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Tewje, der Milchmann Roman von Alejchem, Scholem (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.03.2016
  • Verlag: Manesse
eBook (ePUB)
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Tewje, der Milchmann

Einer der berührendsten Romane der modernen Weltliteratur: eine Entdeckung!
Arm an Geld, reich an Kindern, träumt der Milchmann Tewje von einem Leben ohne Not und Leid. Doch nach einem unverhofften Geldsegen wendet sich das Blatt, und unser Held muss mitansehen, wie man ihm seine Familie und seine Heimat nimmt. So bleibt er ganz allein in der Welt zurück, mit nichts als seinem Gottvertrauen und seinem unerschütterlichen jüdischen Humor. Allen Schikanen des Daseins setzt er ein humanes, verschmitztes Trotzdem entgegen, das Trotzdem des wahren Humoristen, der noch unter Tränen lacht und scherzt.
Mit seinem Hauptwerk hat Scholem Alejchem seinen Ruf als einer der größten Humoristen der Weltliteratur begründet und dem untergegangenen Milieu des Schtetls ein Denkmal gesetzt. Keine nostalgische Verklärung, keine geschönte Idylle, sondern ein berührend tragikomischer Blick auf die Katastrophen, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts drohend am Horizont aufziehen: Pogrome, Vertreibungen, Revolutionen. Dies macht den jiddischen Schicksalsroman zu einem der wichtigsten Bücher der Weltliteratur.

Scholem Alejchem (1859-1916), eigentlich Schalom Rabinowitsch, aus der Ukraine stammend, wanderte 1905 in die Schweiz und dann nach Amerika aus. Bereits mit einundzwanzig Jahren Rabbiner, begründete er mit lebensnahen Milieu-Romanen seinen Ruf als größter Humorist der jiddischen Literatur. Die von ihm geschaffenen Charaktere aus allen Schichten des jüdischen Volkes Osteuropas haben geradezu metaphorische Bedeutung erlangt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 14.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641192143
    Verlag: Manesse
    Originaltitel: Tevjeh der milchiger
    Größe: 865kBytes
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Tewje, der Milchmann

DAS GROSSE LOS

Eine wunderbare Geschichte, wie Tewje, der Milchmann, arm an Geld, aber reich an Kindern, plötzlich und
mit einem Schlag durch ein äußerst sonderbares
Ereignis, das es wert ist, in einem Buch beschrieben
zu werden, sein Glück machte. Erzählt von Tewje
selbst und wortwörtlich hier wiedergegeben

"Der den Geringen aufrichtet aus dem Staube
und erhöht den Armen aus dem Schmutze ..."

Psalm 113, 7

Wenn einem das große Los beschert ist, hört Ihr, Herr Scholem Alejchem, kommt es geradewegs ins Haus, denn wie sagt Ihr: Lamnazejach al hagithiß - wenn es geht, dann läuft es auch; es ist dabei keinerlei Verstand und Wahlmöglichkeit vorhanden. Und wenn - Gott behüte - das Gegenteil der Fall ist, könnt Ihr vor lauter Reden zerplatzen, und es wird Euch so viel helfen wie der Schnee vom vergangenen Jahr, denn wie sagt Ihr: Es gibt keine Weisheit, keinen Verstand, keinen Rat gegen ein schlechtes Pferd. Ein Mensch schuftet, quält sich, bis er sich am liebsten hinlegen und - die Feinde Zions sollen's - sterben würde. Auf einmal, man weiß nicht weswegen und woher, pferdet es von allen Seiten daher, wie es in der Bibel geschrieben steht: So wird eine Hilfe und Errettung den Juden erstehen. Das muss ich Euch ja nicht mehr extra auslegen; die Stelle lässt sich so deuten, dass ein Jude - solange die Seele noch in mir ist (solange noch eine Ader pulst) - das Gottvertrauen nicht verlieren darf. Ich hab' das tatsächlich bei mir selbst gesehen, wie der Oberste mich geleitet hat bei meinem jetzigen Broterwerb: Denn wie käme ich sonst gerade dazu, mit einem Male Käse und Butter zu verkaufen, wo doch meiner Großmutter Großmutter niemals mit Milchwaren gehandelt hat? Es ist's wahrhaftig wert, dass Ihr Euch die ganze Geschichte vom Anfang bis zum Ende anhorcht. Ich werd' mich für eine Weile hier neben Euch hin ins Gras setzen, soll das Pferd derweil ein bisschen was kauen, wie Ihr sagen würdet: Der Odem alles Lebenden lobe deinen Namen, Ewiger - auch ein Pferd ist ein Geschöpf Gottes.

Kurz und gut, es war um die Zeit des Wochenfests 5 , das heißt, damit ich Euch keine Lügen erzähle, eine Woche oder zwei vor dem Wochenfest; und vielleicht auch - hm? - ein paar Wochen nach dem Wochenfest. Vergesst nicht, es war bereits - gemach, gemach, ich will's Euch ja ganz genau sagen - vor Jahr und Tag, das heißt genau neun Jahre her oder zehn und vielleicht eine Idee mehr. Damals war ich gar nicht der, so wie Ihr mich jetzt hier seht, das heißt, zwar wirklich derselbe Tewje und doch wieder nicht dieser, wie sagt Ihr so schön: dieselbe Jente 6 , nur mit einem anderen Schleier. Was bedeutet das? Ich war, nicht auf Euch gedacht, ein bettelarmer Habenichts, obwohl ich natürlich, wenn wir schon bei dem Thema sind, auch jetzt noch sehr weit von einem reichen Mann entfernt bin. Was mir fehlt, ein Brodski 7 zu sein, das könnten wir beide uns in diesem Sommer bis nach dem Wochenfest zu verdienen wünschen; aber im Vergleich zu einst bin ich heute, heißt das, ein reicher Mann - mit eigenem Pferd und Wagen, mit - fern bleibe ihnen der böse Blick - ein paar Kühen, die Milch geben, und noch einer, die jeden Augenblick kalben müsste. Es ist - man soll sich nicht beklagen - Käse und Butter und Rahm jeden Tag frisch vorhanden, alles selbst hergestellt, denn wir alle arbeiten hart, keiner sitzt müßig herum. Meine Frau - sie soll leben - melkt die Kühe, die Kinder tragen Krüge, schlagen Butter, und ich selbst, wie Ihr hier seht, fahre jeden Morgen auf den Markt, geh' alle Datschen in Bojberik ab, man trifft mit diesem zusammen und mit jenem, mit allen größten Patriziern von Jehupez, und redet man einmal richtig ein wenig mit einem Menschen, fühlt man, dass man auch

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