text.skipToContent text.skipToNavigation

Sputnik Sweetheart Roman von Murakami, Haruki (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.09.2011
  • Verlag: DuMont Buchverlag
eBook (ePUB)
7,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Sputnik Sweetheart

Cooler Realismus und Fantastik verbinden sich in der Geschichte von Sumire und Miu. Die eine ist eine junge weltfremde und romantische Möchtegernautorin, die andere eine siebzehn Jahre ältere erfolgreiche Geschäfsfrau. Unempfänglich ist Miu für das Begehren der jungen Frau, von der sie 'süßer Sputnik' genannt wird. Auf einer Reise durch Frankreich und Italien bis auf eine kleine griechische Insel verschwindet Sumire plötzlich - alle Spuren ihres Schicksals verlieren sich. Ein junger Lehrer, der die betörende Sumire liebt, findet Aufzeichnungen bizarrer Vorfälle und Geschichten in Geschichten, die auch ein Geheimnis von Miu in der Schweiz aufdecken. Mit Haruki Murakamis neuem Roman 'Sputnik Sweetheart' geraten wir an die Ränder der Wirklichkeit, aber auch wenn die Menschen auf getrennten Umlaufbahnen einsam wie ein Sputnik ihre Bahnen ziehen, gibt es noch eine andere Seite des Lebens: 'Wir brauchen nur zu träumen.'

Haruki Murakami, 1949 in Kyoto geboren, lebte über längere Zeit in den USA und in Europa und ist der gefeierte und mit höchsten Literaturpreisen ausgezeichnete Autor zahlreicher Romane und Erzählungen. Sein Werk erscheint in deutscher Übersetzung im DuMont Buchverlag. Ursula Gräfe, geboren 1956, hat in Frankfurt am Main Japanologie und Anglistik studiert. Aus dem Japanischen übersetzte sie u. a. den Nobelpreisträger Kenzabur? ?e, außerdem Yoko Ogawa und Hiromi Kawakami. Für DuMont überträgt sie die Romane Haruki Murakamis ins Deutsche.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 234
    Erscheinungsdatum: 27.09.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783832185947
    Verlag: DuMont Buchverlag
    Originaltitel: Supuutoniku no koibito
    Größe: 2610kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Sputnik Sweetheart

2

Eines Sonntags ungefähr zwei Wochen nach der Hochzeitsfeier rief mich Sumire kurz vor Sonnenaufgang an. Natürlich schlief ich noch tief und fest wie ein alter Amboss. In der Woche davor hatte ich wenig geschlafen, weil ich mit den unerlässlichen (aber völlig sinnlosen) Vorbereitungen auf eine Lehrerkonferenz beschäftigt gewesen war. Also hatte ich mir vorgenommen, am Wochenende einmal so richtig nach Herzenslust auszuschlafen. Ausgerechnet da klingelte das Telefon. Noch vor dem Morgengrauen.

"Hast du geschlafen?" erkundigte sich Sumire vorsichtig.

"Hm", brummte ich leise und sah unwillkürlich auf den Wecker neben dem Kopfkissen. Obwohl er ein riesiges Leuchtzifferblatt hatte, konnte ich die Uhrzeit nicht erkennen. Das Bild auf meiner Netzhaut und die Gehirnzellen, die es bearbeiten sollten, funktionierten anscheinend einander vorbei. Wie bei einer alten Frau, die erfolglos versucht, eine Nadel einzufädeln. Ich begriff nur, dass es stockdunkel war, so dunkel wie Fitzgeralds dunkle Nacht der Seele.

"Es wird bald hell."

"Hmm", murmelte ich kraftlos.

"In meiner Nachbarschaft wohnt einer, der sich Hühner hält. Wahrscheinlich schon seit der Rückgabe von Okinawa. In einer halben Stunde oder so fangen die Hähne an zu krähen. Eigentlich ist das meine liebste Tageszeit. Wenn die pechschwarze Nacht im Osten langsam grau wird und die Hähne so laut krähen, als wollten sie sich für irgendwas rächen. Gibt's bei dir auch Hühner?"

Matt schüttelte ich an meinem Ende der Leitung den Kopf.

"Ich rufe vom Häuschen am Park an."

"Aha", sagte ich. Etwa zweihundert Meter von ihrer Wohnung entfernt stand ein Telefonhäuschen. Da Sumire kein Telefon hatte, ging sie immer dorthin. Ein ganz normales Telefonhäuschen.

"Ganz schön fies, dich um diese Zeit anzurufen, oder? Tut mir wirklich leid. Noch vor dem ersten Hahnenschrei. Wenn der Mond noch trübselig im Osten hängt wie eine alte ausgediente Niere. Andererseits musste ich, um dich anzurufen, den ganzen Weg durch die Dunkelheit traben, die Telefonkarte mit dem Foto vom glücklichen Paar, die ich bei der Hochzeit meiner Cousine gekriegt habe, fest in der Hand. Kannst du dir vorstellen, was für ein deprimierendes Gefühl das ist? Ich hab sogar verschiedene Söckchen an. Auf der einen ist ein Bild von Micky-Maus, die andere ist einfarbig und aus Wolle. In meinem Zimmer herrscht das absolute Chaos, ich finde nichts mehr. Ich darf es gar nicht laut sagen, aber meine Unterhose sieht auch grauenhaft aus. Die würde nicht mal mehr ein Unterhosenfetischist klauen. Wenn mich in diesem Zustand ein Triebtäter umbringen würde, müsste ich mich vor Scham im Grab umdrehen. Ich erwarte ja kein Mitgefühl, aber vielleicht könntest du dich ab und zu mal zu einer Antwort durchringen? Außer diesem teilnahmslosen "hm" und "aha". Hin und wieder eine Konjunktion oder so wäre nett. Zum Beispiel "dennoch" oder "aber" oder so was."

"Jedoch", sagte ich. Ich war todmüde, völlig verschlafen und hatte fast das Gefühl, mich noch mitten in einem Traum zu befinden.

"Jedoch", wiederholte sie. "Das geht, immerhin ein Fortschritt. Wenn auch nur ein kleiner."

"Also, was wolltest du von mir?"

"Ach ja, genau, ich wollte dich was fragen. Deshalb rufe ich ja an." Sumire räusperte sich. "Ich möchte wissen, was der Unterschied zwischen einem Zeichen und einem Symbol ist."

Ein seltsames Gefühl ergriff mich, als ob etwas langsam durch meinen Hinterkopf zöge.

"Kannst du die Frage noch mal wied

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen

    ALDI life eBooks: Die perfekte App zum Lesen von eBooks.

    Hier finden Sie alle Ihre eBooks und viele praktische Lesefunktionen.