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Unter den Linden Nummer Eins Der Roman des Hotel Adlon von Ebertowski, Jürgen (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.03.2013
  • Verlag: Berlin Verlag
eBook (ePUB)
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Unter den Linden Nummer Eins

Berlin, 1932: Der arbeitslose Akademiker Karl Meunier bewirbt sich als Hausdetektiv im legendären Hotel Adlon - Inbegriff des mondänen Berliner Flairs der Zwischenkriegsjahre. Bald steht fest: Aus dem Weinkeller verschwinden große Posten des teuersten Champagners.Meunier vermutet, dass hier von hohen Offizieren gefährliche Coups eingefädelt werden.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 12.03.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783827076854
    Verlag: Berlin Verlag
    Serie: BVT Bd.469
    Größe: 711 kBytes
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Unter den Linden Nummer Eins

6.

E IN ENERGISCHER F USSFALL ÜBERZEUGT L OUIS A DLON

Louis Adlon bat Karl, Platz zu nehmen. Er selber blieb stehen und begann, als Karl saß, langsam, mit auf den Rücken verschränkten Händen, hinter seinem Schreibtisch auf und ab zu schreiten. Durch die Fenster hinter dem Schreibtisch, das Büro

ging auf die Linden hinaus, sah Karl den morgendlichen Verkehr vorbeifluten. Es schneite noch immer dicke Flocken auf die Blumenfrau.

Louis Adlon räusperte sich mehrmals, bevor er sprach. "Eigentlich fallen Einstellungsgespräche in den Aufgabenbereich meiner Frau, Herr Meunier, aber heute müssen Sie mit mir vorliebnehmen. Sie ist auf Reisen." Er deutete auf einen handbeschriebenen Briefbogen auf der Schreibtischplatte. "Aber im Vertrauen, das ist eine Ausrede. Natürlich hätte sich auch Herr Engel mit Ihnen unterhalten können." Er griff nach dem Briefbogen, Karls Lebenslauf. "Ehrlich gesagt ist es Ihre Vita, die mich neugierig gemacht hat. Sie scheinen ein interessantes Leben geführt zu haben und viel in der Welt herumgekommen zu sein."

Karl zuckte mit den Achseln. "Wie man es nimmt, Herr Generaldirektor. Aber es stimmt, meine diversen Tätigkeiten haben mich soweit einigermaßen ernährt und dazu quasi gratis in der Welt herumgebracht, das ist richtig." Daraus, daß Louis Adlon dem Generaldirektor nicht widersprach, schloß Karl, daß es allgemein üblich zu sein schien, ihn so anzureden. Er legte den Mantel, den er noch immer über dem Arm trug, in seinen Schoß.

"Sie schreiben", Louis Adlon unterbrach sein Auf- und Abgehen und las laut vor: "'Nach meinem Ausscheiden aus der Armee als Oberleutnant belegte ich Anglistik, Romanistik und Philosophie an der Friedrich-Wilhelms-Universität und exmatrikulierte 1923 als Magister' - gleich darauf teilen Sie mir mit, daß Sie Anfang 1924 bereits Steward auf der Midmed-Linie zwischen Genua und Istanbul waren. Ja, haben Sie denn nie versucht, etwas aus Ihrem Universitätsabschluß zu machen? - Lektorat in einem Verlag oder von mir aus auch Kundenbetreuer für Ausländer bei einer Bank?"

Karl nickte. "Versucht schon, Herr Generaldirektor, aber außer als Fremdenführer bei einer Stadtrundfahrtgesellschaft, das Unternehmen gibt es längst nicht mehr, war zu dieser Zeit einfach kein Unterkommen. Das mit der Fremdenführerei habe ich ein paar Monate gemacht, und dann habe ich in der London Times das Angebot von der Midmed-Reederei gelesen und mich beworben. Denen ging es weniger um Englisch oder Französisch als um jemanden, der auch fließend Deutsch konnte. Das korrekte Alter hatte ich auch, also haben Sie mich genommen. - Bereut habe ich die drei Jahre zur See nicht."

"Danach steht hier etwas von selbständiger Tätigkeit im Gaststättengewerbe - auf Malta!" Louis Adlon hob fragend die Augenbrauen. "Ich kann dem beim besten Willen nicht entnehmen, was das im Detail bedeutet! - Malta kenne ich übrigens flüchtig. Wir haben bei einer Mittelmeerkreuzfahrt einmal den Grand Harbour angelaufen und sind für ein, zwei Stunden an Land gegangen."

"Ich habe 1927 meine Ersparnisse in eine kleine Bar in Valletta investiert. Zusammen mit einem schottischen Kollegen, den ich bei der Midmed kennengelernt hatte. Es war eine Bar mit Blick über den Grand Harbour. Wir servierten dort auch kleinere Speisen. Mein Partner war gelernter Koch."

"Interessant", sagte Louis Adlon, "und wie weiter?"

"Bis Ende neunundzwanzig lief's ganz passabel." Karl seufzte und drehte die Handflächen nach oben. "Irgendwann, wenn auch mit geraumer Verspätung, erreichte der Schwarze Freitag auch Malta, und wir mußten den Laden weit unter Wert verkaufen. War kein Einzelschicksal in jenen Tagen. Ein Jahr haben wir noch versucht, etwas Neues auf die Beine zu stellen, hatten aber kein Glück. Ich bin dann nach Deutschland zurück. Mein ehemaliger Partner - wir schreiben uns noch gelegentlich - hat wieder

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