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Unter uns nur Wolken Roman von Pfeffer, Anna (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.12.2018
  • Verlag: Aufbau Verlag
eBook (ePUB)
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Unter uns nur Wolken

Mag die Erinnerung auch gehen, die Liebe bleibt. Tom ist ratlos: Sein Großvater Florian hat Alzheimer und lehnt jede Hilfe ab. Während bei Florian das Gestern verschwindet, sucht Tom im Heute verzweifelt eine Pflegerin. Doch keine will bleiben, denn sobald Tom die Wohnung verlässt, wird der charmante alte Herr zum Ekelpaket. Bis Ani vor der Tür steht. Ohne Wohnung, dafür mit Liebeskummer. Alle Versuche, Ani zu vergraulen, scheitern. Allmählich beginnt Florian sich ihr zu öffnen und gegen das Vergessen anzuerzählen. Vor allem von seiner großen Liebe Greta. Und verändert damit nicht nur sein Leben, sondern auch das von Ani und Tom... Berührend und witzig: ein Generationenroman, der unter Lachen zu Tränen rührt. Ulrike Mayrhofer und Carmen Schmit, die beiden Autorinnen hinter dem Pseudonym Anna Pfeffer, sind seit ihrer gemeinsamen Schulzeit in Wien befreundet und haben zusammen Geschichten geschrieben. Heute leben sie in Hamburg und Wien, sind zusammen 75 Jahre alt, haben zwei Männer, sechs Kinder und einen Hund.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 07.12.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841215826
    Verlag: Aufbau Verlag
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Unter uns nur Wolken

Ani

Ich renne. Meine Füße tragen mich nach draußen, und ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so schnell war. Meine Beine überholen meine Gedanken, sie laufen von allein, sie fliegen, über die Treppe, in die Ungewissheit, durch die schwere Glastür. Über den Asphalt, vorbei an den hupenden Autos und dampfenden Bussen, bis ich nicht mehr weiterkann. Ich halte die Tasche fest an meinen Körper gepresst, mein Atem geht heftig, und ich bekomme kaum Luft, aber zumindest bin ich da raus. Sein Gesicht hätte ich nicht länger ertragen können, und trotzdem sehe ich es noch immer vor mir, mit seinem beschissenen Mitgefühl und seinen beschissenen Worten, und mein Verstand beginnt langsam zu kapieren, was gerade passiert ist. Meine Welt hat sich verändert, sie existiert nicht mehr, obwohl ich noch existiere. Ich stehe da und weiß nicht, wohin ich jetzt gehen soll, während die Leute ringsum es ganz genau zu wissen scheinen. Die meisten ignorieren mich, nur ein Mann mit einer schwarzen Aktentasche schaut mich lange an. Ich vermute, dass es an meiner verschmierten Wimperntusche liegt oder einfach daran, dass ich eine Frau bin und Brüste habe, vielleicht reduziert sich alles darauf.

Und dann denke ich wieder an ihn und weiß, dass es sich nicht darauf reduzieren lässt, nicht auf ihre Brüste oder meine Brüste, auch wenn das irgendwie am einfachsten wäre. Natürlich ging es um mehr, um viel mehr, das konnte ich in seinem zerknirschten Gesicht ablesen, mit dem er noch immer so tat, als ob er nur das Beste für mich wollte.

Ich will nur ehrlich zu dir sein, Ani.

Als ob Ehrlichkeit das Beste wäre, diese Scheißehrlichkeit, die so verdammt weh tut, dass ich gerne schreien würde und toben, ich würde gerne zurück zu ihm und etwas zerstören, aber die Genugtuung gebe ich ihnen nicht. Ich bin nicht das labile Ding, für das sie mich halten, ich bin mehr, auch wenn ich gerade jetzt zu heulen anfange.

Zuerst ist es nur eine Träne, und dann sind es ganz viele, wie eine stille Armee, lautlos. Nur zehn Minuten liegen zwischen meinem alten und dem neuen Leben, zehn Minuten, das ist eigentlich nicht viel, aber genug, um alles umzuwerfen.

Ich wische die Tränen weg, er hat schon alles, mehr Tränen bekommt er nicht. Langsam öffne ich meine Tasche und suche zwischen den Klamotten und meinem Fotoapparat nach dem Portemonnaie. Gerade mal fünfzig Euro, mehr habe ich nicht. Wo soll ich jetzt hin?

Mir fallen meine Freunde ein, die alle mehr zu ihm als zu mir gehören, mir fällt meine beste Freundin ein, die es nicht mehr gibt, mir fällt meine Mutter ein, zu der ich garantiert nicht zurückgehen werde, das habe ich mir geschworen.

Seufzend stecke ich meine Geldbörse zurück und mache die Tasche zu. Vielleicht gibt es in der Nähe eine kleine Pension, aber wie lange werde ich dort mit fünfzig Euro bleiben können? Das Geld von dem Magazin bekomme ich erst in ein paar Wochen, darauf kann ich nicht zählen, und den Job in dem Café bin ich seit letztem Dienstag auch los.

Egal. Einfach weitergehen und darauf hoffen, dass mein Kopf schon eine Lösung finden wird, mit all seinen Gehirngängen und Synapsen, wofür sind die denn sonst da. Irgendwann tun mir meine Füße weh, und ich setze mich an eine Bushaltestelle, einfach nur um zu sitzen und nicht mehr zu gehen. Langsam ziehe ich mein Handy aus meiner Tasche und suche nach Pensionen unweit von hier. Pensionen, die ich mir leisten kann. Alles, was es hier gibt, beginnt bei vierzig Euro.

Ich atme tief ein und aus und versuche das Gefühl der Panik, das langsam in mir hochkriecht, zu ignorieren. Am liebsten würde ich aufstehen und mich auf die Straße legen, genau an die Stelle, wo der Bus hält. Ich würde mich einfach überrollen lassen, würde das Stückchen Leben, das noch in mir ist, aus mir herausquetschen lassen und müsste nicht darüber nachdenken, ob ich vielleicht doch zu meiner Mutter muss, für die das ein gefundenes Fressen wäre,

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