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Sternstunde der Mörder von Kohout, Pavel (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.08.2015
  • Verlag: Saga Egmont
eBook (ePUB)
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Sternstunde der Mörder

Prag in den Wirren der letzten Monate der deutschen Besetzung: Der tschechische Kommissar Beran und sein Assistent Morava stehen vor einer heiklen Aufgabe. Gemeinsam mit dem deutschen Oberkriminalrat Buback sollen sie den Mord an einer deutschen Generalswitwe aufklären. Doch welche Rolle spielt Buback? Ist er nur ein Spitzel, dessen Aufgabe nicht in der Aufklärung des Mordfalls liegt, sondern vielmehr darin, herauszufinden, wie tief die Prager Kriminalpolizei in den Widerstand gegen die deutschen Besatzer verstrickt ist? Unterdessen schlägt der Mörder wieder zu, ein psychopathischer Serientäter. Aber als im Mai der Aufstand gegen die Besatzer ausbricht, geht es längst nicht mehr um einen Mörder ... Biografische Anmerkung Pavel Kohout, 1928 in Prag geboren, zählt zu den international bekanntesten Schriftstellern und Dramatikern. Als einer der Wortführer des 'Prager Frühlings' von 1968 wurde er aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen und über 20 Jahre totgeschwiegen. Mitverfasser der 'Charta 77', daraufhin 1979 ausgebürgert. Zu seinen bekanntesten Werken gehören 'Die Henkerin' (1978), 'Wo der Hund begraben liegt' (1987) und 'Sternstunde der Mörder' (1995). 2010 erschien seine Autobiografie 'Mein tolles Leben mit Hitler, Stalin und Havel'. Pavel Kohout lebt heute wieder in Prag.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 28.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788711461433
    Verlag: Saga Egmont
    Größe: 1886 kBytes
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Sternstunde der Mörder

Hauptkommissar Beran hatte ein hervorragendes Alibi. Bei einem Haus im Vorstadtviertel Pankrác, unter dessen Schuttmassen zumeist Angehörige von Männern verschiedener deutscher Dienststellen begraben lagen, war er auf den Konvoi von Karl Hermann Frank gestoßen, dem ewig zweiten Mann im Protektorat, der dafür alle Ersten gesund und munter überlebte. Der befahl ihm, ihn über die ganze Trasse des Luftangriffs zu begleiten. Als ein Beauftragter von Polizeipräsident Rajner Beran ausfindig gemacht hatte, um ihm Standartenführer Meckerles Befehl zu überbringen, schüttelte Frank nur kurz den Kopf.

Der Bericht der Gestapo, der eine Stunde später eintraf, sorgte jedoch dafür, daß der knochige Mann mit dem steinernen Gesicht zum erstenmal außer sich geriet.

"Ekelhafte Schweinerei!" schrie er den Hauptkommissar an, als habe er in ihm soeben den Schuldigen für den Luftangriff entdeckt, "ich erwarte, daß Sie den Täter unverzüglich dingfest machen lassen! Und ich wünsche Ihren Landsleuten, daß er ein Perverser ist und nicht so ein beschissener Widerständler, der versucht hat, den Prager Deutschen Angst einzujagen. Sonst würde ich rasch dafür sorgen, daß die Tschechen bis zum Jüngsten Tag nicht mehr aus dem Schlottern rauskommen!"

Beran fuhr stracks zum Tatort, fand dort aber nur einen Polizisten vor verschlossenem Haus, der gerade im Aufbruch war. Die Einsatzgruppe habe soeben Schluß gemacht, meldete er, und die Überreste seien in die Pathologie geschafft worden. Was denn für Überreste? Der Wachmann hatte sie selber nicht gesehen, und seine Schilderung aus zweiter Hand mutete wie die Ausgeburt einer kranken Phantasie an. Der Hauptkommissar begab sich also weiter zur Bartolomejská-Gasse und zerbrach sich den Kopf, wen er auf den Fall ansetzen sollte. Seinen besten Mordfachmann hatte man während der Heydrich-Affäre erschossen, Billigung des Attentats! und seine beiden ältesten Experten lagen mit Grippe darnieder. Froh war er, daß gerade der eifrige Morava in der Not eingesprungen war, er hoffte nur, der habe mit seiner mährischen Sturheit kein Malheur heraufbeschworen.

Der Kriminaladjunkt saß ihm dann am Schreibtisch gegenüber und las, da die Fotos noch nicht vorlagen, aus seinem Heft Dinge vor, die den an alles gewöhnten Verstand des Chefs offensichtlich stocken ließen.

"Zu a: Das Opfer, eine Frau, fünfundvierzig Jahre alt, sehr gepflegt und gut erhalten, hat ihrem Mörder offenbar nicht den geringsten Widerstand entgegengesetzt, abgesehen von den weiter unten genannten Verstümmelungen weist sie weder Abschürfungen auf noch unter ihren Fingernägeln Kampfspuren von seiner Haut;

zu b: Der Täter hat ihr mit mehreren breiten Klebestreifen, wie sie jetzt zur Sicherung von Fensterscheiben gegen Druckwellen verwendet werden, nicht nur den Mund, sondern auch die Vagina verklebt; dem ersten ärztlichen Augenschein nach wurde sie nicht vergewaltigt;

zu c: Der Täter, den Hautabschürfungen nach zu schließen, fesselte das Opfer mit Riemen rücklings auf dem Eßtisch, so daß der Kopf über den Rand ragte; unter der Tischplatte schnürte er ihr an den Knöcheln Hände und Füße zusammen;

zu d: Der Täter trennte beide Brüste unmittelbar am Brustkorb ab und legte sie neben dem Opfer auf eine ovale Servierplatte, die er dem verglasten Geschirrschrank entnahm;

zu e: Der Täter schlitzte dem Opfer den Bauch von der Brust bis zur Scheide auf, holte den kompletten Dünndarm heraus, rollte ihn geschickt zu einem Knäuel und legte ihn in eine Suppenschüssel;

zu f: Der Täter schnitt dem Opfer den Hals bis zum Rückenmark durch, durchtrennte ihn aber nicht ganz, so daß der Kopf unter der Leiche hängenblieb und das Blut in ein Messinggefäß lief, aus dem der Täter zuvor einen Blumentopf samt Gummibaum entfernt hatte;

und schließlich zu g: Auch der Arzt konnte bei der ersten Leichenschau nicht ermitteln, in welcher Phase der Folter das Opfer gestorben war. Dessen aufgerissene Aug

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