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Töchter der Elbchaussee Die Geschichte einer Schokoladen-Dynastie von Johannson, Lena (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.06.2020
  • Verlag: Aufbau Verlag
eBook (ePUB)
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Töchter der Elbchaussee

Das Erbe der Schokoladenvilla. Der Zweite Weltkrieg ist vorbei, Frieda muss schlimme Verluste verkraften. Sie lässt sich nicht unterkriegen und möchte nach und nach ihre Nichte Sarah zur Nachfolgerin in der Schokoladenmanufaktur ausbilden. Doch Friedas Sohn hat andere Pläne. Und dann holt Frieda auch noch die Vergangenheit ein. Wird es ihr zum Verhängnis, dass sie Sarah nie adoptiert hat? Ein Kampf beginnt, der Frieda mehr als die eigene Familie kosten könnte. Kann sie diesen Kampf gewinnen? Authentisch und berührend: nach dem Vorbild eines Hamburger Kakao-Kontors Lena Johannson, 1967 in Reinbek bei Hamburg geboren, war Buchhändlerin, bevor sie als Reisejournalistin ihre beiden Leidenschaften Schreiben und Reisen verbinden konnte. Sie lebt als freie Autorin an der Ostsee. Bei Rütten & Loening und im Aufbau Taschenbuch sind ihre Romane "Dünenmond", "Rügensommer", "Himmel über der Hallig", "Der Sommer auf Usedom", "Die Inselbahn", "Liebesquartett auf Usedom", "Strandzauber", "Die Bernsteinhexe", "Sommernächte und Lavendelküsse" sowie die Bestseller "Die Villa an der Elbchaussee", 'Jahre an der Elbchaussee' und 'Die Malerin des Nordlichts' lieferbar. Mehr zur Autorin unter www.lena-johannson.de

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 414
    Erscheinungsdatum: 15.06.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841218636
    Verlag: Aufbau Verlag
    Größe: 2246 kBytes
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Töchter der Elbchaussee

Kapitel 2

Am ersten Mai kam Ernst zu Besuch.

"Die Engländer sind nicht mehr weit von Harburg weg, habe ich gehört", erzählte er atemlos. "Denn kann das nu nicht mehr lange dauern, bis die Wehrmacht sich geschlagen gibt."

"Wenn du nur recht hast!" Frieda traute sich kaum, wieder Hoffnung zu schöpfen. Andererseits redete Ernst nicht als Einziger so und war zudem gut informiert. "Kann ich dir etwas anbieten, einen Kakao vielleicht?"

"Och, da sag ich nicht nein." Sarah war draußen, Hans lag, wie so oft, mitten am hellen Tag in seinem Bett und grübelte wahrscheinlich. "Kannst du das Radio anmachen?"

"Natürlich. Ist aber nur der Reichssender Hamburg", entgegnete Frieda mit einem Lächeln.

"Für mich heißt das noch immer Norddeutscher Rundfunk", erwiderte Ernst leise. "Und hoffentlich heißt das bald wieder so."

"Sehe ich doch genauso."

"So denn bereite du man den Kakao zu", forderte er sie auf. "Kannst ja nix dafür, wenn ich 'n büschen am Empfänger drehe." Er zwinkerte ihr zu, sie zuckte demonstrativ mit den Schultern und ging. Frieda war noch nicht in der Küche, als er schon nach ihr rief: "Komm schnell, da ist was passiert!" Mit wenigen Schritten war sie bei ihm. Ernst hatte nicht am Gerät gedreht. "Die haben eine Rede vom Dönitz angekündigt." In gebückter Haltung stand er vor dem Radio, die Finger kurz vor dem Knopf, als würde der Empfang leiden, wenn er sich bewegte. Auch Frieda blieb wie erstarrt stehen und hörte mit angehaltenem Atem, wie ein Sprecher sagte: "Heute Nachmittag ist unser Führer Adolf Hitler in seinem Befehlsstand in der Reichskanzlei gefallen. Bis zum letzten Atemzuge hat er für sein geliebtes Vaterland und gegen den Bolschewismus gekämpft." Friedas Gedanken überschlugen sich. Ernst und Albert hatten nach dem gescheiterten Attentat im Jahr zuvor gesagt, dass das Scheitern ein schreckliches Unglück sei. Sie hatte ihre Worte noch im Kopf. Hitlers Tod wäre die Chance auf ein schnelles Ende des Krieges gewesen. Dann war es jetzt so weit? Würden die Nazis ohne ihren Anführer endlich aufgeben? Sie hörte kaum zu, was der neue Reichspräsident und Oberbefehlshaber der Wehrmacht Karl Dönitz von Heldentod und unermüdlichem Kampf bis zum letzten Herzschlag redete, sie konnte nur daran denken, dass der Krieg nun enden würde. Henrik würde nach Hause kommen, und Per. Sie hatte nicht einmal bemerkt, dass Ernst sich aufgerichtet hatte. Erst als er seine Brille abnahm und sich über die Augen wischte, löste auch Frieda sich aus ihrer Erstarrung.

"Es ist vorbei, Ernst", sagte sie leise. "Nicht wahr? Es ist vorbei."

Ernst liefen die Tränen über die Wangen, tropften ihm von Nase und Kinn. Er konnte nichts sagen, er nickte nur. Frieda trat zu ihm und nahm ihn in die Arme. Sie hielten sich aneinander fest und weinten.

Am Tag drauf saß sie mit ihren Eltern vor dem Volksempfänger. Draußen war schönstes Wetter, es war schon ungewöhnlich warm für die Jahreszeit, allerdings auch ungewöhnlich windig. Bereits in den vergangenen Tagen waren armdicke Äste gebrochen.

"Ich muss sehen, dass ich die irgendwie da runter kriege", hatte Albert gesagt und in die Baumkronen geblickt. "Ehe womöglich jemand so einen Knüppel abkriegt."

"Ich hole uns noch ein wenig Limonade." Rosemarie hievte sich aus dem Sessel, hielt sich an der Lehne fest und verschnaufte. Sie hatte vor dem Krieg ordentlich zugelegt und erstaunlicherweise nur wenig davon verloren, darum fiel ihr jede Bewegung schwer. Trotzdem war sie oft diejenige, die etwas holen ging.

"Bleibt ihr nur sitzen, ihr habt auch mal eine kleine Pause verdient", pflegte sie zu sagen. Zwar stimmte es, dass Frieda und Sarah diejenigen waren, die mit den Lebensmittelmarken loszogen, um etwas zu essen zu besorgen, die kochten und das Haus sauber hielten, und Albert kümmerte sich ein wenig um den Garten. Der wahre Grund, vermutete Frieda, war jedoch ein anderer. Rosemarie war die Einzige in der Familie

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