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Taghelle Gegend von Reitzer, Angelika (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.12.2013
  • Verlag: Haymon
eBook (ePUB)
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Taghelle Gegend

Das Porträt einer jungen Frau auf dem Weg ins Erwachsenwerden: Maria, frei und ungebunden, probiert ihr Leben an wie die Kleider, die sie näht. Ziellos lässt sie sich durch die Stadt treiben auf der Suche nach einem festen Platz in diesem Geflecht aus vorübergehenden Lieben und Jobs, aus familiären Spuren, flüchtigen Begegnungen und einer eigenen, selbstbestimmten Zukunft. 'Ein Roman der leisen Nuancen:exzellent!' Die Presse, Michael Stavaric

Angelika Reitzer geboren 1971 in Graz, Studium der Germanistik in Salzburg und Berlin; verschiedene Arbeiten im Kunst- und Kulturbereich, lebt in Wien. Schreibt Prosa, Lyrik und dramatische Texte. Veröffentlichungen bislang in Literaturzeitschriften und Anthologien; österreichisches Staatsstipendium für Literatur, Manuskripte-Literaturförderungspreis, Hermann-Lenz-Stipendium 2007 u.a. Taghelle Gegend ist Reitzers Debütroman, für den sie für den aspekte-Literaturpreis 2007 nominiert wurde. Der Text, den sie beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2008 gelesen hat, ist im Prosaband Frauen in Vasen erschienen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 11.12.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783709974933
    Verlag: Haymon
    Größe: 1059 kBytes
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Taghelle Gegend

die Linden im Innenhof haben sich verausgabt, der Jahreszeit gemäß haben die Bäume aufgehört zu blühen, sie sind alt und schmal, werden aber weiterhin spärlich Blätter tragen/können nicht anders. Unter einem der Bäume steht ein Sandkasten, darin Spielzeug, das wird regelmäßig benutzt und bleibt draußen über Nacht. Fahrräder lehnen an den Hausmauern, an der hinteren rostet ein Haufen aus Speichen, verbogenen Reifen, abgeblätterten Fahrradrahmen. Plastik- und Blechtraktoren und Lkws parken auf dem dunklen, grasfreien Erdboden und Stühle auf dünnen Füßen, Müllcontainer stehen Spalier, davor eine umgekippte Tonne. Ein paar Monate wird man noch die Einschüsse in den Wänden der Seitenflügel sehen können und die ausgebrochenen Mauerteile/Mäuler, die sie an vielen Stellen im abbröckelnden Verputz hinterlassen haben.

der Lichtstrahl lässt sich viel Zeit, leuchtet so leicht zwischen den Stämmen hindurch. Als hätte er es gar nicht eilig und : würde keine einzige Wolke ihn je hindern an diesem Weg, niemals wieder die Sonne untergehen; als würde die Sonne für sich ganz alleine/einfach so und immer wieder (ohne auf etwas zu warten) scheinen. Das Licht ist in die Breite gegangen, streift lodernd die Bäume am Waldrand. Baumstammschatten werden auf die Wiese fallen. Lang und dürr werden die Schatten über dem schmalen Weg in der Wiese liegen, quer; viel länger als die Bäume hoch sind ihre Schatten lang. Da sind einzelne Äste in einer Krakelschrift mit regelmäßigen Ober- und Unterlängen auf die Wiese gekritzelt von einem riesengroßen Bleistift. Das Licht zeichnet die Schatten scharf. Aber viel schneller, als das Licht hier angekommen ist, wird sich eine Wolke zwischen Sonne und Bäume drängeln. Den Bäumen das Licht und mir den Schatten stehlen. Langsam wandert das große Schaf mit dem Namen Wolke W . oben am Himmel herum, zerstreut sich in Kleingruppen und findet wieder zusammen. Ich bemühe mich, einmal den Moment, in dem aus vielem eins wird, nicht zu verpassen. Und auf einmal ist das Licht wieder weg. Bevor all das Licht dahingeht/bevor das Licht sich ausschaltet mit Wolken, Linden, Sonnenschalter; bevor alles verweht : gehe ich selber. Nehme Anlauf und fliege irgendwohin.

auch nach der Renovierung bleiben : die vier Stockwerke, im Hinterhaus mit französischen Fenstern. Auf die Wand des linken Seitenflügels sind Blumen und Bäume mit Vögeln, Ball spielende Kinder und ein Schwarm über-dimensionaler Schmetterlinge gemalt. Darüber steht was haben wir gelacht damals hinterm mond mit drei Rufzeichen, und über dem Durchgang im Vorderhaus hat jemand in roten Buchstaben und ähnlicher Schrift nicht zu Ende gebracht : Vivian ich liebe dich immer n . Die Büsche sind hoch und verwirrt sind sie, als wären sie plötzlich gealtert, verwahrlost schauen sie aus, verkommen. Es ist nicht genau zu erkennen, wie viel sie miteinander zu tun haben. Eine Frau (lange dunkelbraune Rastalocken) in Arbeitshose und groben Schuhen, die zu spät dran ist/den Wecker nicht gehört, vielleicht vergessen ihn einzuschalten, geht über den Innenhof. Ein Dienstagmorgen im Juni. Sie beeilt sich, bleibt einmal stehen, verlässt das Haus.

wir haben nach wenigen Versuchen die Stützräder abmontiert, weil du damit viel unsicherer unterwegs warst als ohne. (Die Straße ist abschüssig, asphaltiert wurde erst später.) Ich bin bloßfüßig unterwegs, muss hin und wieder spitzen Steinen ausweichen/Springindieluft. Das Rad sieht zaghaft aus in seiner Unförmigkeit oder unbeholfen : weil es ein dickes Gestell hat und dabei noch so klein ist. Knallgelb leuchtet es vor sich hin, passt zu deinen rot leuchtenden Wangen. Der Schweiß klebt das hellblonde Haar fest an den Kopf, nur ein paar Strähnen stehen über die Oh

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