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Trips & Träume Ein Roman über die wilden Krautrockjahre von Fischer, Klaus (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.12.2011
  • Verlag: FUEGO
eBook (ePUB)
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Trips & Träume

Trips & Träume erzählt die Geschichte einer Jugend in den frühen Siebzigern - als eine ganze Generation auf den Trip ging. Drei Freunde versuchen mit Hilfe der Musik auszubrechen aus der Enge der Provinz. Und entfachen eine Rebellion gegen das Spießertum jener Zeit. Krautrock und Kiff sind der Hintergrund für eine packende Geschichte über Freundschaft, Liebe und große Ideale. Doch was ist mehr als dreißig Jahre später davon übriggeblieben? Klaus Fischer (Jahrgang 1955) schreibt über Musik. In den achtziger Jahren war er als freier Journalist für Stadt- und Musikmagazine tätig, 1993 absolvierte er ein Volontariat bei der Frankfurter Neuen Presse und berichtete anschließend als Redakteur im Ressort Kultur über Theater, Film, Musik und Literatur. Danach arbeitete Fischer als Kultur- und Medienredakteur für den Kölner Express und die Frankfurter Rundschau. Derzeit leitet er die Presseabteilung einer Würzburger Konzertagentur. Bei den Gruppen Tank of Danzig und Die Radierer saß Klaus Fischer hinter den Drums und ging mit der englischen Band The Fall auf Tournee. Er hat an mehreren Plattenproduktionen mitgewirkt, die u. a. unter der Regie des legendären, 1987 verstorbenen Produzenten Conny Plank entstanden. Trips & Träume ist sein erster Roman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 16.12.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783862870196
    Verlag: FUEGO
    Größe: 485 kBytes
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Trips & Träume

zwei Sweet Smoke

Es war heiß und trocken an jenem Samstag im Juni 1971. Die Sonne brannte erbarmungslos. Das Kaff lag wie ausgestorben da.

Die Geschäfte in der einzigen Einkaufsstraße hatten bereits geschlossen, die Bürgersteige waren gekehrt und hochgeklappt.

Mark und ich standen vor dem Eckfritz, der schlimmsten Spießerkneipe der Stadt. "Ich will das Spiel sehen", sagte Mark.

Ich schaute ihn zweifelnd an. "Da drin?"

Er ließ nicht locker. "Es ist der einzige Laden, der eine Glotze hat. Jetzt sogar in Farbe."

Fußball war nicht unbedingt eine Herzensangelegenheit von mir. Aber ein Pokalfinale war etwas Besonderes, da stimmte ich Mark insgeheim zu. Bayern München gegen den 1. FC Köln. Live aus dem Neckarstadion in Stuttgart.

In meinem Dachzimmer abhängen, ein bisschen Amon Düül II oder Kraftwerk hören, das hätte mir mehr Spaß gemacht. Doch dafür konnte ich Mark nicht begeistern. Für ihn war Fußball die angemessene Beschäftigung, um die Zeit bis zu dem Ereignis totzuschlagen, auf das wir seit Wochen hinfieberten und das heute Abend endlich anstand.

Er war fest entschlossen. "Ich geh da jetzt rein."

"Wir werden gelyncht und anschließend noch geteert und gefedert", warnte ich.

Mark schüttelte den Kopf. "Du übertreibst wie immer."

Das Eckfritz war beliebt wegen seiner regionalen Küche und den volksnahen Preisen. Der Besitzer hieß, wie sollte es anders sein, Fritz und hatte sie alle um sich geschart, die Gartenzaunnazis und reaktionären Parolenschwinger. Bei ihm tranken sie ihr Bier, spielten Skat und verputzten "Russisch Ei", Kartoffelsalat mit hart gekochten Eiern und Mayonnaise, ein in unserer Gegend beliebtes Schnellgericht.

Fritz war Anfang sechzig und trotz der Trommel, die er vor sich hertrug, noch gut in Form. Es hieß, er kraule jeden Morgen seine fünfzig Bahnen. Er stand einer freien Wählerliste vor, die er gegründet hatte und die es bei der nächsten Kommunalwahl in den Stadtrat schaffen wollte, um dann die Einsetzung einer Bürgerwehr durchzudrücken. Angeblich sei die Polizei notorisch unterbesetzt und könne deshalb nicht energisch genug gegen Verbrecher und ähnliches Gesindel vorgehen. So hatte er sich zumindest in einem Interview mit dem Lokalblatt geäußert.

Auf die Frage, wen er mit "Gesindel" meine, hatte er geantwortet: "All die, die die FDGO, die freiheitlich-demokratische Grundordnung, gefährden." Mir schwante, an wen er dabei dachte, nämlich all jene, die nicht in seinen beschränkten Kleinstadthorizont passten: Langhaarige, Kiffer und Freaks, die ins Lager oder nach drüben gehörten.

"Komm endlich", drängelte Mark.

Ich folgte ihm, wenn auch widerwillig.

Ich hätte auf mein Bauchgefühl hören sollen.

Als wir eintraten, empfing uns ein Geräuschpegel wie im Stadion. Der Fernseher dröhnte. Der Laden war proppenvoll, alle verfügbaren Stühle besetzt. Selbst im Gang zwischen Theke und Schankraum standen die Leute. Die Luft stank nach Männerschweiß, Zigaretten und Bier.

Niemand nahm Notiz von uns.

Die Glotze hing hoch über den Köpfen an der Decke in einem extra dafür konstruierten Gestell. Der 1. FC führte mit 1:0. Jetzt zeigten sie Franz Beckenbauer in Nahaufnahme. Der zog ab, und der Ball kullerte ins Netz.

"1:1! Die Bayern holen auf. Zu sehr haben die Kölner das Spiel schleifen lassen", kommentierte der Sprecher, dessen Stimme sich fast überschlug.

Jubel im Neckarstadion. Entsetzen im Eckfritz.

Einige riefen wild durcheinander und fluchten. Andere waren von den Sitzen aufgesprungen. Am Tresen fiel ein Barhocker zu Boden. In der Stammtischecke, an der sie dicht gedrängt saßen, klirrte es verdächtig.

Ich sah mich um. Männer von vierzig an aufwärts, auch etliche Rentner, die fast immer hier hockten, als ob sie kein Zuhause mehr hätten. Eine ältere Bedienung wuselte mit einem Handbesen zwischen den Tischen, räumte Scherben w

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