text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Universitätsmamsellen Fünf aufgeklärte Frauen zwischen Rokoko, Revolution und Romantik von Kleßmann, Eckart (eBook)

  • Verlag: AB - Die Andere Bibliothek
eBook (ePUB)
14,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Universitätsmamsellen

"Mit Schirm, Charme und Verstand" Die deutsche Romantik ist wieder ein Thema - und mit ihr Leben und Schicksal von fünf ebenso gescheiten wie attraktiven Göttinger Töchtern, die ihre Angelegenheiten mit erstaunlicher Selbstverständlichkeit und Willenskraft in die eigenen Hände genommen haben. Dorothea Schlözer zum Beispiel, die als erste Frau in Europa den Titel eines Doktors der Philosophie erhielt, ihre Urkunde aber nicht in Empfang nehmen konnte, weil Frauen die heiligen Räume der Universität nicht betreten durften. Oder ihre Freundin Therese Heyne, die noch recht jung den Weltumsegler Georg Forster heiratete, ihn aber später zugunsten des Schriftstellers Ludwig-Ferdinand Huber verließ. Nach dessen Tod leitete sie sieben Jahre lang die Redaktion von Cottas "Morgenblatt"; vermutlich war sie nicht nur in Deutschland die erste Frau, die ein journalistisches Amt von solchem Einfluss versah. Oder Caroline Schlegel, geborene Michaelis, der in der entstehenden jungen Romantik eine bedeutende Aufgabe zufiel. Dorothea Schlözer, Therese Heyne, Caroline Michaelis, Meta Forkel und Philippine Gatterer: In fünf eindrucksvollen Porträts entwirft Eckart Kleßmann mit Elan und voller Liebe die Bilder einer Galerie der frühen Emanzipation und dokumentiert ein wichtiges, ernstes und zugleich amüsantes Kapitel der Kultur- und Gesellschaftsgeschichte, das erst unsere Zeit ganz zu würdigen vermag.

Eckart Kleßmann, 1933 in Lemgo geboren, lebt als freier Schriftsteller in Mecklenburg. Nach der Ausbildung zum Sortiments- und Verlagsbuchhändler in Stuttgart arbeitete er zunächst als Verlagslektor, dann als Redakteur für Die Welt und Die Zeit in Hamburg. Er veröffentlichte mehrere Bücher über das Zeitalter Napoleons und Biographien (u.a. Caroline Schlegel, E.T.A. Hoffmann und Matthias Claudius). Zuletzt erschien Goethe und seine lieben Deutschen. Ansichten einer schwierigen Beziehung (2010). Für sein Gesamtwerk wurde er ausgezeichnet mit dem Hamburger Literaturpreis der Irmgard-Heilmann-Stiftung (1989), der Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung (1995) und dem Lion-Feuchtwanger-Preis der Berliner Akademie der Künste (1998).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 336
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783847752813
    Verlag: AB - Die Andere Bibliothek
    Serie: Die Andere Bibliothek Bd.281
    Größe: 3828 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Universitätsmamsellen

Die Obrigkeit

ERFOLGREICHER ALS IM KAMPF GEGEN die Hunde und ihre Besitzer war das Bemühen, gegen eine Unsitte einzuschreiten, die man harmlos als "Ausgießen" bezeichnete. Gemeint war damit das rücksichtslose Ausleeren gefüllter Nachttöpfe aus dem Fenster, worüber 1760 geklagt wurde, "könnte die Polizey die bösen Sündfluthen aus den Fenstern hemmen, so wäre auf den Gassen auch des Abends gut fortzukommen".

So beschwerte sich 1765 eine Metzgerstochter über einen von ihr namhaft gemachten Studenten, "er habe schone vielmahls auf ihren Laden zugegossen und ihnen Speck, Wurst und Pflaumen zuschaden gemacht". Nun griff endlich die Obrigkeit ein und wies die Studenten an, "sich des Ausgießens des Wassers, es mag dasselbe beschaffen seyn, wie es wolle, auf die Strasse so wohl des Tags als des Nachts über gänzlich zu enthalten", wiewohl Michaelis behauptete, Studenten seien viel zu gut erzogen, um solche Verstöße zu begehen, die Schuldigen seien die Aufwärterinnen. Peinlich war freilich, daß die Polizei nun noch gegen die Professoren Böhmer und Claproth Anzeige wegen nächtlichen "Ausgießens" erstattete und diese daraufhin protestierten, die Polizei habe sich damit "eine unmittelbare Gerichtsbarkeit über ihre Personen angemaßet"; um den Tatbestand als solchen ging es also gar nicht einmal.

Das 18. Jahrhundert gab sich in den Fragen der Hygiene ziemlich lax. Die Kanalisation der Städte erfolgte erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts, und die wiederholten Klagen über den "Gassenkot" sind ganz wörtlich zu nehmen. Wie in den meisten kleinen Städten hielten sich die Bürger Schweine, Ziegen, Schafe und Kühe, die vom Gemeindehirten morgens abgeholt und auf eine öffentliche Weide geführt und abends ihren Besitzern wieder zurückgebracht wurden. Bei ihrem Zug durch die Straßen fielen einige Hinterlassenschaften an, für deren Beseitigung sich niemand zuständig fühlte. Seinen persönlichen Unrat entleerte man in die Gosse, denn längst nicht jedes Haus verfügte über einen Abtritt. Selbst im großen und reichen Hamburg besaß damals nur jedes zweite eine "Laube" oder "heimlich Gemach", und auch in einer solchen Stadt wollten die Beschwerden über die allgemeine Unreinlichkeit nicht enden. Die in Göttingen getroffenen Maßnahmen begannen aber zu wirken, und die kleine Stadt wurde zusehends reinlicher, wenn sie auch von modernen Sauberkeitsvorstellungen noch weit entfernt blieb.

Beschwerten sich Professoren über eine angemaßte Polizeigewalt, was häufiger geschah, so hatte das mit der besonderen Stellung der Universität in den Fragen der Rechtsprechung zu tun. Zwar unterstand die Universität dem Geheimen Rat in Hannover, und der König und Kurfürst war ihr Rektor. Doch gab es ein eigenes und weitgehend autonomes Universitätsgericht. Es bestand aus den vier Dekanen der Fakultäten, dem Universitätssyndikus und dem Sekretär unter dem Vorsitz des Prorektors, der für den fernen Rektor in London die Universitätsgeschäfte führte. Dieses Gericht entschied über alle Zivil- und Kriminalsachen, soweit sie die Universität und der ihr Angehörenden einschließlich aller Studenten betrafen.

Das Gericht konnte die Schuldiggesprochenen auf mehrere Weisen bestrafen: durch eine Geldbuße, durch eine Freiheitsstrafe in den fünfzehn Räumen des Karzers (überstieg sie eine Dauer von neun Monaten, so überstellte man die Verurteilten in das Zuchthaus von Celle), durch das Consilium abeundi, wonach ein Student die Universität zu verlassen hatte, oder in schwereren Fällen durch die Relegation, die auch anderen Hochschulen mitgeteilt wurde, wodurch es schwierig, wenn nicht unmöglich wurde, sein Studium auf einer anderen Universität fortzusetzen. Zur Erzwingung von Geständnissen besaß das Gericht auch das Recht, die Folter anzuwenden, was aber niemals geschah. In einem einzigen Fall ist die Todesstrafe verhängt worden (ein Student hatte 1766 einen anderen in einem - grundsätzlich verbotenen - Duell

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen