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Und Eva sprach ... Roman von Voosen, Jana (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.10.2014
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Und Eva sprach ...

Adam und Eva. Und ich.
Seit fünf Jahren sind Evi und Alexander ein Paar. Alles könnte so schön sein. Wenn da nicht Evis Schwäche für hübsche Männer wäre, für die sie allzu leicht entflammt. Von Reue gebeutelt sucht sie Hilfe bei einem Therapeuten, der Evi in einer Hypnosesitzung weiter zurückschickt als geplant, nämlich mitten hinein ins Paradies. Dorthin, wo die weiblichen Schuldgefühle ihren Ursprung haben. Aber war die Sache mit dem Apfel tatsächlich so, wie sie im meistgelesenen Buch der Welt überliefert wird?

Jana Voosen, Jahrgang 1976, studierte Schauspiel in Hamburg und New York. Es folgten Engagements an Hamburger Theatern. Seitdem war sie in zahlreichen TV-Produktionen ('Tatort', 'Marienhof', 'Hochzeitsreise zu viert' u.a.) zu sehen. Jana Voosen lebt und arbeitet in Hamburg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 13.10.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641144791
    Verlag: Heyne
    Größe: 434 kBytes
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Und Eva sprach ...

1.

Schon als kleines Kind war ich leicht zu beeindrucken.

"Evi ist sehr begeisterungsfähig und geht offen auf ihre Mitschüler zu", stand in meinem ersten Zeugnis. Aber auch: "Manchmal leidet darunter ihre Konzentrationsfähigkeit und der Wille, ein begonnenes Projekt auch zu Ende zu führen. Sie lässt sich leicht ablenken und neigt zu Sprunghaftigkeit." Wenn meine Grundschullehrerin Frau Kupfer wüsste, wie sehr sie mit dieser Beschreibung den Nagel auf den Kopf getroffen hat. Auch heute, fast dreißig Jahre später, bin ich noch leicht entflammbar. Dazu braucht es nicht vie l. Ein markantes, von einem leichten Bartschatten überzogenes Kinn und ein Blick aus vorzugsweise hellen Augen mit dichten Wimpern, so, wie mein Gegenüber in der U-Bahn ihn mir gerade zuwirft, und schon ist es um mich geschehen. Meine Freundin Corinna behauptet, ich sei in dieser Beziehung geradezu männlich. Mein Sexualtrieb scheint unmittelbar mit meinem Sehnerv verbunden zu sein. Was jetzt nicht bedeutet, dass ich mit jedem Mann, der mir gefällt, sofort durchbrennen möchte. Auch nicht mit meinem Gegenüber. Er trägt eine Umhänget asche mit der Aufschrift Hamburg-Kurier und ist mit viel gute m Willen Mitte zwanzig. Mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit ein Student, der sein Bafög als Fahrradkurier aufbessert. Aus welchem Grund auch immer so einer U-Bahn fährt. Ganz sicher jedenfalls ist er nicht der zukünftige Vater meiner Kinder. Trotzdem pumpert mein Herz schneller, als er mir jetzt ein verschmitztes Lächeln zuwirft. Ich grinse zurück und umklammere meinen Kaffeebecher, der unter dem Druck meiner plötzlich nervös verkrampften Finger nachgibt. Ein Schwall Latte Macchiato ergießt sich über meine Hand.

"Scheiße", sage ich inbrünstig, während die heiße Flüssigkeit auf meinen hellen Trenchcoat tropft und meine Sitznachbarin empört aufschreit. Dabei habe ich sie überhaupt nicht getroffen. Mit Argusaugen inspiziert sie ihre Kleidung, muss aber dann zugeben, dass nicht der kleinste Spritzer darauf gelandet ist. Trotzdem wirft sie mir noch einen vorwurfsvollen Blick zu, bevor sie sich demonstrativ abwendet. Wie ein begossener Pudel sitze ich da, als plötzlich ein altmodisches, kariertes Taschentuch in meinem Blickfeld auftaucht.

"Hier." Der Fahrradkurier ohne Fahrrad trocknet meine Hand. "Haben Sie sich wehgetan?" Ich schüttele den Kopf, obwohl meine Haut sich jetzt tatsächlich leicht zu röten beginnt. Damit passt sie sich ganz hervorragend meiner Gesichtsfarbe an, die wahrscheinlich mittlerweile ins Purpur übergeht. Das war nämlich mal wieder typisch für mich. Sobald ein hübscher Mann auftaucht, lasse ich garantiert etwas fallen, stolpere über meine Füße, falle eine Treppe hinunter. Je nachdem, was sich gerade so anbietet.

Das ist auch etwas, das Frau Kupfer schon damals erkannt hat: "In ihrem Übereifer schießt Evi so manches Mal über das Ziel hinaus und ist daher anfälliger für Unfälle und Missgeschicke als andere Kinder. Um sich und andere zu schützen, muss sie lernen, sich ihres eigenen Körpers bewusster zu werden." Zehn Jahre Ballettunterricht verdanke ich dieser Einschätzung. Genützt hat es, wie man gerade einmal wieder sieht, herzlich wenig. Ich bin immer noch ein Tollpatsch.

"Wie schade um Ihren schönen Mantel", unterbricht der Kurier meine Gedanken und beginnt damit, eben diesen trocken zu tupfen. Und zwar am oberen Ende meiner Oberschenkel. Dabei wirft er mir einen, wie ich finde, flammenden Blick zu. Das Herz schlägt mir nun bis zum Hals und meine Kehle wird ganz trocken. Die Frau neben mir wirft uns einen scheelen Blick zu, was mich dazu veranlasst, nach seiner Hand zu greifen, die in gefährlicher Nähe zu meinem Schritt tupfende und kreisende Bewegungen vollführt. Vielleicht geht das doch ein bisschen zu weit. In einem öffentlichen Verkehrsmittel. Seine Hand ist warm.

"Ähm, danke, ich mach das schon." Er reicht mir das Opa-Taschentuch.

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