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Sweetgirl Roman von Mulhauser, Travis (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.01.2017
  • Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
eBook (ePUB)
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Sweetgirl

'Echtes Kopfkino. Mulhauser entwickelt starke Figuren und ist ein Meister des Dialogs.' Stefan Keim in >WDR 4 Buchtipps< Schon früh hat die junge Percy lernen müssen, sich um sich selbst zu kümmern. Als sie im tiefsten Winter wieder einmal ihre alkoholsüchtige Mutter sucht, findet sie in dem abgelegenen Haus in den Wäldern von Michigan nur deren zugedröhnten Dealer Shelton ? und ein schreiendes, völlig unterkühltes Baby. Instinktiv weiß Percy, dass sie die Kleine retten muss. Mit dem Mut der Verzweiflung kämpft sich das toughe Mädchen durch den eisigen, wild tobenden Schneesturm ? bald verfolgt von dem unterbelichteten Shelton und seinen unberechenbaren Kumpanen, die vor nichts, aber auch gar nichts, zurückschrecken.

Travis Mulhauser stammt aus Michigan, ist Dozent für Englisch und lebt mit seiner Familie in North Carolina.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 13.01.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783423430524
    Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
    Serie: dtv Taschenbücher 21804
    Originaltitel: Sweetgirl
    Größe: 742 kBytes
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Sweetgirl

1

Neun Tage nachdem Mama verschwunden war, hörte ich, dass sie sich mit Shelton Potter die Dröhnung gab. Gentry erzählte mir, sie wäre voll drauf gewesen und auf Sheltons Farm rumgegeistert wie ein gottverdammter Zombie.

Mama war Stammkundin bei Night Moves, dem Schnapsladen, wo Gentry arbeitete, und er kam bei mir vorbei, um mir zu sagen, dass er sie gesehen hatte, als er Shelton ein Fass Bier auf die Farm lieferte.

"Wann?", fragte ich.

"Gestern Abend", sagte er. "Ich wollte es dir schon die ganze Zeit sagen."

Eigentlich war das Einzige, was mich überraschte, meine Überraschung. Egal wie oft Carletta mich sitzen ließ, jedes Mal fühlte es sich an wie ein Schlag in den Bauch, von dem mir ganz schwindelig wurde, genau wie beim ersten Mal, als sie vergaß, mich von der Schule abzuholen.

"Sie hat mich nicht mal erkannt", sagte Gentry. "Sie hat durch mich durchgeguckt, als wäre ich Luft."

Gentry zog an seiner Nelkenzigarette und zerrte sich die Wollmütze tiefer über die Ohren. Er war sieben Jahre älter als ich, aber wir waren Freunde. Er hatte mir immer Zigaretten verkauft, obwohl ich erst diesen Sommer sechzehn geworden war, und ich stand ihm bei, wenn er Liebeskummer hatte wegen irgendeinem Kerl.

Er sah mich traurig an. Sagte, wenn mir nach Reden wäre, würde er reinkommen. Aber das hätte wenig Sinn gehabt. Gentry konnte gut zuhören, und zum Thema Carletta hatte ich jede Menge zu sagen, nur würde nichts davon sie heimbringen.

Stattdessen nahm ich die Kapuzenjacke vom Haken, bedankte mich bei Gentry, dass er die Augen offengehalten hatte, und stapfte zu meinem Pick-up. Er rief mir von der Veranda etwas hinterher, aber ich drehte mich nicht um.

Es war spät und kalt, und ich war todmüde. Ich arbeitete in Jeff Pickerings Möbelwerkstatt und hatte am Nachmittag zwei kleine Tische und eine Kommode abgeschliffen und gebeizt. Ich hatte erst nach acht die Werkstatt abgeschlossen, aber was sollte ich machen? Die Füße hochlegen und so tun, als wäre alles tipptopp?

Nein, da warf ich eben in Gottes Namen meinen alten Truck an. Ich drehte die Heizung auf und starrte hinaus in den fallenden Schnee. Es war ein Blizzard im Anmarsch, aber Mama war selbst von der Apokalypse nicht aufzuhalten, wenn sie gerade im Orbit kreiste. Und so bretterte ich die Clark Street runter und machte mich wie ein Trottel auf den Weg in die North Hills.

Die Mietshäuser in unserer Straße waren ziemlich runtergekommen und die Zäune kaputt, aber in der Detroit Street, wo die Mexikaner wohnten, war es noch schlimmer. Carletta nannte die Gegend "El Barrio" und schnalzte verächtlich mit der Zunge, wenn wir an den baufälligen Reihenhäusern vorbeifuhren. Sie sagte gern, dass sie nicht verstehen konnte, wie manche Leute lebten.

Ich sparte mir den Kommentar, dass wir bloß ein paar Straßen weiter wohnten, in einer Wohnung mit nur einem Schlafzimmer, und dass ich nicht mal genau sagen konnte, ob ich im Wohnzimmer oder in der Küche schlief, weil das Sofa in der Mitte stand. Mama hätte die Ironie gar nicht kapiert. Sie sagte immer, unsere Wohnung hätte einen "offenen Wohnbereich" - als hätten wir so ein Designer-Haus, wo alles gelackt aussah und die Vorhänge zum Sofabezug passten. Als stünden bei uns Schalen mit Obst auf dem Tisch, nur so zur Dekoration.

Nicht dass ich ein Problem damit hatte, auf dem Sofa zu schlafen. Ich schlief da wie ein Baby. Aber mich nervte, dass Carletta bestimmte Tatsachen einfach verleugnete, was ihr vielleicht einerseits irgendwie half, aber andererseits nichts anderes als Lügen war.

Trotzdem fehlte sie mir. Sie fehlte mir, und ich hatte die Nase voll von diesem Leben, wo ich rumsaß wie bestellt und nicht abgeholt und mir dauernd Sorgen um sie machte. Ich hatte es satt, mich ständig zu fragen, wo sie war, ständig Angst um sie zu haben, die sich um mein Herz legte wie eine Schlingpflanze.

Ich fuhr von der De

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