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Tremolino Zwei Erzählungen von Conrad, Joseph (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.11.2017
  • Verlag: Piper
eBook (ePUB)
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Tremolino

Zwei Erzählungen des großen Dichters der See Joseph Conrad - zu seinem 160. Geburtstag bei Piper Edition Joseph Conrad ist unter den Dichtern der See der größte. Keiner hat sie wie er gekannt, keiner hat sie so geliebt und gefürchtet. Die Titelerzählung "Die Tremolino" schildert ein Abenteuer, das Conrad als junger Seemann, in einen Waffenschmuggel zugunsten spanischer Royalisten verstrickt, auf einer Zweimastbark erlebte. Von jener erbarmungslosen Härte, mit der die See immer wieder dem Menschen entgegentritt, berichtet die zweite Erzählung "Weihe". Hilflos treibt die Mannschaft einer dänischen Brigg auf ihrem Wrack im Atlantik, preisgegeben der See, "die nichts gibt außer harten Schlägen und mitunter eine Gelegenheit, sich der eigenen Kraft bewußt zu werden". Neben "Die Tremolino" enthält das E-Book auch die Erzählung "Weihe". Joseph Conrad, geboren am 3. Dezember 1857 als Józef Teodor Konrad Korzeniowski bei Berchitschew/Ukraine, gestorben am 3. August 1924 in Kent. Unter russischer Herrschaft geboren, mit Polnisch als Muttersprache und Französisch als Umgangssprache aufgewachsen, wurde er Kapitän der Britischen Handelsmarine und ein englischer Erzähler von Weltrang.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 61
    Erscheinungsdatum: 15.11.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492979566
    Verlag: Piper
    Größe: 761 kBytes
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Tremolino

DIE "TREMOLINO"

Es stand geschrieben, daß ich im Mittelmeer, in der Kinderstube unserer Seefahrerahnen, lernen sollte, auf den Wegen meines Berufes zu wandeln und zuzunehmen in der Liebe zur See. Meine Liebe war blind, wie junge Liebe es oft ist, aber verzehrend und selbstlos, wie alle wahre Liebe sein muß. Ich verlangte nichts von ihr, nicht einmal Abenteuer. Darin zeigte ich vielleicht mehr unbewußte Weisheit als hohe Selbstverleugnung. Abenteuer stellen sich nicht auf Verlangen ein. Wer auszieht, um mit Vorbedacht Abenteuer zu suchen, wird erleben, daß er nur Früchte findet, die beim Pflücken in Staub zerfallen, es sei denn, die Götter liebten ihn und er wäre groß unter den Helden wie der vortreffliche Ritter Don Quijote de la Mancha. Aber wir gewöhnlichen Sterblichen mittelmäßiger Gesinnung, die nur allzu beflissen sind, böse Riesen als ehrliche Windmühlen anzusehen, nehmen die Abenteuer wie Engelserscheinungen auf. Plötzlich und unvermittelt wird unser Behagen von ihnen gestört. Sie kommen, wie ungebetene Gäste es gerne tun, oft zu ungelegenen Zeiten. Und wir sind froh, sie unerkannt und ohne Dank für die hohe Gunst wieder ziehen zu lassen. Wenn man nach vielen Jahren von der mittleren Biegung des Lebensweges aus zurückschaut auf die Ereignisse der Vergangenheit, die uns als ein freundliches Gedränge nachzusehen scheinen, indessen wir eilends dem kimmerischen Ufer zustreben, so mögen wir hier und dort in der grauen Menge eine in schwacher Ausstrahlung glühende Gestalt erkennen, auf die sich scheinbar alles Licht unseres schon abendlichen Himmels vereinigt hat. Und an dieser Glut erkennen wir unsere wirklichen Abenteuer, diese einstmals ungebetenen Gäste, die wir in unserer Jugend unversehens aufgenommen haben.

Wenn das Mittelmeer, die ehrwürdige (und manchmal schrecklich mißgelaunte) Kinderfrau aller Seefahrer, meine Jugend wiegen sollte, so wurde die Beschaffung der für diese Operation nötigen Wiege durch das Geschick dem zufälligsten Haufen unverantwortlicher junger Leute (immerhin waren sie alle älter als ich) anvertraut, die in frohem Leichtsinn und wie betrunken vom provenzalischen Sonnenschein das Leben nach dem Muster von Balzacs "Histoire des Treize" vertändelten, wozu denn noch ein Schuß Romantik de cape et d'épée kam.

Das Schiff, das meine Wiege war in diesen Jahren, war am Flusse Savona von einem berühmten Schiffbauer gezimmert worden, getakelt hatte es ein anderer tüchtiger Mann in Korsika, und in seinen Papieren war es als "Tartane" von sechzig Tonnen beschrieben. In Wirklichkeit war es eine richtige Balancelle mit zwei kurzen, nach vorn geneigten Masten und zwei gebogenen Rahen, die jede die Länge des Rumpfes hatten; sie war ein rechtes Kind des Lateinischen Meeres, ihre beiden riesigen Segel ähnelten den spitzen Schwingen am schlanken Rumpf eines Seevogels, und sie hatte auch wirklich etwas von einem Vogel, wenn sie so leicht über die Wogen hinstreifte, statt sie zu durchschneiden.

Sie hieß "Tremolino". Wie ist das zu übersetzen - der Bebende? Was für ein Name für das tollkühnste kleine Fahrzeug, dessen Seiten jemals in zornige Gischt eintauchten! Es ist wahr, ich habe sie tage- und nächtelang unter meinen Füßen zittern gefühlt, aber das rührte nur von der angespannten Straffheit ihres treuen Mutes her. Sie hat mich in ihrer kurzen, aber glänzenden Laufbahn nichts gelehrt, aber sie hat mir alles gegeben. Ich schulde ihr das Erwachen meiner Liebe zur See, die sich beim Beben ihres schnellen kleinen Körpers und beim Summen des Windes am unteren Liek ihrer Lateinersegel mit sanfter Gewalt in mein Herz stahl und mein Denken unter ihre despotische Herrschaft brachte. Die "Tremolino"! Ich kann bis zum heutigen Tage diesen Namen nicht aussprechen und nicht einmal niederschreiben, ohne daß mir die Brust seltsam eng wird und mir vor der Lust und Scheu meiner ersten empfindsamen Leidenschaft der Atem stockt.

Wir vier bildeten (um ein Wort zu gebrauchen

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