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Tiefe Liebe, freier Fall von Nössler, Regina (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.05.2009
  • Verlag: Konkursbuch
eBook (ePUB)
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Tiefe Liebe, freier Fall

Isabel, vom Spiel der Liebe bitter enttäuscht, führt im Hinterhaus einer Berliner Zweizimmerwohnung ein Schattendasein, als sie die wohlhabende Johanna kennenlernt. Im ersten gemeinsamen Urlaub auf der Ferieninsel Madeira meint es das Glück mit den beiden ungleichen Frauen gut, zögerlich traut Isabel wieder zärtlichen Gefühlen. Doch dann wird sie von der dunklen Seite ihrer Vergangenheit eingeholt: Plötzlich taucht die totgeglaubte Agnes vor ihren Augen auf, eine längst ad acta gelegte Affäre scheint mehr zu wissen, als ihr lieb ist, und dann steht auch noch Johannas Ex vor der Tür. Zu viele Figuren beanspruchen im Monopoly des Lebens den Platz an der Sonne, und einmal mehr baut Isabel auf die extravaganten Straßen: Sie führen an den Rand der höchsten Steilküste Europas, direkt in die Tiefe. Beziehungsthriller. Spannend von der ersten bis zur letzten Seite präsentiert Regina Nössler eine Geschiche, in der die Grenzen liebevoller Hingabe und subtiler Bedrohung kunstvoll verwischt werden. Die Autorin macht vor dem Abgrund verstörender Liebe nicht Halt. 'Subtil, vielschichtig, durchweht von einem Hauch Highsmith ... Die Geschichte im Buch endet abrupt, die im Kopf läuft weiter und weiter und weiter. Gibt es Besseres über ein Buch zu sagen.' (Elke Heinicke)

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 100
    Erscheinungsdatum: 28.05.2009
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783887698621
    Verlag: Konkursbuch
    Größe: 311 kBytes
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Tiefe Liebe, freier Fall

1

Der Wind blies so kräftig, dass er sie beinahe vom Felsen warf. Johanna hatte es vorhergesagt. Johanna kümmerte sich immer um das Wetter. Sie hatte sich gegen diesen Ausflug ausgesprochen, Isabel aber durch nichts davon abbringen können. Isabel hatte zu diesem Aussichtspunkt gewollt, unbedingt, und es musste heute sein, als hinge ihr Leben davon ab. Der Blick von hier oben war als atemberaubend beschrieben. Seit ihrer Ankunft brauchte Isabel ihn täglich, den Blick auf das Wasser. Sie wurde unglücklich, wenn er ihr verwehrt wurde.

Das Gelände war schroff und unwegsam und sie musste sorgsam auf ihre Schritte achten. Zu ihrer Freude gebärdete sich das Meer dort unten viel wilder als an den Tagen zuvor. Aufbrausend und zornig. Ihr Meer - denn Isabel betrachtete es als ihres - gefiel ihr am besten mit kleinen Schaumkrönchen, in einem dunklen Türkis. Manchmal war es tiefblau, fast schwarz. Anfangs hatte Isabel sich beklagt, denn es gab sich nicht so entfesselt und gewaltig, wie sie es von einer Atlantikinsel mit Steilküsten erwartet hatte. "Sieht ja aus wie das Mittelmeer", hatte sie enttäuscht bemerkt. "Na ja, nicht so blau wie das Mittelmeer. Aber genauso langweilig und ruhig." Heute jedoch wurde sie entschädigt.

Die drei kleinen, unbewohnten Inseln, auf denen eine endemische Wolfsspinnenart beheimatet war, waren heute viel deutlicher zu erkennen als sonst. Das bedeutete schlechtes Wetter, soviel hatte sie inzwischen gelernt. Über die Wolfsspinne hatte Johanna sie morgens beim Frühstück auf der Terrasse aufgeklärt. Johanna hatte auch genussvoll erwähnt, dass jene Spinne mit anderem Namen Tarantel genannt werde. Wie gut, dass das Meer zwischen der giftigen Wolfsspinne dort drüben und Isabel dreitausend Meter tief war.

Das richtige Schuhwerk war hier unerlässlich, und obgleich Isabel den Eindruck hatte, an ihren Füßen hingen tonnenschwere Gewichte und sich zuerst mit der Begründung, sie fahre doch nicht in die Alpen, gegen sie gewehrt hatte, war sie nun froh über ihre robusten, roten Bergstiefel. Sie belächelte die Touristen, die Sandalen oder Turnschuhe trugen und sich deswegen wahrscheinlich irgendwann, wenn sie vom Fels rutschten, den Hals brechen würden. Ihr täten sie dann kein bisschen leid.

Inzwischen war sicher mehr als eine Stunde vergangen und sie hätte längst wieder umkehren müssen. Johanna würde schon warten. Sie hatte zwar gesagt "lass dir ruhig Zeit", doch nun würde sie sich bestimmt fragen, wo Isabel so lange blieb. Vielleicht würde sie sich sogar Sorgen machen? Johanna kannte ihr kleines, wohlgehütetes Geheimnis: Isabel war nicht schwindelfrei. Eine Schwäche, die sie seit nunmehr sieben Tagen mit allen Mitteln zu verbergen suchte, denn vor Johanna war sie ihr unangenehm. Sie wollte, wenn sich der schwindelerregende Abgrund neben ihr auftat, auf keinen Fall nach Johanna rufen und sie um Hilfe bitten, sie wollte nicht zugeben, dass sie nicht in die Schlucht hinunterblicken und, schlimmer noch, womöglich keinen Schritt mehr weitergehen konnte. Sie wollte Johanna gefallen. Johanna zu gefallen, war lebensnotwendig. Überlebenswichtig. Außerdem passte diese Schwäche ihrer Meinung nach überhaupt nicht zu ihr. Isabel wäre gern großartig gewesen und ganz ohne Angst. Ihre Bemühungen waren allerdings vergeblich, denn Johanna entging nichts. Gleich bei der ersten Wanderung war ihr aufgefallen, was mit Isabel los war.

Wie viel Zeit war vergangen? Eine Stunde? Mehr als eine Stunde? Dieser Ort raubte ihr jedes Zeitgefühl. Johanna würde auf sie warten, das wusste sie, und ungeduldig werden. Doch Isabel wollte nicht zurück. Noch nicht. Sie wollte einfach hier oben sitzen bleiben, mitten im Wind, der so kr&a

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