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Tagebuch eines Mörders Roman von Ekman, Kerstin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.03.2011
  • Verlag: Piper
eBook (ePUB)
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Tagebuch eines Mörders

Am Sonntag, dem 6. April 1919, fügt der Stockholmer Arzt Pontus Revinge seinen Aufzeichnungen letzte Notizen hinzu. Adressiert sind sie an Hjalmar Söderberg, den von ihm bewunderten Schriftsteller. Ihm hatte Revinge einst die Inspiration zu einem Roman geliefert. Wie man nämlich, ohne Verdacht zu erregen, einen Menschen mittels Zyankali töten kann. Er selbst ermordete später seinen verhassten Arbeitgeber und heiratete dessen Witwe. Damit aber setzt Revinge folgenschwere Ereignisse in Gang. Als plötzlich von einer Obduktion des Toten die Rede ist, packt ihn die Angst ... Mit diesem vielschichtigen Roman einer Obsession gelingt Kerstin Ekman ein großer psychologischer Roman, der in Schweden zum Bestseller wurde.

Kerstin Ekman, geboren 1933, gilt als die wichtigste skandinavische Gegenwartsautorin. Ihr umfangreiches literarisches Werk ist preisgekrönt, wurde vielfach verfilmt und in zahlreiche Sprachen übersetzt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Erscheinungsdatum: 23.03.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492952576
    Verlag: Piper
    Originaltitel: Mordets praktik
    Größe: 887 kBytes
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Tagebuch eines Mörders

- jetzt, da die Kerzenflamme im Luftzug flackert und mein Schatten an der grünen Tapete zittert und flattert wie die Flamme und zum Leben erwachen möchte -, jetzt denke ich an Andersen und sein Märchen vom Schatten, und mir scheint, ich selbst bin der Schatten, der Mensch werden wollte. Hjalmar Söderberg, Doktor Glas ALLES IST IN bester Ordnung. Ich verspüre keine Unruhe. In den vergangenen Tagen habe ich oft an den Mann gedacht, durch den mein Leben eine so ungewöhnliche Wendung genommen hat. Ich würde ihm gerne schreiben. Doch ich glaube nicht, dass er sich an mich erinnert. Ein Schriftsteller kann ja von Menschen inspiriert werden, sich ihrer bedienen und sie dann vergessen. Kann er sich auch meines Namens nicht entsinnen, so müsste er sich doch an meine ausgestreckte Hand erinnern. An meine Gabe. Es ist Sonntag, der 6. April 1919, und somit mehr als dreizehn Jahre her, dass ich diese Aufzeichnungen zu führen begann. Jetzt muss ich sie vernichten. Das ist eine gewaltige Arbeit, und ich habe lange darüber nachgegrübelt, wie ich dabei zu Werke gehen soll. Mein erster Gedanke war, Nunne zur Müllkippe zu schicken, mit der Bitte, die Kuverts in eines der Feuer zu werfen, welche dort ständig brennen. "Bombom", nuschelt er, wenn er erfährt, dass er einen Auftrag erledigen soll. Ja, Nunne, du bekommst deine Bonbons und Tabak und ein großes Geldstück. Doch diese Order besteht wahrscheinlich aus zu vielen Einzelschritten, Nunne bewältigt höchstens zwei. Unmittelbar vor der Visite kam mir ein anderer Gedanke. Wenn der Chefarzt an der Spitze seines Trupps von Assistenzärzten und Krankenschwestern hereinkommt, werde ich fragen, ob es mir schadet, hin und wieder eine Zigarre zu rauchen. Erhalte ich keine Erlaubnis dazu, gibt es immerhin noch die Möglichkeit, mich mit meiner Zigarre und meiner Streichholzschachtel ans offene Fenster zu stellen. Dort werde ich die Papiere anzünden. Eins nach dem anderen werden sie Feuer fangen und verkohlen, die schwarzen Flocken werden vom Winde ergriffen werden und sich mit dem frisch sprießenden Laube vermischen. Zuerst aber werde ich sie lesen. DER IDEALE LESER ICH HABE BESCHLOSSEN, von nun an Tagebuch zu führen. Das ist ganz natürlich. Ein Mann braucht einen Ort, an dem er seinen Gedanken und Ideen unverblümt Ausdruck verleihen kann. Diese Aufzeichnungen nach längerer oder kürzerer Zeit zu lesen, muss so sein, als führe man mit sich selbst ein Gespräch. Ich habe ja sonst niemanden zum Reden. Was wir Menschen zueinander sagen ist ohnehin größtenteils Geplapper. Höflichkeit oder Häme. Gleichwohl immer Geplapper. Mit wem könnte ich schon aufrichtig sprechen? Von Beichte ist hier nicht die Rede. Ich wähle selbstverständlich aus, was ich erzählen möchte, genauso wie in einem normalen Gespräch. Ich glaube, es kann interessant sein, auf diese Aufzeichnungen zurückzukommen. Tyko Glas behauptet zwar, für niemanden zu schreiben, nicht einmal für sich selbst. Später verrät er jedoch, dass er immer wieder gelesen habe, was er über die beiden Stimmen in seinem Innern geschrieben hat. Das ist doch wohl ein Gespräch über etwas ! Ich werde das Buch noch einmal lesen. Die Stimmung am ersten Weihnachtstage ist trostlos. Es ist kalt im Hause. Es ist Silvester, und jetzt gegen Abend sind die Straßen meist leer. Wer eine Familie hat, sitzt vermutlich in trautem Kreise um die Abendlampe. Vielleicht wurden Kerzen angezündet und es regen sich Schatten an der Tapete. Gießt man in der Neujahrsnacht immer noch Blei, obwohl bereits das Jahr 1906 anbricht? In meinem Elternhause haben wir Blei gegossen, und meine Mutter sah in dem erstarrten Metall ihre Wünsche in Erfüllung gehen. Für sich selbst sah sie Schmuck, für meinen Vater Geld in Hülle und Fülle. Was mich betraf, so sah sie einmal eine Schlange. Das Blei rann in das zischende Wasser, doch konnte ich nicht erkennen, dass es sich zu dem Emblem mit der Schlange formte, welche sich um einen Stab windet. Es glich eher dem,

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