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Teufelskrone Ein Waringham-Roman. Historischer Roman von Gablé, Rebecca (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.08.2019
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Teufelskrone

England 1193: Als der junge Yvain of Waringham in den Dienst von John Plantagenet tritt, ahnt er nicht, was sie verbindet: Beide stehen in Schatten ihrer ruhmreichen älteren Brüder. Doch während Yvain und Guillaume of Waringham mehr als die Liebe zur selben Frau gemeinsam haben, stehen die Brüder John Plantagenet und Richard Löwenherz auf verschiedenen Seiten - auch dann noch, als John nach Richards Tod die Krone erbt. Denn Richards Schatten scheint so groß, dass er John schon bald zum Fluch zu werden droht ... Rebecca Gablé studierte Literaturwissenschaft, Sprachgeschichte und Mediävistik in Düsseldorf, wo sie anschließend als Dozentin für mittelalterliche englische Literatur tätig war. Heute ist sie freie Autorin und lebt mit ihrem Mann am Niederrhein und auf Mallorca. Ihre historischen Romane und ihr Buch zur Geschichte des englischen Mittelalters wurden alle Bestseller und in viele Sprachen übersetzt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 926
    Erscheinungsdatum: 30.08.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732577750
    Verlag: Bastei Lübbe AG
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Teufelskrone

Prolog

Erdberg, Dezember 1192

"Wir haben die Schlacht von Arsuf überlebt, wir werden auch dies hier überstehen", sagte Richard grimmig. Todesmutig führte er den Rührlöffel an die Lippen und kostete den zähflüssigen Brei, dessen schlammige Farbe und Beschaffenheit nichts Gutes verhießen. Mit einem gedämpften Protestlaut ließ er den Rest vom Löffel zurück in den Kessel tropfen und rührte in der blubbernden Masse. "Allmächtiger ... Das ist wirklich schauderhaft."

Einer der beiden abgerissenen Pilger, die mit ihm am qualmenden Herdfeuer standen, verschränkte die Arme und seufzte. "Sagtest du nicht kürzlich, du wüsstest zu gerne einmal, was er nicht kann, Guillaume? Ich schätze, wir sind im Begriff, es herauszufinden."

Guillaume grinste abwesend und sah zum Dachstuhl hinauf, dessen geschwärzte Balken vernehmlich knarrten, weil der eisige Dezemberwind durch die Strohschindeln pfiff. "Wetter hin oder her, wir sollten aufbrechen", riet er leise, aber eindringlich. "Wir sind schon zu lange hier."

"Oh, jetzt mach dir nicht ins Hemd", entgegnete sein Gefährte unbekümmert. "Morgen Abend sind wir in Mähren, und dann hat der ganze Spuk ein Ende."

"Bis morgen Abend kann noch viel passieren, Maurice. Außerdem sind es mindestens fünfzig Meilen bis zur Grenze, und der Schnee liegt jetzt schon eine Elle hoch. Also ..."

"Du hast ja recht", unterbrach Richard ihn beschwichtigend. "Aber wenn wir jetzt aufbrechen, kommen wir nirgendwohin, Freunde, weil die Pferde erfrieren würden und wir vermutlich auch." Er schob den Kessel beiseite, der an einem langen, schwenkbaren Eisenhaken über dem Feuer hing, und drehte ungeschickt den Spieß mit dem mageren Huhn gleich daneben, den Blick auf die schwärzlich verbrannte Haut gerichtet. Selbst im Schummerlicht dieses erbärmlichen Gasthauses schienen seine stahlblauen Augen zu leuchten. Vitalität, Klugheit, die unerbittliche Beharrlichkeit eines Visionärs - all das war in diesen Augen zu lesen, aber die Züge verrieten seine tiefe Erschöpfung. Sie waren alle müde nach den Wochen der Flucht, und keiner von ihnen konnte dem Ritt durch die Winternacht wirklich ins Auge sehen, auch Guillaume nicht.

"Soll ich vielleicht?", fragte er und zeigte auf das Huhn.

"Kommt nicht infrage", gab Richard kurz angebunden zurück. "Willst du etwa behaupten, ich sei nicht einmal in der Lage, ein Huhn zu braten?"

"Wie oft habt Ihr es denn schon gemacht?", wollte Maurice wissen.

"Alles hat ein erstes Mal", gab der Koch leichthin zurück, und seine Gefährten lachten.

Der fette Wirt, der mit einem Mönch und einem halben Dutzend Bauern aus der Gegend an einem der Tische saß, schaute verstohlen zu ihnen herüber, die Augen verengt, den Mund verkniffen. Die drei fremdländischen Pilger waren ihm nicht geheuer. Sie reisten in schäbigen Kleidern und ohne Dienerschaft, sodass sie sogar ihr eigenes Essen kochen mussten, aber sie waren mit den kostbarsten Pferden gekommen, die man in Erdberg seit Menschengedenken gesehen hatte. Auch die einheimischen Zecher betrachteten die sonderbaren Reisenden furchtsam. Erdberg lag kaum mehr als einen Bogenschuss von den Toren Wiens entfernt, aber dennoch waren Fremde hier weder häufig noch gern gesehen.

"Mehr Wein!", orderte Richard, und während er mit der Rechten weiter den Spieß drehte, fischte er mit zwei Fingern der Linken eine Goldmünze aus der Börse am Gürtel und schnipste sie dem Wirt zu.

Sie beschrieb einen funkelnden Bogen durch den verqualmten Raum, wie ein Komet in einer sternlosen Nacht. Der Wirt hob im letztmöglichen Moment die Hand, fing die Münze auf und starrte einen Moment darauf hinab. "Das kann ich nicht wechseln", nörgelte er.

Richard verstand die Worte nicht, wohl aber den Sinn, und winkte gleichgültig ab. "Schon gut. Aber mehr Wein, wenn du hast?" Er sprach überdeutlich und mit untypischer Nachsicht, als hätte er ein

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