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Tage in Cape May Roman von Cheek, Chip (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.05.2019
  • Verlag: Blessing
eBook (ePUB)
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Tage in Cape May

September 1957: Henry und Effie fahren für die Flitterwochen nach Cape May, ein Ferienort an der Ostküste. Doch das Städtchen ist verlassen, die Saison ist zu Ende. Die beiden jungen Leute aus Georgia fühlen sich fremd, isoliert und in ihrer Schüchternheit gefangen. Gerade als sie beschließen, den Urlaub zu verkürzen, treffen sie zufällig auf Clara, eine Ferienbekanntschaft Effies aus Kindertagen, die eine glamouröse Gruppe von New Yorkern um sich versammelt. Darunter Max, ein reicher Playboy und ihr Liebhaber, und dessen unnahbare und rätselhafte Schwester Alma. Der verlassene Ort wird zu ihrem Spielplatz, und während sie in leer stehende Ferienhäuser einsteigen, Segeln gehen, nackt unter dem Sternenhimmel herumwandern, sich lieben und sich betrinken, geraten Henry und Effie in eine Situation, die den Rest ihres Lebens prägen wird. Ein hypnotisierender Roman, der im Spiegel von Sexualität und gesellschaftlicher Realität der Fünfzigerjahre aktuelle und zeitlose Fragen zu Ehe, Liebe und Loyalität behandelt. Chip Cheek, geboren 1976, hat bereits in Literaturzeitschriften Kurzgeschichten veröffentlicht, u.a. in The Southern Review, Harvard Review und Washington Square, und erhielt renommierte Schriftstellerstipendien. Tage in Cape May ist sein erster Roman. Chip Cheek lebt in der Nähe von Los Angeles.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 336
    Erscheinungsdatum: 13.05.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641231279
    Verlag: Blessing
    Originaltitel: Cape May
    Größe: 794 kBytes
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Tage in Cape May

1

D ie Strände waren leer, die Geschäfte geschlossen und die Häuser entlang der New Hampshire Avenue nach Sonnenuntergang dunkel. Monatelang hatte Effie ihm von diesem Ort erzählt, von den vielen Dingen, die sie hier unternehmen würden, doch hatte Effie das Städtchen nur im Sommer gekannt, und jetzt war es Ende September. Sie hatte nicht gewusst, was "außerhalb der Saison" bedeutete. Sie waren mit dem Nachtzug aus Georgia gekommen und wollten für zwei Wochen bleiben, ihre Flitterwochen.

"Mir gefällt's", sagte Henry an ihrem ersten Abend. "Man könnte glauben, wir hätten die ganze Stadt für uns."

Darüber musste Effie lachen. Einen Augenblick später begann sie zu weinen.

"Es ist nichts. Wirklich nicht - du brauchst mich nicht zu trösten. Ich bin nur müde, mehr nicht." Sie lächelte ihn an. "Aber ich bin froh, dass es dir gefällt. Wir werden hier eine sehr schöne Zeit haben."

Vor dieser Reise war Henry nie nördlich von Atlanta gewesen, und er hatte noch nie das Meer gesehen. Er war mit Effie in der kleinen Stadt Signal Creek aufgewachsen, eine halbe Stunde östlich von Macon, und im Frühjahr hatten sie beide die Highschool Thomas E. Cobb beendet, Abschlussjahrgang 1957. Sie war achtzehn Jahre alt, er zwanzig - wie viele Kinder vom Land hatte man ihn erst spät eingeschult. Soweit Henry wusste, waren sie beide noch unberührt.

Das Taxi fuhr vom Busbahnhof am Hafen mit seinem Gewimmel von Schiffsmasten vorbei; dahinter wogte das Meer, gewaltig, die Wellen mit weißen Kronen. Vom Hafen bogen sie in die mit Ulmen bestandene Wohngegend ein, und hier fanden sich auch jene prächtigen viktorianischen Häuser, von denen Effie erzählt hatte: Schiefergiebel, konische Türmchen und helle Farben, Witwengänge mit schmiedeeisernem Gitter, an den Veranden kunstvolle Schnitzereien, zum Gehweg hin offene Spaliere, blühende Chrysanthemen. Die Häuser der New Hampshire Avenue waren schlichter, ein- oder zweistöckige Gebäude, wie man sie, von den Farben einmal abgesehen, auch in Signal Creek hätte finden können. Tante Lizzies Haus war eines davon: in fahlem Rosa gestrichen, zwei Stockwerke, nach vorn raus eine in den Garten mit verwelkten Blumen ragende Veranda. So enttäuschend. Doch als Henry aus dem Wagen stieg und von drei Straßen weiter das Meer hörte, ein gedämpftes, tiefes Grollen, da war ihm, als würde sein wahres Leben jetzt erst beginnen und ihm von nun an jede Tür offen stehen. Er nahm Effie auf die Arme - sie schrie, lachte - und trug sie über die Schwelle.

Das Haus sieht anders aus, sagte Effie, als er sie wieder absetzte. Sie hatte es seit drei Jahren nicht mehr gesehen, zuletzt im Sommer vor Tante Lizzies Ableben. Die Rohrstühle waren neu, ebenso Gasherd, Kühlschrank und Gefriertruhe; damals hatte es noch keine dieser Annehmlichkeiten gegeben. Sie schienen Effie zu irritieren. Im ersten Stock gab es vier Schlafzimmer - auch die sahen anders aus -, und Effie bestand darauf, in der Dachkammer zu übernachten, wo sie als Kind schon geschlafen hatte. Nachdem sie oben am Ende der Treppe eine schwere Glastür aufgeschoben hatte, traten sie ein. Zum Glück war dieses Zimmer unverändert, die Wände steile Schrägen, die Holzbalken unverkleidet. In der Mitte stand ein einzelnes Bett, außerdem gab es eine Kommode und einen verstaubten Schminktisch mit Spiegel. In einer der Ecken entdeckten sie einen kleinen, vertrockneten Weihnachtsbaum, an den Zweigen noch Lametta. Den hatte es damals auch schon gegeben. Effie beugte sich zu den Fenstern auf Bodenhöhe hinab und stieß sie auf. Von hier aus konnte man über die Dächer der Nachbarhäuser hinweg das Meer sehen; Henry bückte sich, um hinauszuschauen.

"Es ist ein bisschen seltsam, ich weiß", sagte Effie, "aber mir zuliebe? Nur für eine Nacht?"

Ihr zuliebe würde er für den Rest seines Lebens einfach alles tun, hätte er gern geantwortet, aber Effie lachte oft nur, wenn er ihr seine tiefsten Gefühle offenbarte; während der Hoch

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