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Theodor Fontane - Gesammelte Werke (Irrungen, Wirrungen; Frau Jenny Treibel; Effi Briest; Die Poggenpuhls; Der Stechlin) Neue deutsche Rechtschreibung von Fontane, Theodor (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.12.2014
  • Verlag: Anaconda Verlag
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Theodor Fontane - Gesammelte Werke (Irrungen, Wirrungen; Frau Jenny Treibel; Effi Briest; Die Poggenpuhls; Der Stechlin)

Die Lebenswelt des deutschen Adels und Bürgertums im 19. Jahrhundert ist bei Fontane gleichsam mit Händen zu greifen. In seinen Romanen wird geredet und gestritten, geliebt und verzweifelt - ganz gegenwärtig und anschaulich, so als wäre der Leser 'live' dabei. Theodor Fontane ist der wohl bedeutendste deutsche Schriftsteller seiner Epoche und ganz sicher der Schöpfer ihrer faszinierendsten Frauenfiguren. Das belegt die in diesem Band versammelte Auswahl einiger seiner besten Romane: 'Irrungen, Wirrungen', 'Frau Jenny Treibel', 'Effi Briest', 'Die Poggenpuhls' und 'Der Stechlin'. (Orthografie und Interpunktion wurden unter Wahrung von Lautstand und grammatischen Eigenheiten den Regeln der neuen deutschen Rechtschreibung angepasst)

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 1008
    Erscheinungsdatum: 01.12.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783730690840
    Verlag: Anaconda Verlag
    Größe: 2456 kBytes
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Theodor Fontane - Gesammelte Werke (Irrungen, Wirrungen; Frau Jenny Treibel; Effi Briest; Die Poggenpuhls; Der Stechlin)

VIERTES KAPITEL

Und nun war der andere Abend da, zu dem Baron Botho sich angemeldet hatte. Lene ging im Vorgarten auf und ab; drinnen aber, in der großen Vorderstube, saß wie gewöhnlich Frau Nimptsch am Herd, um den herum sich auch heute wieder die vollzählig erschienene Familie Dörr gruppiert hatte. Frau Dörr strickte mit großen Holznadeln an einer blauen, für ihren Mann bestimmten Wolljacke, die, vorläufig noch ohne rechte Form, nach Art eines großen Vließes auf ihrem Schoße lag. Neben ihr, die Beine bequem übereinandergeschlagen, rauchte Dörr aus einer Tonpfeife, während der Sohn in einem dicht am Fenster stehenden Großvaterstuhle saß und seinen Rotkopf an die Stuhlwange lehnte. Jeden Morgen bei Hahnenschrei aus dem Bett, war er auch heute wieder vor Müdigkeit eingeschlafen. Gesprochen wurde wenig, und so hörte man denn nichts als das Klappern der Holznadeln und das Knabbern des Eichhörnchens, das mitunter aus seinem Schilderhäuschen herauskam und sich neugierig umsah. Nur das Herdfeuer und der Widerschein des Abendrots gaben etwas Licht.

Frau Dörr saß so, dass sie den Gartensteg hinaufsehen und trotz der Dämmerung erkennen konnte, wer draußen, am Heckenzaun entlang, des Weges kam.

"Ah, da kommt er", sagte sie. "Nu, Dörr, lass mal deine Pfeife ausgehen. Du bist heute wieder wie'n Schornstein un rauchst un schmookst den ganzen Tag. Un son'n Knallerballer wie deiner, der is nich für jeden."

Dörr ließ sich solche Rede wenig anfechten, und ehe seine Frau mehr sagen oder ihre Wahrsprüche wiederholen konnte, trat der Baron ein. Er war sichtlich angeheitert, kam er doch von einer Maibowle, die Gegenstand einer Klubwette gewesen war, und sagte, während er Frau Nimptsch die Hand reichte: "Guten Tag, Mutterchen. Hoffentlich gut bei Weg'. Ah, und Frau Dörr; und Herr Dörr, mein alter Freund und Gönner. Hören Sie, Dörr, was sagen Sie zu dem Wetter? Eigens für Sie bestellt und für mich mit. Meine Wiesen zu Hause, die vier Jahre von fünf immer unter Wasser stehen und nichts bringen als Ranunkeln, die können solch Wetter brauchen. Und Lene kann's auch brauchen, dass sie mehr draußen ist; sie wird mir sonst zu blass."

Lene hatte derweilen einen Holzstuhl neben die Alte gerückt, weil sie wusste, dass Baron Botho hier am liebsten saß; Frau Dörr aber, in der eine starke Vorstellung davon lebte, dass ein Baron auf einem Ehrenplatz sitzen müsse, war inzwischen aufgestanden und rief, immer das blaue Vließ nachschleppend, ihrem Pflegesohn zu: "Will er woll auf! Ne, ich sage. Wo's nich drin steckt, da kommt es auch nich." Der arme Junge fuhr blöd und verschlafen in die Höh' und wollte den Platz räumen, der Baron litt es aber nicht. "Ums Himmels willen, liebe Frau Dörr, lassen Sie doch den Jungen. Ich sitz am liebsten auf einem Schemel wie mein Freund Dörr hier."

Und damit schob er den Holzstuhl, den Lene noch immer in Bereitschaft hatte, neben die Alte und sagte, während er sich setzte: "Hier neben Frau Nimptsch, das ist der beste Platz. Ich kenne keinen Herd, auf den ich so gern sähe; immer Feuer, immer Wärme. Ja, Mutterchen, es ist so; hier ist es am besten."

"Ach, du mein Gott", sagte die Alte. "Hier am besten! Hier bei' ner alten Wasch- und Plättefrau."

"Freilich. Und warum nicht? Jeder Stand hat seine Ehre. Waschfrau auch. Wissen Sie denn, Mutterchen, dass es hier in Berlin einen berühmten Dichter gegeben hat, der ein Gedicht auf seine alte Waschfrau gemacht hat?"

"Is es möglich?"

"Freilich ist es möglich. Es ist sogar gewiss. Und wissen Sie, was er zum Schluss gesagt hat? Da hat er gesagt, er möchte so leben und sterben wie die alte Waschfrau. Ja, das hat er gesagt."

"Is es möglich?", simperte die Alte noch einmal vor sich hin.

"Und wissen Sie, Mutterchen, um auch das n

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