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Sternschnuppentage Sylt-Roman von Folkens, Marlies (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.06.2019
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Sternschnuppentage

Sylt ist traumhaft. Janna verbindet mit der Insel wunderbare Erinnerungen an Meeresluft, Freiheit, ihren Jugendschwarm Achim und glückliche Sommer in der Pension ihrer Großmutter. Genau dort verkriecht sie sich, als ihre Mutter überraschend stirbt und ihr Freund sie sitzen lässt. Doch Verkriechen ist keine Lösung, finden ihre Oma und ihr Kumpel Mo. Sie ermutigen Janna, ihre Träume von früher endlich zu verwirklichen. Nur dass sie noch immer von Achim träumt, gefällt Mo gar nicht ... Marlies Folkens wurde 1961 in Stollhamm-Ahndeich geboren, einem kleinen Dorf direkt an der Nordseeküste. Als jüngstes von vier Geschwistern wuchs sie auf einem Bauernhof auf. Nach dem Abitur zog sie zum Studium der Geschichte und Politik nach Oldenburg, wo sie bis heute mit ihrer Familie lebt. Schon früh entdeckte sie das Schreiben für sich. Sternschnuppentage ist ihr vierter Roman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 28.06.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732560851
    Verlag: Bastei Lübbe AG
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Sternschnuppentage

Eins

Badumm, badumm, badumm ...

Das Geräusch der Reifen auf den Metallplatten des Autozugs erinnerte an einen schnellen Herzschlag. Früher hatte es Janna immer mit Euphorie erfüllt. Es war das Zeichen gewesen, dass jetzt der Urlaub wirklich begann. Dann hatte sie zu ihrer Mutter hinübergesehen und auf ihr Zwinkern gewartet.

"Na, Janna?", hatte Mama jedes Mal gefragt. "Bereit für die Insel?"

Und Janna hatte gelacht und genickt. Mama hatte die Tasche mit dem Proviant aus dem Fußraum des Rücksitzes geangelt, Tee aus der Thermoskanne in die Becher gegossen und die letzten Brote verteilt. Und während der Zug über den Hindenburgdamm rumpelte, hatten die beiden gefrühstückt, aus dem Fenster gesehen und versucht zu erkennen, welche Vögel durch das Watt neben dem Damm tippelten. Wer zuerst einen Austernfischer entdeckte, hatte gewonnen.

Früher ...

Janna fühlte, wie sich vor Trauer ihre Brust zusammenzog. Wie lange war es her, dass sie zuletzt mit Mama auf die Insel gefahren war? Sie rechnete nach und kam auf neun Jahre.

Es war in den Osterferien gewesen, direkt vor ihren Abiturprüfungen. Mama hatte gemeint, bevor der Stress mit den Klausuren und mündlichen Prüfungen beginne, könnten sie doch eine Woche nach Sylt fahren, um Kraft zu tanken. Papa hatte nur gebrummt und den Kopf geschüttelt. Er würde auf keinen Fall eine ganze Woche wegfahren, hatte er gesagt. So lange könne er die Apotheke nicht allein lassen. Man wisse ja nie, was die Angestellten in der Zeit alles für einen Mist anstellen würden. Dann hatte er sich wieder hinter seiner Sonntagszeitung vergraben.

Mama hatte nur gelächelt und Janna zugezwinkert. Sie hatte es schon lange aufgegeben, ihm vorzuhalten, dass er mehr mit seiner Apotheke verheiratet wäre als mit ihr. Schließlich war Papa noch für zwei Tage nachgekommen - wie immer mit dem Laptop und einer Menge Listen im Gepäck, die er durchgehen wollte, während Frau und Tochter am Strand spazieren gingen. Und wie in jedem Urlaub hatte er sich beschwert, dass es in der vermaledeiten Pension seiner Schwiegereltern zu laut sei, um sich auf die Arbeit zu konzentrieren.

Es war sein letzter Besuch auf Sylt gewesen. Janna hatte gerade ihre Ausbildung begonnen, als er ganz plötzlich an einem Herzinfarkt starb. Die Arbeit habe ihn aufgefressen, hatte Mama damals gesagt und hinzugefügt, dass es ihr selbst ganz gewiss nicht so gehen werde.

Badumm, badumm, badumm machten die Räder auf den Metallplatten, als Janna den Passat ihrer Mutter vorwärtsrollen ließ. Ein Mann in orangefarbener Warnweste winkte sie ans Ende der Fahrzeugschlange heran und bedeutete ihr mit einem Handzeichen, wo sie stehen bleiben sollte. Er nickte ihr zu und ging dann weiter, um den nächsten Wagen einzuweisen.

Janna schaltete den Motor aus und zog die Handbremse an. "Was für ein Glück, dass wir einen Platz oben bekommen haben", sagte sie leise und sah zu der alten Frau hinüber, die auf dem Beifahrersitz saß.

Ihre Großmutter drehte kurz den Kopf in ihre Richtung und zwang sich ein Lächeln ab. "Ja, das ist schön, Deern!"

Das war alles, was sie sagte, ehe sie wieder aus dem Fenster starrte. Janna seufzte. Wie schlimm musste das Ganze erst für ihre Großmutter Johanne sein?

Wenn man seinen Ehepartner verlor, wurde man zur Witwe, wenn die Eltern starben, war man Waise. Aber für Eltern, die ihre Kinder zu Grabe tragen mussten, gab es kein Wort. "Man hört nie auf, Mutter zu sein, egal, wie alt die Kinder auch sind", hatte Mama einmal gesagt. Janna hatte ihre Stimme noch genau im Ohr. Es war so unwirklich, dass sie sie nie wieder hören sollte.

Acht Tage war es jetzt her. Martin war zu ihr ins Besprechungszimmer gekommen, wo sie gerade mit der Bilanzbuchhalterin zusammengesessen hatte, um die Zahlen des Vorjahres durchzugehen. Sie sah seinen Blick noch vor sich, als er sie aus dem Raum gewinkt und ihr zugeflüste

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