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Töchter der Freiheit Roman von Ligensa, Elfie (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.01.2016
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Töchter der Freiheit

Christina Graber ist eine ungewöhnliche Frau. Mutig nutzt sie nach dem Krieg ihre Chancen: Sie setzt sich durch und macht aus ihrer kleinen Konditorei bei Baden-Baden ein erfolgreiches Backimperium, in das auch Tochter und Enkeltochter einsteigen. Doch das Leben als Unternehmerin ist nicht einfach. Mehrmals steht die Firma vor dem Aus, es gibt Neider - sogar in der eigenen Familie. Der nächste große Schlag droht, als Christinas eigener Bruder intrigiert und seiner Schwester das Geschäft kaputtmachen will. Die drei Frauen müssen sich behaupten und auch zu schlimmsten Krisenzeiten halten sie zusammen, um den Fortbestand der Graber-Dynastie zu sichern. Elfie Ligensa schreibt erfolgreich Romane und Drehbücher und lebt mit ihrem Mann und einer eigenwilligen Katze in der Nähe von Köln.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 496
    Erscheinungsdatum: 15.01.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843712002
    Verlag: Ullstein
    Größe: 1957 kBytes
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Töchter der Freiheit

Prolog

"Dieses Jahr haben wir einen besonders schönen Baum." Christina Graber sah zu der hohen Blautanne auf, die in einer Ecke des großen Wohnraums stand.

"Das sagst du jedes Jahr, Mutter."

"Ich weiß. Aber für mich ist unser Weihnachtsbaum jedes Jahr wieder der schönste, den ich je gesehen habe." Die Zweiundachtzigjährige lachte leise. "Nennt mich sentimental, das ist mir gleich. Für mich ist Weihnachten nun mal das wunderbarste Fest des Jahres." Sie sah sich um. "Und wenn ihr alle herkommt und wir alle zusammen sind, ist es besonders schön."

"Apropos alle zusammen ..." Ihre Tochter Jasmin stand neben dem Christbaum und erneuerte einige der gelben Bienenwachskerzen, die zusammen mit dunkelroten Kugeln und Strohsternen die einzige Dekoration darstellten. Sie sah auf die Uhr. "Patricia und Steven kommen mal wieder zu spät." Sie biss sich auf die Lippen. "Meine Tochter kann einfach nicht pünktlich sein. Nicht mal an einem Tag wie heute!"

"Sei nicht so streng mit ihr. Sie wird schon noch rechtzeitig hier sein." Ein liebevolles Lächeln glitt über das Gesicht der alten Frau, das noch fast ganz ohne Falten war. "Das Baby hat sie eventuell aufgehalten, du weißt doch, dass mit so einem kleinen Wurm immer mal was sein kann. Außerdem ist der Gänsebraten noch nicht gar."

Christina stand auf und trat ans Fenster. Draußen, im Vorgarten der Villa, stand ebenfalls ein Tannenbaum, und seine Lichter spiegelten sich auf der hellen Schneedecke. Ein paar vereinzelte weiße Flocken tanzten durch die Dunkelheit und glitzerten silbrig, wenn sie ins Licht der Kerzen kamen.

Vor Christinas Augen verschwammen die Lichter und Schneeflocken. Sie sah nach draußen, doch vor ihren Augen entstand das Bild eines kleinen Bäumchens, das ihr Vater heimlich im Forst geschlagen und auf der Wiese hinter dem halbzerstörten Haus aufgestellt hatte. Ein alter Zinneimer, mit Sand gefüllt, hielt die dürftige Pracht aufrecht. Anstelle von Kerzen hingen Holzäpfel, die die Mutter rot bemalt hatte, in den dünnen Ästen. Und Strohsterne, in deren Mitte ein Kreis aus Goldpapier glänzte.

Als mickerig und armselig würde man das Bäumchen heute bezeichnen, doch damals erschien es Christina der schönste Baum der Welt zu sein. Jahrelang hatten sie gar keinen Weihnachtsbaum gehabt, höchstens ein paar kleine Zweige, die eine Illusion von Weihnachtsfrieden vortäuschten. So wie die abgezählten Vanillekipferl, die nicht im entferntesten nach Vanille dufteten, aber zumindest eine Kipferlform aufwiesen. Und die kleinen runden Plätzchen mit der Marmeladenfüllung, die sie so liebte, waren aus Maismehl gebacken worden.

Und doch waren sie unendlich glücklich gewesen an diesem ersten Weihnachtsfest nach dem Krieg! Endlich Frieden! Endlich keine Angst mehr vor Bomben und Granaten. Vor plündernden Soldaten und vor nagendem Hunger.

"Ich brauche noch drei neue Kerzen." Jasmin strich sich über das dunkelblaue Kaschmirkleid, dessen einziger Schmuck eine schmale Brillantnadel war. "Du hast doch noch zwei Päckchen besorgt, Michael?"

"Sicher doch." Michael Wallmer schlug die Beine übereinander. "Sei nicht so nervös, Liebes."

"Ich bin nicht nervös, ich bin sauer!"

"Musst du nicht sein. Spätestens zur Bescherung werden die jungen Leute da sein. Sie sind schließlich heute Morgen pünktlich in Frankfurt gelandet." Christina lächelte ins Dunkel des Gartens hinein. "Das Baby hat eventuell Jetlag und weint. Der Flug war sicher strapaziös für so ein kleines Kind. Ach, ich bin ja so gespannt auf die Kleine!"

"Womit sollte das Baby sie aufhalten? Nimm sie nicht immer in Schutz, Mutter." Jasmin Wallmer legte die langen Streichhölzer auf die antike Kommode, die links neben der Tanne stand, und griff nach ihrem Sektglas. Ihrem Mann, der in einem der bequemen Sessel saß und sich wieder dem interessanten Kunstband zugewandt hatte, in dem er zuvor gelesen hatte, warf sie einen knappen Blick zu.

"Aber das

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