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Tochter der Elbe Historischer Roman von Jordan, Ricarda (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.09.2014
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Tochter der Elbe

Friedrichsdorf in der Haseldorfer Marsch, 1248: Die Zukunft der jungen Hilke als Frau eines Handwerkermeisters ist gesichert. Aber dann wird ihr Dorf durch eine Sturmflut verwüstet. Die 'Allerkindleinsflut' fordert zahlreiche Leben. Hilke verliert ihre Familie und ihr Zuhause. Und so ergeht es vielen Menschen. Umso größer die Wut und der Hass der Dörfler, dass Hilke ihren Freund aus Kindertagen retten konnte. Denn Hein ist seit einem Unfall gelähmt. Ist die Flut nicht die Strafe Gottes dafür, dass in ihrer Mitte dieser unvollkommene junge Mann lebt? Hilke ist entschlossen, für ihn zu kämpfen - koste es, was es wolle ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 653
    Erscheinungsdatum: 16.09.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783838754109
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 1999 kBytes
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Tochter der Elbe

V erzeihung, Meister!"

Der Junge rief erschrocken eine Entschuldigung, während er gleichzeitig versuchte, sich mit seinem ganzen Gewicht der Ladung Reetbündel entgegenzuwerfen, die eben vom Wagen polterte. Hein hatte versucht, das zuoberst auf dem Leiterwagen liegende Bündel herunterzuziehen, und Meister Knud konnte ihn gerade noch davor retten, unter dem Baumaterial begraben zu werden, das nun überall auf dem Kirchplatz verstreut lag. Zwei der Bündel waren zu allem Überfluss auch noch aufgegangen.

"Du solltest doch auf mich warten, bevor du mit dem Abladen anfängst!", herrschte der Meister seinen Lehrling an.

"Ich dachte, ich kann's schon. Bei Euch sieht's doch immer so einfach aus", rechtfertigte sich der Junge.

Er war sehr eifrig und unzweifelhaft ein kluger Kopf. Aber Meister Knud ertappte sich an diesem Tag nicht zum ersten Mal bei der Überlegung, dass Hein Maltesen nicht der geschickteste Handwerker war. Nun konnte das ja noch werden. Der Junge stand erst sechs Wochen in seinen Diensten, und er war gerade mal zehn Jahre alt. Der Meister beschloss, nicht vorschnell zu urteilen. Ein anderer hätte Hein sicher für sein Ungeschick gezüchtigt.

"Dann hilf mir jetzt aber schnell, das alles wieder in Ordnung zu bringen", sagte er versöhnlich. "Bevor Vater Thomas sich beschwert, dass wir seinen ganzen Kirchplatz blockieren."

"Sicher, Meister, gleich!"

Beflissen begann Hein, die davongerollten Bündel einzusammeln. Er konnte sie kaum heben. Der Junge war schmächtig und selbst nicht größer als die Reetbündel, die Meister Knud gleich auf das Dach der Kirche wuchten würde. Reetdächer mussten alle paar Jahre ausgebessert werden – Sonne und Wind ließen die Spitzen austrocknen und abbrechen. Bei der Kirche in Friedrichsdorf fiel in diesem Jahr zum ersten Mal eine Instandsetzung an. Das Gotteshaus war, wie alle Häuser in der Haseldorfer Marsch, erst wenige Jahre zuvor, als Friedrichsdorf gegründet wurde, gebaut worden. Vorher hatte man so nah an der Elbe nicht gesiedelt, weil der Fluss immer wieder über die Ufer trat. Die Elbmündung war tideabhängig, und wenn bei Sturmflut obendrein die Nordsee einbrach, kam es zu schweren Überschwemmungen. Dann hatten sich jedoch fleißige Bauern und Handwerker gefunden, die bereit waren, das Land einzudeichen und so zu sichern. Friedrich von Haseldorf, der Lehnsherr, hatte ihnen das gern erlaubt und ihnen Baumaterial und Gespanne zur Verfügung gestellt. Zum Dank hatten die Siedler ihren Ort nach ihm benannt.

Inzwischen brauchten die Friedrichsdorfer die Hilfe ihres Landesherrn nicht mehr, wenn es galt, ihre Häuser und ihre Deiche instand zu halten. Das Land war fruchtbar, die Gemeinde reich, und sie florierte. Das Ausbessern eines Daches für ihre Kirche konnten sich die Friedrichsdorfer mühelos leisten.

"Was ist das denn? Wollt ihr den Kirchplatz mit Reet decken?" In die helle Stimme des Mädchens, das jetzt mit einem Korb am Arm aus einer Seitengasse trat, mischte sich ein Kichern. "O weh! Warst du das wieder, Hein?"

Hilke, Meister Knuds achtjährige Tochter, hatte längst die gleiche Beobachtung gemacht wie ihr Vater. Hein war ein braver Junge, brachte aber keine besondere Begabung für seinen erwählten Beruf auf. Nun hatte man ihn wohl auch nicht gefragt, ob er bei Meister Knud in die Lehre gehen wollte. Sein Vater Malte besaß nur einen kleinen Hof, und obendrein lag sein Land direkt an der Elbe, sodass ihn die Deichdienste, zu denen er verpflichtet war, viel Geld und Arbeit kosteten. Hein war der jüngere seiner beiden Söhne, er würde also nichts erben, und so hatte Malte ihn beim nächstbesten Meister in d

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