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Töchter von Adolph, Karl (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.08.2015
  • Verlag: OTB eBook publishing
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Töchter

Karl Adolph ( 19. Mai 1869 in Wien, 22. November 1931 ebenda) war ein österreichischer Schriftsteller. Adolph arbeitete zunächst als Malergehilfe und war ab 1901 als Kanzleigehilfe in der Verwaltung des Wiener Allgemeinen Krankenhauses tätig, wo er es bis zum Adjunkt brachte. Mit Schackerl erzielte er 1912 seinen ersten literarischen Erfolg. Daneben war er ständiger Mitarbeiter der Wiener Arbeiter-Zeitung. Karl Adolph schilderte in Romanen und Skizzen das Leben von Proletariern und Kleinbürgern der Wiener Vorstädte in naturalistischer Darstellung. 1914 erhielt er den Bauernfeld-Preis. (Auszug aus Wikipedia)

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 11.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783956768149
    Verlag: OTB eBook publishing
    Größe: 413kBytes
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Töchter

Drittes Kapitel

Erzählt von traurigen und lustigen Verhältnissen, von einer begrabenen Liebe, einem Lumpen und einem bürgerlich tugendsamen Menschen, und eignet sich für ein Lesebuch.

In der Tür stand also Poldis Vater und bot einen keineswegs schönen Anblick. Mit der allen Trunkenen (die ein schlechtes Gewissen fühlen) eigenen Hilflosigkeit versuchte er ein harmloses Lächeln, das auf Poldi herzzerreißend wirkte. Wenn wirklich einen Augenblick der Unmut sie übermannt hatte, vor dem jammervollen Anblick dieses Krüppels schmolz er in lauter Zärtlichkeit um.

"Grüaß di Gott, Vatta!" sagte sie so harmlos und liebenswürdig, als wäre nichts Außergewöhnliches an dem zu Empfangenden zu betrachten. Dabei ging sie ihm entgegen, reichte ihm die Hand wie zum Willkommen, während es doch nur zu einer verstohlenen Führung geschah. Dann geleitete sie ihn zum Sofa, in dessen Ecke sie den Vater sorgsam niederließ.

Frau Schaumann, die in steter Angst um den krüppelhaften Mann lebte, glaubte den empfundenen 61 Druck dieser Besorgnis nicht besser lösen zu können, als indem sie zu schelten anheben wollte. Ein bittender Blick der Tochter brachte sie zur Ruhe. Aber an ihrer gefurchten Stirn konnte man den in ihr tobenden Sturm des Unmuts erkennen.

"Tummel di, Mutter," sagte Poldi, die bemüht war, die böse Gewitterstimmung zu zerteilen, "daß das Nachtmahl bald am Tisch kummt. D'r Vatta wird aa an' Hunger hab'n."

"Na, Poldi," sagte der arme Vater, der, seiner Schwäche bewußt, sich sehr demütig zeigte, "i hab' wirkli . . . kan' Hunger. Waßt, sie hab'n mi beim Schwertner . . . ausg'halten. I . . . vertrag' halt nix . . . Därfts m'r net bös sein . . ." Es war wirklich schwer, dieses zu sein.

Nun konnte die Mutter, die mittlerweile einen Einkaufkorb genommen, sich nicht enthalten.

"Traurig von solche Freund', daß s' net g'scheiter san. Soll'n d'r liaber 's Geld geb'n, was die Trinkerei kost'. Fast jeden Samstag muaß m'r si für di fürchten, daß d' mit'n Rausch hamkummst."

Diesen Moment hielt Reserl für geeignet, die Stimmung durch eine Coupletstelle zu illustrieren, wie sie überhaupt jede passende, öfter auch unpassende Gelegenheit wahrnahm, ihre Sangeskunst glänzen zu lassen:

A so a Räuscherl, dös is m'r liaber
Als wia a Krankheit und wia a Fiaber . . .

Im nächsten Augenblick brannte ihr eine Ohrfeige auf der Wange. Poldi war über die unkindliche Taktlosigkeit Reserls so ergrimmt, daß diese, bevor sie 62 wußte, wie sie daran war, die Hand der Schwester zu fühlen bekam. Darob ein großes Geheul. Denn die Sängerin, die da vermeinte, es sei an ihrem Genius gesündigt worden, war im Weinen nicht minder laut als in der Ausübung ihrer Kunst.

"Den Augenblick wirst stad sein", herrschte Poldi sie mit flammenden Blicken am "An dir is a bißl z' viel versamt word'n, was i aber nachhol'n wir. Wan' net lang, sondern nimm in Krug und geh mit der Mutter."

"I mag net", heulte Reserl.

"So? Du magst net? Wart', daß d' seg'n wirst, daß d' mög'n muaßt." Damit nahm Poldi die Schwester beim Arme und führte sie zur Küche hinaus, wo ihr ohne weiteres der Krug aufgedrängt wurde.

Es ist anzunehmen, daß Energie am rechten Platz unter allen Umständen Wunder wirkt. Denn Reserl bequemte sich, wenn auch sehr unwillig, doch zur Begleitung der Mutter. Der Samstageinkauf bestand außer dem Nachtmahl, Wurst und Käse und einem Liter Abzugbier (Poldi hielt darauf, daß gewisse kleine Überschreitungen am Samstag stattfanden), noch aus den geringen Bedürfnissen an Mehl, Zucker, Kaffee usw.

Nach dem Abgang von Mutter und Reserl war Poldi durch einiges Aufräumen des Zimmers sowie durch Ausbreiten eines zwar geflickten, aber reinen und weißen Tischtuches bemüht, jene Stimmung zu erzeugen, die viele Arbeitende ergreift, wenn sie aufatmend das Handwerkszeug beiseite legen u

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