen?"

Der Junge zuckte die Achseln.

Wir stellten die leeren Flaschen ordentlich an der Wand entlang auf, sperrten ganz leise zu und machten uns dann getrennt voneinander auf den Weg zurück zu Delilahs Wohnung. Es herrschte Ausgangssperre. Paris war still und düster, nichts als dunkle Schatten und abgestandene Luft. Ich ging verstohlen durch die Gassen, immer in der äng

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen