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Tochter der Täuschung von Holt, Victoria (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.08.2014
  • Verlag: Edel Elements
eBook (ePUB)
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Tochter der Täuschung

Ein opulenter, atmosphärischer Roman um eine außergewöhnliche junge Frau im viktorianischen England. Ein fesselndes Meisterwerk der großen Erzählerin Victoria Holt! Als Tochter einer gefeierten Künstlerin erlebt Noelle zwar eine glückliche Kindheit, doch später meint das Leben es nicht immer gut mit ihr. Ein Schicksalsschlag nach dem anderen fordert Noelle heraus - doch mit Willenskraft und innerer Überzeugung folgt sie unbeirrt ihrem Weg ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 15.08.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783955304942
    Verlag: Edel Elements
    Größe: 1293 kBytes
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Tochter der Täuschung

LONDON

Désirée

Oft frage ich mich, wie es mir ergangen sein würde, wenn Lisa Fennell nicht auf so dramatische Weise in mein Leben getreten wäre, und ich stelle verwundert fest, wenn die Beteiligten nicht in demselben Augenblick an einem bestimmten Ort gewesen wären und somit nichts voneinander gewußt hätten, wäre unser aller Dasein ganz anders verlaufen.

Ich kann mir nicht vorstellen, daß es in ganz London - ja in ganz England - einen zweiten Haushalt wie den unseren gab. Ich weiß nur, daß es ein Glück für mich war, dazuzugehören, denn dieses Hauswesen wurde von der leichtlebigen, ganz und gar unkonventionellen, unnachahmlichen und bewunderungswürdigen Désirée beherrscht.

Zu jener Zeit, als der gesellschaftliche Status in allen Schichten eine gewichtige Rolle spielte, wurde das Protokoll in den Dienstbotenquartieren um nichts weniger strikt beachtet als in höheren Kreisen. Nicht so bei Désirée. Dem Hausmädchen Carrie wurde dieselbe Behandlung zuteil wie der Haushälterin Mrs. Crimp. Was nicht immer Mrs. Crimps Beifall fand. Aber das kümmerte Désirée nicht.

"Na, Carrie, wie geht's uns denn heute, Liebes?" fragte sie wohl, wenn ihr Carrie im Haus über den Weg lief. Bei Désirée hießen alle "Liebes" oder "Schätzchen". Dann strahlte Carrie vor Freude.

"Mir geht's prima, Miß Daisy Ray", antwortete sie. "Und Ihnen?"

"Es läßt sich aushalten", erwiderte Désirée mit einem Lächeln, und falls sie Mrs. Crimps mißbilligenden Blick bemerkte, sah sie darüber hinweg.

Désirée wurde von allen im Hause geliebt, abgesehen von den zwei Gouvernanten, die gekommen waren, als ich fünf Jahre alt war, um mir die Grundlagen der Bildung beizubringen. Die eine ging nach wenigen Monaten, weil bei uns zu Hause bis spät in die Nacht ein ständiges Kommen und Gehen herrschte und sie ihre Ruhe brauchte; die andere verließ uns, um die Tochter eines Adligen zu unterrichten, was mehr ihren Erwartungen entsprach. Die meisten Menschen aber erlagen Désirées Charme, hatten sie sich erst damit abgefunden, daß dies ein Haushalt wie kein anderer war: Martha Gee war ihr mit aufgebrachter Anhänglichkeit ergeben und pflegte mit zuckenden Lippen zu murmeln: "Wie soll das bloß weitergehen?"; Jenny, das Stubenmädchen, diente ihr mit Feuereifer, da sie davon träumte, eine zweite Désirée zu werden; Thomas, der Kutscher, war Désirée treu ergeben und vertrat den Standpunkt, daß jemand, der so berühmt war wie sie, sich getrost ein wenig seltsam aufführen dürfe, wenn ihr der Sinn danach stünde.

Und für mich war sie der Mittelpunkt meines Lebens.

Ich erinnere mich an einen Vorfall, als ich ungefähr vier Jahre alt war. Des Nachts drang Gelächter von unten herauf, und davon war ich aufgewacht. Ich setzte mich auf und lauschte. Die Verbindungstür zwischen meinem Zimmer und dem des Kindermädchens stand immer offen. Ich schlich hinüber, und als ich sah, daß Nanny fest schlief, zog ich Morgenrock und Pantoffeln an und ging die Treppe hinunter. Das Gelächter kam aus dem Salon. Ich blieb stehen und horchte an der Tür. Dann drehte ich den Türknauf und spähte hinein.

Désirée saß in einem langen, fließenden Gewand aus lavendelblauer Seide auf der Chaiselongue; die goldblonden Haare hatte sie hochgesteckt und mit einem schwarzen Samtband umwunden, das mit glitzernden Steinen besetzt war. Jedesmal, wenn ich sie sah, war ich von ihrer Schönheit überwältigt.

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