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Springquelle Roman von Ekman, Kerstin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.07.2013
  • Verlag: Piper Verlag
eBook (ePUB)
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Springquelle

Mühsam hält sich Tora, ein ehemaliges Dienstmädchen, mit dem Verkauf von Brot und selbstgemachten Bonbons über Wasser. Eines Tages möchte sie ihr eigenes Café eröffnen, und schon bald scheint die lang ersehnte Unabhängigkeit zum Greifen nah. Doch die Krisenzeiten des Ersten Weltkriegs machen auch vor Schweden nicht Halt ... Humorvoll und eindringlich erzählt Kerstin Ekman vom mutigen und selbstbewußten Kampf unbeugsamer Frauengestalten in den ersten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts. - "Witzig und wortreich, präzise und detailliert beschreibt Kerstin Ekman den Alltag ihrer Protagonistinnen." (die tageszeitung)

Kerstin Ekman, geboren 1933, gilt als die wichtigste skandinavische Gegenwartsautorin. Ihr umfangreiches literarisches Werk ist preisgekrönt, wurde vielfach verfilmt und in zahlreiche Sprachen übersetzt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 416
    Erscheinungsdatum: 10.07.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492957571
    Verlag: Piper Verlag
    Größe: 2353kBytes
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Springquelle

E in dickes Eisenrohr kam aus der Wand der Waschküche und lief, mit Schellen befestigt, bis zum Zementbottich, über dem ein Messinghahn saß. Den brauchte man nur aufzudrehen. Früher hatte sie mit den Eimern am Joch zehnmal zum Brunnen gehen müssen, um die Einweichbottiche zu füllen. Jetzt drehte sie nur den Hahn auf. Woher das Wasser kam, wußte sie allerdings nicht.

Frida ging waschen, seit sie geheiratet hatte. Angefangen hatte sie bei den Spülplätzen draußen am Vallmarsee, wo man die Wäsche mit Karren hinziehen mußte. Die Frauen hatten in einer Reihe gekniet und die gewaschenen Wäschestücke geschlagen, und sie erinnerte sich, wie sie patschnasse, schwere Laken ins Gesicht bekommen hatte, bevor sie das Auswinden richtig gelernt hatte. Die Waschfrauen waren von Haus aus grantig, und sie schickten zurück, womit sie nicht zufrieden waren. Man mußte ein Paket in passender Größe zusammenlegen und die Enden kräftig und schnell in entgegengesetzer Richtung drehen. Die Frauen fluchten, um sich bei Laune zu halten. Es dampfte um die heißen Laken, wenn sie ins Wasser schlugen, und es kam Dampf aus ihren Mündern, denn es war kalt, im Dezember wie im März. Frida hatte sich vor ihnen gefürchtet. Doch es war keine da, die sich jetzt vor ihr gefürchtet hätte. Alles war anders. Die Gerüche, die Flüche und das Wasser, das kalt und klar aus dem Messinghahn schoß.

Es war natürlich Trinkwasser. Sie hatte gehört, daß es beim Großhändler droben ein Klosett geben und sogar darin reines Trinkwasser sein sollte. Wenn ihr auch niemand sagen konnte, woher es kam.

Viele Jahre lang hatte sie im Waschhaus am Marktplatz gewaschen. Ein Bahnarbeiter namens Dahlgren hatte über dem Abwassergraben, der durch sein Grundstück floß, ein Waschhaus errichtet, den Graben gestaut und die Einrichtung vermietet. Sie erinnerte sich, wie der Abwassergraben noch ein Bach gewesen war und alte Männer dort unten gesessen und Barsche geangelt hatten. Das Wasser floß ruhig, fast unmerklich durch den Ort. Jetzt war der Graben an vielen Stellen überbaut, um ihn herum verbreitete sich Gestank, und das Wasser war braun. Er nahm Schmutz auf und wurde schmutzig. Am Ende war Dahlgrens Waschhaus nicht mehr zu benutzen. Das Wasser des Grabens verfärbte die Wäsche, so daß die Hausfrauen klagten.

Das ginge so nicht mehr, sagten diejenigen, die sich auf öffentliche Belange verstanden, und so begann der Streit um das Wasserwerk und den Abwasserkanal. Er dauerte vier Jahre. Frida verstand ihn nicht. Die eine Seite wollte den Abfluß in den Vallmarsee leiten, die anderen in den Malsee. Sie schrieben in der Zeitung gegeneinander. Der alte Eisenbahnbauinspektor Sterkell stellte seinen Sitz im Gemeindevorstand zur Verfügung. Er hatte den Vallmarsee vorgeschlagen, und nun besaß er das Vertrauen der Versammlung nicht mehr, denn die Malseephalanx hatte gewonnen, und der Wasserturm wurde gebaut. Er sollte schließlich wie der berühmte Campanile in Venedig aussehen und stand gleich neben Lusknäppan, wo Frida aufgewachsen war. Fabrikant Wärnström verkaufte Land für das Wasserwerk, Großhändler Lindh für den Turm.

Es gab ein Fest auf dem Marktplatz, als die Wasserleitung eingeweiht wurde und die Feuerwehr die Leitung erprobte. Sterkell war nicht dabei. Bahnmeister J. A. Ström stieg auf die Rednerbühne und bezeigte Großhändler Lindh die Dankbarkeit des Ortes für seinen Eifer und seine Fürsorge um die für den Ort lebenswichtige Wasserfrage sowie Fabrikant Wärnström für seine Spende von eintausend Kronen für die Verschönerung des Wasserturms mit Granitornamenten. Das Oktett des Musikkorps der Eisenbahner sp

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