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Unter einem Schwarzen Himmel von Ågren, Leo (eBook)

  • Erschienen: 18.06.2015
  • Verlag: Saga Egmont
eBook (ePUB)
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Unter einem Schwarzen Himmel

Eine Zeit der Gesetzlosigkeit ist angebrochen. Bewaffnete Männer durchkämmen das Dorf. Ein Schriftsteller, dessen Frau Elisabet und der Dieb Eriksohn verstecken sich in der Kirche. Ihre Situation scheint hoffnungslos. Da verrät Eriksohn, dass sie nicht wehrlos sind. Sie könnten ihre Verfolger überrumpeln, müssten dafür aber ihre moralischen Grundsätze verraten - und selbst töten. In großer Anspannung beraten die drei Verfolgten, wie sie vorgehen sollen. Es entwickelt sich der geradezu teuflische Plan eines "Gottesgerichts". Der Roman Unter einem schwarzen Himmel ist spannend, unheimlich und gleichzeitig ein Hohelied der Liebe und Menschlichkeit. Leo Ågren hat seinen Thriller bewusst zeitlos angelegt. Diese Geschichte könnte im Wilden Westen spielen, im Deutschland des Jahres 1933 oder in einer Militärdiktatur in den 1950er Jahren. Vielleicht passiert sie gerade jetzt irgendwo auf der Welt, und wir erfahren morgen aus den Nachrichten davon. AUTORENPORTRÄT Leo Ågren, geboren 1928 in der vorwiegend schwedischsprachigen finnischen Provinz Österbotten, erlernte den Beruf eines Schriftsetzers und debütierte 1954 mit dem Roman Hunger i skördetid. Für sein Werk wurde er mit mehreren Literaturpreisen und Stipendien ausgezeichnet. Anfang der 1960er übersiedelte er nach Stockholm. 1971 erschien sein letzter Roman Krigshistoria, der nunmehr unter dem Titel Leo Nilheims Geschichte in deutscher Sprache vorgelegt wird. Leo Ågren starb 1984 in Stockholm.

Produktinformationen

    Größe: 1931kBytes
    Herausgeber: Saga Egmont
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 88
    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    ISBN: 9788711448571
    Erschienen: 18.06.2015
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Unter einem Schwarzen Himmel

Ein fahles rotes Abendlicht floss langsam über den Sarkophag. Ab und zu fegte ein Schatten vorbei und verdunkelte das Licht. Ich wusste, dass es die Zweige einer alten Eiche waren, die sich vor dem Fenster im kühlen Frühherbstwind schüttelten. Die schwarze, polierte Oberfläche des Sarges glänzte matt und rätselhaft, wie in hohnvollem Stolz auf ihre Aufgabe, einige armselige Reste eines unbedeutenden Menschen einzuschließen, der vor langer, langer Zeit gestorben war. Vor vielen hundert Jahren warst du die Geliebte eines Königs. Der Herr des Reiches nahm in Gnaden deine Jungfernschaft; sein Glied heiligte dein Geschlechtsorgan und gab dir die einzige Unsterblichkeit, mit der wir Menschen beschenkt sind - einen Sarg in einem offenen Grabchor. Und nun ruhst du hier, ein Nichts an sich, aber groß in deiner Eigenschaft als Teilnehmerin an den Liebesnächten eines Königs. Alles, was von dir blieb, sind einige morsche Knochenreste und ein paar Zeilen in einem alten Geschichtsbuch. Dennoch kennt dich jedes Schulkind im Land. Seltsam, dass Menschen auch dafür berühmt werden können: für das Einzige, was allgemein menschlich ist.

Ich sehe mich um in dem muffigen, düsteren Chor. Ist nicht das meiste seltsam und schwer zu begreifen? Ist es wirklich wahr, dass ich hier bin, gerade hier in diesem alten Grabchor? Warum stehe ich hier? Wie kann das möglich sein? Und doch werden wohl Menschen sagen, dass dieses die Folge eines ziemlich einfachen Kausalzusammenhanges ist. Denn je weniger man denkt, umso leichter versteht man. Warum habe ich es dann so schwer, die Zusammenhänge zu erkennen? Wie an dem Tag, als Israelsohn kam. Er hat ja nun seinen Namen geändert. Es ist heutzutage nicht von Vorteil, auf den Namen Israelsohn zu hören. Er heißt jetzt Stahlerz. Ein Name mit mächtigem, maskulinem Klang. Inzwischen läuft er auch wochentags mit der Pistole herum. An Feiertagen nimmt er das Gewehr.

Als er noch Israelsohn hieß und weder an Wochen- noch an Sonntagen bewaffnet war, saßen wir oft auf der Treppe vor meinem Haus und diskutierten. Manchmal blieben wir bis tief in die Nacht sitzen, lauschten dem Ruf des Gänsesägers unten vom See und tranken ab und zu einen Schluck Bier, um die Lippen zu befeuchten. Und die ganze Nacht wanderte der Mond groß und sommerrot über den Himmel. Die Luft war warm, das Leben schön, und unsere unterschiedlichen Ansichten wurden von Frische und Glauben getragen. Der Nachttau hörte uns wehmütig wohlwollend zu. Es gab keine Gewehre oder Pistolen und kein Mensch musste sich dafür schämen, ein Sohn Israels genannt zu werden.

Aber plötzlich wurde alles anders. Eine Kröte saß in einsamer Majestät auf meiner Treppe, und die Winde bliesen kalt und regnerisch. Israelsohn hieß Stahlerz und hatte Waffen gekauft. Was wollte er damit? Bedrohte jemand sein Leben? Oder - war er es vielleicht, der andere bedrohte?

Er ging mir immer öfter aus dem Weg. Eine Zeit lang grüßte er noch, aber dann wandte er sich ab, wenn er mich sah. Ich trauerte um ihn, wie man um einen Freund trauert, der allzu schnell gegangen ist. Ich hätte ihn fragen wollen: Arne, was lässt dich so hassen? Willst du nicht darüber reden, vielleicht können wir etwas dagegen tun? Aber Israelsohn drehte nur still den Kopf weg.

Dann kam er eines Tages plötzlich zu mir.

"Bist du in der Partei?", fragte er.

"Warum?", fragte ich zurück. Solche Dinge hatten früher niemals zu unseren Diskussionen gehört.

"Besser für uns, wenn du nicht darin wärst", antwortete er und sah mit einem seltsam flackernden Blick, den ich an ihm nie zuvor bemerkt hatte, zur Seite.

"Ich bin in keiner Partei", antwortete ich, und er wirkte sichtlich erleichtert.

Betrübt ging ich ins Haus.

Ich hatte eine Frau - ja, insoweit man nun etwas haben kann in dieser Welt -, eine Frau, die Elisabet hieß. Sie war nicht schön, das will nicht einmal ich behaupten, aber irgendwie war sie für mich dennoch das Schönste auf der Welt. I

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