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Unter dem Himmel von Notre-Dame von Williamson, Penelope (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.01.2015
  • Verlag: Edel Elements
eBook (ePUB)
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Unter dem Himmel von Notre-Dame

'Penelope Williamson weiß, wie man eine packende Geschichte mit überzeugenden und doch vielschichtigen Charakteren meisterhaft erzählt. Ihnen folgt der Leser immer atemloser bis zur letzten Seite!' (San Francisco Chronicle) Paris 1789, am Vorabend der Französischen Revolution. Seit ihrer ersten zufälligen Begegnung sind die schöne Gabrielle und Maximilien de Saint-Just, unehelicher Sohn, aber einziger Erbe eines der mächtigsten Adelsgeschlechter Frankreichs, füreinander entflammt. Doch Gabrielle wird von der einflussreichen Familie ihres ersten, verstorbenen Mannes gejagt, die ihren kleinen Sohn Dominique, Frucht dieser Mesalliance, entführen will. Max hat als Bastard schon früh lernen müssen, seine Gefühle zu verbergen und mit Zynismus und Skrupellosigkeit in den Gassen von Paris zu überleben, nachdem sein hochgeborener Vater die Mutter sitzen ließ, und diese sich als Prostituierte durchschlagen musste. Einen Tag vor Ausbruch der Revolution wird Gabrielle mit dem kleinen Dominique dann in die Bastille verschleppt...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 416
    Erscheinungsdatum: 02.01.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783955306113
    Verlag: Edel Elements
    Größe: 2092 kBytes
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Unter dem Himmel von Notre-Dame

PROLOG

1783

Seit zwanzig Jahren besaß Simon Prion einen Pfandleiherladen neben dem Palais Royal. Diese Gegend war sehr belebt, und nichts Unmenschliches war Simon Prion fremd geblieben. Was auch immer seine Kunden ihm brachten - ein Diamantenhalsband der Großmutter, einen Degen des Vaters, die silbernen Schnallen der im Vorjahr gekauften Schuhe -, es lief alles aufs gleiche hinaus: Sie verpfändeten ihre letzte Hoffnung, das letzte Stück eines zerbrochenen Traums.

Nicht so diese Frau ... Sie kam Simon anders vor.

Seit mehr als einer Stunde beobachtete er sie jetzt. Sein Geschäft befand sich in der neuen Galerie de Valois, rechts neben dem Palast, den sich ursprünglich Kardinal Richelieu hatte erbauen lassen. Eingangstür und Schaufenster blickten auf den Park hinaus. An sonnigen Tagen herrschte in dem rückwärtig gelegenen Park und den umgebenden Arkaden des Palais Royal ein überaus geschäftiges Treiben. Bettler und Balladenerzähler, Herzöge und Flickschuster - irgendwann kamen sie alle her. Denn das Palais Royal war das Zentrum von Paris, und Paris war das Zentrum der Welt, und hier verpfändeten sie ihre Träume.

Heute war es anders. Heute war der Himmel schmutziggrau. Der Wind blies feucht und kalt und zauste die letzten welken Blätter an den Ästen der Kastanienbäume. Manchmal rüttelte er an dem Geschäftsschild über dem Eingang - den drei goldenen Kugeln der Pfandleiher; dann knarrte das Schild. Es war zwar erst November, doch die Ränder der Pfützen auf den gepflasterten Straßen und sandigen Wegen hatten eine Eiskruste.

Der Park war menschenleer, nur die junge Frau ging auf der anderen Straßenseite hin und her. Ab und zu blieb sie stehen und blickte zu ihm hinüber, und Simon dachte, daß sie nun endlich kommen würde. Statt dessen setzte sie ihre unruhige Wanderung fort. Es fiel ihr schwer, sich von den Träumen zu trennen, die sie nun endgültig aufgeben mußte.

Von Neugierde getrieben, trat Simon an das vollgestellte Schaufenster, von wo er sie besser beobachten konnte. Sie war groß und schlank, und in dem weiten, schwarzen Cape wirkte sie zart und zerbrechlich. Das war nicht die Tochter eines Kaufmanns aus der Provinz, auch kein Bauernmädchen. Ihre gemessene Art, sich zu bewegen, und die stolze Haltung ihres Kopfes entsprachen der guten Erziehung, wie sie in Familien mit alter Tradition vermittelt wurde. Der Schnitt ihres weiten Mantels, ihre selbstbewußten, zielstrebigen Bewegungen - die Frau war zweifellos in Paris zur Welt gekommen und aufgewachsen.

Ihr Gesicht war blaß und glatt, ohne Pockennarben. Sie hatte klare, kräftige Züge, ein ausgeprägtes Kinn, eine breite Stirn und dunkle, kräftige Brauen. Während Prion die Frau beobachtete, fuhr ihr der Wind unter die Kapuze; eine Haarsträhne löste sich und fiel ihr auf die Wange. Das Haar war flammend rot.

Plötzlich blieb die junge Frau stehen, drehte sich um und blickte zum Laden herüber.

Simon stolperte vom Fenster zurück und hätte beinahe eine orientalische Vase von ihrem Podest gestoßen, deren Preis er mit zwanzig Livres angesetzt hatte. Sein Gesicht glühte. Er konnte sich gut vorstellen, wie er aussah - ein älterer Mann, beleibt und mit halb kahlem Kopf, der dabei ertappt wurde, wie er hinter dem Fenster eine hübsche Frau beobachtete.

Prion holte tief Luft. Sie kam auf seinen Laden zu.

Doch im letzten Augenblick bog sie nach links zum Tor des Palais ab. Simon hatte sich in den dunklen hinteren Teil seines Ladens zurückgezogen und sah der Frau nach, als sie an seinem Schaufenster vorbeiging und verschwand. Sie hatte sich also doch nicht überwinden können, sein Geschäft zu betreten, was ihn schmerzlich enttäuschte.

Ohne nachzudenken zog der Pfandleiher seinen Arbeitskittel aus und griff sich von einem Wandhaken eine Jacke. Sein linker Arm steckte im Ärmel und mit dem rechten tastete er nach der Türklinke, als die Tür aufgestoßen wurde und ihm hart auf die Nase knallte.

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