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Uhlandgymnasium Roman. von Müller-Güldemeister, Lothar (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.04.2013
  • Verlag: Klöpfer & Meyer Verlag
eBook (ePUB)
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Uhlandgymnasium

Ein Julitag in den Sechzigerjahren. Ein nächtlicher Einbruch. Ein tödlicher Schuss auf den Wachhund. Das 'erste Mal', mit der Mutter eines Mitschülers. Die Generalprobe der Unterprima für die Aufführung von Sophokles' "Aias". Der Plan für einen Bankraub. Der Verrat am besten Freund; das alles zusammen: Für lange Zeit der letzte Tag, den Konstantin, genannt 'Primus', Schüler am altehrwürdigen Tübinger Uhlandgymnasium, in Freiheit verbringt. Neununddreißig Jahre später zwingt ein Millionenprozess am Tübinger Landgericht den Rechtsanwalt Konstantin Raffay, wieder in die Stadt zu kommen, die er nie mehr hatte betreten wollen - und aufs neue gerät er in ein tödliches Dilemma. Damals war es seine Sucht nach Abenteuer gewesen, die ihn in den Abgrund gezogen hat. Jetzt ist es seine Sucht nach Gerechtigkeit, die droht, das Gleiche zu tun. Denn was damals passiert ist, ist noch nicht zu Ende, unerbittlich laufen die Schicksalsfäden der beiden Tage aufeinander zu.

Lothar Müller-Güldemeister, 1947 in Hildesheim geboren, kam mit seinen Eltern über Marburg und Kiel 1961 nach Tübingen, ging dort erst aufs Uhlandgymnasium, später zur Waldorfschule. Jurastudium in Bonn, Bochum und Tübingen, dazwischen ein Jahr Jobben für ein Studentenreiseunternehmen in New York, später Bankjustitiar, Geschäftsführer von Immobilienfirmen, Filmproduzent, Gründer und Vorstand der börsennotierten Foris AG, heute Rechtsanwalt in Berlin. Veröffentlichte neben Fachaufsätzen u.a. 2005 den Tatsachenroman "Das Recht und sein Preis - Der Fall Foris" und 2008 die Seglergeschichte "Peloponnisos - Tagebuch einer Reise".

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 324
    Erscheinungsdatum: 10.04.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863512064
    Verlag: Klöpfer & Meyer Verlag
    Größe: 1064kBytes
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Uhlandgymnasium

1 Des Waldes Dunkel
Des Waldes Dunkel zog ihn an.
Zwischen Primus und dem Wald lagen zweihundert Meter grellblaues Licht. Zweihundert Meter kurz geschorenes Gras, von dem die Scheinwerfer jeden schützenden Schatten getilgt hatten. Zweihundert Meter, über denen die Luft vom Greinen der Sirene vibrierte.
Zwischen Primus und dem Wort, zu dem er stand, lagen Meilen zu gehn.
Zwischen ihm und dem Schlaf lag die Unendlichkeit.
Im Pförtnerhaus waren Lichter aufgeflammt. Rufe und Kommandos näherten sich. Hunde knurrten, zerrten und hechelten.
Primus zögerte. Sollte er dorthin rennen, wo Rotbart wartete? Würde Rotbart kommen und ihn holen?
Hinter der Fabrik heulte die Zündapp auf. Rotbart jagte sie im Leerlauf hoch und ließ den Gang einschnappen. Die Männer schrien und ließen die Hunde los. Dem Geräusch nach scheuchte Rotbart die Maschine, vom Gebell verfolgt, um die Gebäude herum, kreuz und quer durch die Betonstraßen des Fabrikgeländes.
Primus sprintete los. Die Armeepistole hing schwer in seiner Tasche und schlug an seinen Oberschenkel. "Todesstreifen", das Wort huschte durch seinen Kopf. Seine schwarze Gestalt musste in dem Flutlicht ein besseres Ziel abgeben als jede Schießbudenfigur auf dem Rummel am Neckar. Sollte er im Zickzack laufen und wertvolle Meter verlieren? Würden sie ohne Vorwarnung losballern?
Oder hatten sie gar keine Schusswaffen?
Fast enttäuschte ihn der Gedanke.
Durch sein Keuchen hindurch hörte er, wie sich der Singsang des Motorrads in der Nacht verlor.
Rotbart hatte es wie immer richtig gemacht. Rotbart, der Riese, das Tier, das Instinktwesen. Er hatte die Meute für entscheidende Sekunden abgelenkt. Die Stimmen und das Gelefze näherten sich wieder. Primus hatte die letzten Schritte auf dem Schussfeld hinter sich gebracht und war durch das Loch im Zaun geschlüpft. Aus einem Megafon schepperte der Befehl, stehen zu bleiben. Der schwäbische Tonfall gab ihm etwas Behäbiges. Er echote sinnlos zwischen Waldrand und Fabrikgebäude hin und her.
Primus verlangsamte seinen Schritt, während er in den Wald eindrang. Die Nacht war mondlos. Er blieb stehen, zog den Nylonstrumpf vom Kopf und die Handschuhe von den Fingern und stopfte sie in die Taschen. Sein Atem beruhigte sich.
Des Waldes Dunkel zieht mich an.
Doch muss zu meinem Wort ich stehn,
und Meilen gehn,
bevor ich schlafen kann.
Sie hatten es bei Wartenberg durchgenommen, bevor die Proben für den Aias losgegangen waren.
Robert Frost.
Bei Wartenberg gab es keine Balladen von C. F. Meyer, Droste-Hülshoff oder Fontane. Nichts mit einem Anfang, einem Ende und einer Moral, wie bei den anderen Deutschlehrern. Ein Gedicht sollte Himmel und Hölle ahnen lassen. Wie die Slides von Muddy Waters, hatte Primus für sich ergänzt. Die Fotos von Christine Keeler, nackt, oder in einem hautengen Kleid. Oder die griechischen Götter, brutal, willkürlich und unmoralisch. Und trotzdem Götter.
Wartenberg hatte sie nach dem lyrischen Ich gefragt. Zu welchem Wort musste es stehen? Er hatte es ihnen nicht verraten. Begreifen heißt erleben, sagte er. Erkenntnisse, die es wert wären, gäbe es nicht umsonst. Man müsse sie bezahlen. Mit Mühe, Schmerz und Irrtum. Mit eigener Not und Schuld. Oder manchmal, wie Aias, mit dem Leben.
Das Rascheln, Knacken und Hecheln näherte sich von links und von rechts zugleich. Primus riss den Reißverschluss an seinem Overall auf. Er hatte die Walther P 38 hundertmal auseinander- und zusammengebaut, geladen, entladen, gesichert, entsichert, bis er es im Schlaf konnte. Er entsicherte und schoss in die Dunkelheit. Ein Jaulen folgte. Den E

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