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Und täglich grüßt die Erinnerung von Brandl, Sabine (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.01.2013
  • Verlag: Butze Verlag
eBook (ePUB)
9,99 €
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Und täglich grüßt die Erinnerung

Zwei Frauen, zwei Welten: die stille Lisa und die feurige Carmen. Das Wiedersehen beim Klassentreffen nach 15 Jahren weckt in Lisa fast vergessene Gefühle. Die Ehefrau und Mutter gerät in einen emotionalen Ausnahmezustand. Sie ist noch immer in Carmen verliebt, will ihr aber aus dem Weg gehen, da sie um ihre 'Familienidylle' fürchtet. Doch Carmen, die wiederum nichts von Lisas Gefühlen ahnt, will herausfinden, warum sich ihre Freundin so merkwürdig verhält. Es kommt zu Verwicklungen voller Tragik und Komik. Lisa, hin- und hergerissen zwischen Sehnsucht und Angst, verfängt sich bald in einem Gespinst aus Verdächtigungen und Lügen. Kaum scheint eine Lösung in Sicht, steht sie schon vor neuen Rätseln. Was verheimlicht ihr Mann? Wer hintergeht hier wen? Und warum kommt sie von Carmen nicht los?

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 100
    Erscheinungsdatum: 01.01.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783940611192
    Verlag: Butze Verlag
    Größe: 139 kBytes
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Und täglich grüßt die Erinnerung

1. Teil - Ausnahmezustand

"Die Liebe ist so unproblematisch wie ein Fahrzeug.
Problematisch sind nur die Lenker, die Fahrgäste und die Straße."

Franz Kafka (1883-1924)

15 Jahre ... War das wirklich schon 15 Jahre her?

Gedankenverloren blickte Lisa aus dem Fenster des Zuges. Die Dämmerung legte sich gemächlich über die herbstlichen Wiesen, Dörfer und Felder. Ein harmonisches Bild oberbayrischen Landlebens. Lisas Gedanken jedoch waren alles andere als ruhig und harmonisch. Ungeordnet und lebhaft kreisten sie um das, was der Abend bringen würde - und um das, was einmal gewesen war.

War es ein Fehler gewesen, in den Zug zu steigen? Hätte sie doch lieber absagen sollen? Was würde geschehen? War es nicht zu riskant? Oder bestand keinerlei Grund zur Sorge?

Lisa versuchte ihre Unruhe zu dämpfen und konzentrierte sich auf ein weniger aufregendes Thema.

Wie sich die anderen wohl so entwickelt hatten? Waren sie verheiratet, hatten sie Kinder, waren sie dick, dünn, sportlich, waren sie jung geblieben oder alt geworden? Gewiss waren einige zu Hausmütterchen verkommen, deren größtes Hobby es war, Kuchenrezepte mit den Nachbarinnen zu tauschen. Sie hatten mindestens drei Kinder und einen langweiligen Mann, der einem soliden, ereignislosen Bürojob nachging. Natürlich mussten auch ausreichend Fotos von der lieben Familie mitgebracht werden, um sie allen vorzuführen.

Beinahe schuldbewusst erinnerte sich Lisa daran, wie sie eine halbe Stunde vor der Abfahrt selbst noch schnell einige Fotos von sich, ihrem Mann und ihren zwei Kindern herausgesucht und in die Handtasche gesteckt hatte. Mit völlig leeren Händen wollte sie nun auch nicht erscheinen. Wehmütig glitten ihre Gedanken zurück.

Damals, mit 19, hatte sie sich geschworen, frei und unabhängig zu leben. Sie wollte eine berühmte Schriftstellerin werden, da blieb für Mann und Kinder sowieso keine Zeit. Das waren ihre Pläne, als sie sich mehr schlecht als recht auf das Abitur vorbereitete. Erstaunlich gut bestand sie es und begann, in München Germanistik zu studieren. Aufmerksam las sie die Texte der Großen, um sich das Handwerk bei ihnen abzuschauen, und sie schrieb auch selbst - zwar nur Kurzgeschichten, aber immerhin. Einige brachte sie sogar in kleinen Literaturzeitschriften unter. Als sie jedoch einen Job als Lektorin in einem kleinen Verlag annahm, war das das Ende ihrer literarischen Karriere.

Vor vier Jahren hatte Lisa geheiratet und war nach Freising gezogen. Nun war sie Mutter einer dreijährigen Tochter und eines einjährigen Sohnes. Kindergeschrei, Windelwechseln und Haushalt dominierten ihren Alltag. Abwechslung boten ihr das allabendliche Jogging und am Wochenende der Tennisclub. In zwei Jahren, wenn Marie im Kindergarten war und Tommy einen Platz im Hort bekam, wollte sie wieder ins Berufsleben einsteigen. Sie brauchte einen anständigen Beruf, um nicht von ihrem Mann finanziell abhängig zu sein. Die Schriftstellerei war etwas für Tagträumer, nur wenige Glückspilze konnten davon leben. Als Erwachsene musste man sich der Realität stellen und auf eine sichere Zukunft achten. Da waren größenwahnsinnige Geistesblitze fehl am Platz.

Wenigstens trug sie als Hausfrau und Mutter noch keine bunten Blusen in Übergröße und tauschte auch beim Kaffeekranz keine Kuchenrezepte aus. Lisa war sehr sportlich und hatte beinahe die gleiche drahtige Figur wie vor 15 Jahren. Ehrgeizig hatte sie sich die Schwangerschaftsfolgen von ihren zwei Geburten wegtrainiert. Beide Kinder waren nicht gestillt worden. Weil Lisa sich einbildete, zu wenig Milch zu produzieren - und eigentlich aus Angst um die Form ihrer Brüste. Sie war stolz auf ihre wohlgeformte Oberweite, ihren flachen Bauch und ihre schlanken Beine. Ihre Kleidung war noch immer jugendlich und lässig.

Zwar waren ihre früheren Träume zerflossen, aber so übel war ihr Leben auch wieder nicht. Sie hatte einen netten Mann und zwei

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