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Trug und Wahrhaftigkeit Eine Liebesgeschichte von Retzdorff, Christiane (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.11.2015
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Trug und Wahrhaftigkeit

Zum wiederholten Mal muss sich die Gymnasiastin Lisa-Marie in einer neuen Schule zurechtfinden. Dabei fällt sie allein durch ihre bescheidene Kleidung und Zurückhaltung auf. Schon bei der ersten Begegnung fühlt sie sich zu ihrem jungen, attraktiven Lehrer, Hendrik von Auental, der einem alten Adelsgeschlecht entstammt, hingezogen. Aber das geht nicht ihr allein so. Die junge Frau muss gegen Ablehnung und Misstrauen kämpfen. Doch auch der Lehrer sieht sich plötzlich einer bösartigen Anschuldigung ausgesetzt. Trotzdem kommt es zwischen beiden zu einer zarten Annäherung. Dann treibt ein Schicksalsschlag den Mann zurück auf das elterliche Gut, wo ihn nicht nur neue Aufgaben erwarten sondern auch Familientraditionen, die ihn in Ketten legen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 114
    Erscheinungsdatum: 25.11.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783739283074
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 819 kBytes
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Trug und Wahrhaftigkeit

Nicht das Wort Schönheit bewegte den Betrachter bei dem Anblick von Lisa-Marie, jedoch umschmeichelte ihr natürlicher Liebreiz wie ein frühlingshafter Duft die Sinne. So verstummten selbst die redseligsten Schüler, als der Lehrer die neue Schülerin vorstellte. Er tat dies mit uninteressierter Sachlichkeit. Das junge Mädchen stand gleich einer Schauspielerin auf der Bühne, die, von Scheinwerfern geblendet, das Auditorium nur schemenhaft wahrnahm und gab sich den Blicken der Klassenkameraden preis.

Lisa-Marie war schon oft in dieser Lage gewesen und hatte aufgegeben, in den lauernden Gesichtern nach solchen zu fischen, die ihr mit unvoreingenommenem Wohlwollen begegneten. Sie war es gewohnt, dass Neugierde und Misstrauen der Fremden gegenüber stärker waren als blinde Zuneigung. Gelassen nahm sie den angewiesenen Platz neben einer Schülerin ein, deren unsicheres Lächeln die einzige Begrüßung war.

Stattdessen schwebten Sätze in ihr Ohr "'Ne Lisa haben wir doch schon", "'Ne Marie doch auch", "Nennen wir sie einfach Lima" und Kichern und Flüstern. Auch trafen ihren Körper abschätzende Blicke, die von wenig schmeichelhaften Bemerkungen über ihre Kleidung, Anzüglichkeiten und Mutmaßungen über Lisa-Maries Herkunft begleitet wurden.

Der Lehrer erfuhr offensichtlich wenig Respekt von seinen Schülern, sodass der neuen Klassenkameradin, die kurz vor dem Abitur vom anderen Ende Deutschlands gekommen war, mehr Aufmerksamkeit zuteilwurde als der Weimarer Republik. Erst mit dem Klingelzeichen kehrte Ruhe in die Schar ein. Nun, da die Gelegenheit bestand, mit der Neuen zu sprechen, erfasste kurz eine Starre den Raum, um dann die Schüler beinahe hastig auf den Pausenhof zu treiben. Nur Lisa-Maries Platznachbarin wand sich an der Tür noch einmal um und öffnete kurz den Mund, aus dem doch kein ermunterndes Wort entspringen wollte, um gleich wie die anderen davonzueilen.

Zurückgeblieben in dem Klassenraum musste Lisa-Marie lächeln, auch wenn die gewohnte Ablehnung sie erschöpfte. Wieder würde sie Tage, wenn nicht Wochen brauchen, um Freunde zu finden. Wieder würde sie viel von ihrem Leben preisgeben müssen, um Vertrauen zu wecken. Wieder würde sie in dieser so unsicheren Lebensphase zwischen Kind und Erwachsenem von Gleichaltrigen als Gegnerin empfunden werden.

Lisa-Marie ging an das Fenster im ersten Stock des Schulgebäudes, von wo aus sie eine Aussicht über den ganzen Pausenhof hatte. Die jüngeren Schüler glichen mit Bewegungsfreude und Lautstärke in buntem Gewimmel die Ordnung von Formeln und Lehren aus. Doch dabei übten sie sich auch in der Entwicklung von Stärke und Unterwerfung, suchten in ihrem Wesen spielerisch nach den Grundzügen, die in ihrem weiteren Leben bestimmen sollten, ob sie Herrscher oder Diener werden würden. Doch jene, die im Abseits standen, waren bereits zu Außenseitern gestempelt, suchten Halt aneinander, nicht ohne den sehnsüchtigen Blick auf die Schüler aufzugeben, die in ihrer elitären Gemeinschaft unantastbar schienen. So strolchte der Schatten der Ausgrenzung durch die lärmende Schar.

Ihr Herz zog sich bei diesem Anblick zusammen, denn Lisa-Marie kannte nur zu genau das gerade in der Jugend so schmerzhafte Gefühl des Nichtdazugehörens. Bei jedem Schulwechsel hatte sie sich geschlossenen Gruppen gegenübergesehen, die in allem Neuen einen Gegner für ihre eigene Stellung in der Hierarchie sahen, die Angst davor hatten, den mühsam erkämpften Platz zu verlieren und daher ein Vordringen mit jedem Mittel zu verhindern suchten. Nur wenige von ihnen besaßen das Selbstbewusstsein und das Mitgefühl dem Unbekannten die Hand zu reichen.

Lisa-Marie richtete ihre Aufmerksamkeit auf den Bereich im Hof, der wie von einer unsichtbaren Mauer getrennt, den oberen Klassen vorbehalten war und auf dem auch ihre Mitschüler in kleinen Gruppen flanierten, wobei in den meisten Fällen beide Geschlechter getrennt die Zeit der Entspannung verbrachten. Doch auch über die En

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