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Unvergessbare Worte Novelle von Heyse, Paul (eBook)

  • Verlag: Null Papier Verlag
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Unvergessbare Worte

Neue Deutsche Rechtschreibung Paul Johann Ludwig von Heyse (15.03.1830-02.04.1914) war ein deutscher Schriftsteller, Dramatiker und Übersetzer. Neben vielen Gedichten schuf er rund 180 Novellen, acht Romane und 68 Dramen. Heyse ist bekannt für die 'Breite seiner Produktion'. Der einflussreiche Münchner 'Dichterfürst' unterhielt zahlreiche - nicht nur literarische - Freundschaften und war auch als Gastgeber über die Grenzen seiner Münchner Heimat hinaus berühmt. 1890 glaubte Theodor Fontane, dass Heyse seiner Ära den Namen 'geben würde und ein Heysesches Zeitalter' dem Goethes folgen würde. Als erster deutscher Belletristikautor erhielt Heyse 1910 den Nobelpreis für Literatur. Null Papier Verlag Paul Heyse (1830-1914) ist ein Mitglied der Riege deutscher Literaturnobelpreisträger. Er bekam den Preis 1910 als erster deutscher Dichter überhaupt verliehen - Mommsen (1902) war Historiker. Theodor Fontane glaubte 1890, dass Heyse seiner Epoche 'den Namen geben' und ein 'Heysesches Zeitalter' dem Goetheschen folgen werde. Heyse war Schriftsteller, Dramatiker und Übersetzer. Er pflegte zahlreiche Freundschaften und war auch als Gastgeber berühmt. Viele seiner Novellen siedelte Heyse in seiner Wahlheimat Italien an.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 98
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783962812003
    Verlag: Null Papier Verlag
    Größe: 1069 kBytes
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Unvergessbare Worte

Unvergessbare Worte

1883

Aus dem südöstlichen Tor von Vicenza, Porta Monte genannt, weil der Fuß des Monte Berico hier dicht bis an die Stadt herantritt, rollte an einem sonnigen Aprilnachmittage des Jahres 1849 ein leichter Wagen auf der Landstraße dahin, dem Lauf des hellen Flüsschens Bacchiglione entgegen, das in sanften Krümmungen durch die heiteren Fluren strömt. Ein schönes junges Fräulein saß im Wagen, nachlässig zurückgelehnt, ohne darauf zu achten, dass ihr breiter Sommerhut sich verbog und die dunklen Sammetbänder zerknittert wurden. Desto aufrechter hielt sich ihr gegenüber auf dem Rücksitz eine ältliche Dame mit einem seidenen, blumengeschmückten Hut, einem zierlichen Sonnenschirm und schwarzseidener Mantille, die von Zeit zu Zeit durch eine goldene Lorgnette die Gegend betrachtete. Ob die zwei sich gegenübersaßen, weil für die sehr umfangreiche Person der älteren kein hinlänglicher Platz im Fond übrig blieb, oder weil es einer Kammerfrau nicht ansteht, neben einem Prinzesschen zu sitzen, war nicht zu erraten. Zwar deutete das feine, etwas kühle und stolze Näschen des Fräuleins auf eine vornehme Herkunft. Aber auch die ältere wusste ihrem breiten, gutmütigen Gesicht den Ausdruck einer nicht geringen Wichtigkeit zu geben, und indem sie dann und wann ein Gähnen verbarg, sah sie auf das fruchtbare Land zu ihrer Rechten und die zerstreuten Häuschen und Hütten an den Abhängen des Monte Berico zur Linken mit so herablassender Gleichgültigkeit, als ob es eine besondere Gnade wäre, dass sie einen Blick ihrer kleinen vergissmeinnichtblauen Augen an sie wendete.

So waren sie noch keine halbe Stunde gefahren, als der Wagen rechts in einen Hohlweg einlenkte und nach einem kurzen, mühsameren Anstieg vor einem hohen Gartentore hielt, dessen mächtige Steinpfeiler durch drei eiserne Gitter verschlossen waren. Der Kutscher sprang vom Bock und riss an einem rostigen Glockenzug, der weit ins Innere eines niedrigen Gebäudes hinter dem Eingang führte, sodass der Schall der Klingel draußen nicht vernommen wurde. Auch dauerte es eine Weile, bis aus dem Hause drinnen ein Lebenszeichen zurückkam.

Inzwischen hatten die Damen Zeit, durch das Gitter in den Garten zu spähen. Ein breiter Weg führte zwischen zwei dicht geschorenen Wänden von immergrünem Laube zu einer freien Höhe hinan, auf welcher ein viereckiges Gebäude von mäßigem Umfang mit flachrundem Dache stand. Ein Portikus mit niedrigem Giebel sprang vor, auf sechs schlanken Säulen ruhend, zu denen eine breitstufige Treppe hinaufführte. Dieser zierlich-feierliche Bau lag in der tiefsten Einsamkeit, rings von hohem Grase umwuchert, und die vielen Götterbilder von gelblichem Stuck, die sich auf allen Vorsprüngen des Daches und der Freitreppe, ja schon auf den oberen Rändern der beiden Hecken niedergelassen hatten, schienen als die alleinigen Herren den zauberhaften Frieden dieses verödeten Landsitzes zu genießen.

Maria Joseph! rief die ältere Dame, nachdem sie einen kurzen Blick durch ihre Lorgnette geworfen, ich glaube gar, Nestchen, das ist wieder so ein Heidentempel, wie wir schon mehrere gesehen haben, mit lauter Götzenbildern. Müssen wir hier wirklich aussteigen und all diese antiquités in der Nähe beschauen?

Du kannst sitzen bleiben, Zephyrine, und hier im Wagen deine versäumte Siesta nachholen, erwiderte das Fräulein mit lächelnder Miene. Nur musst du dann dein Lebtag eingestehen, dass du eine der größten Sehenswürdigkeiten von Vicenza verschlafen hast. Dies ist kein Tempel, sondern die berühmteste Villa der ganzen Lombardei, die der große Palladio für einen reichen Marchese gebaut hat, derselb, weißt du, der all die schönen Paläste und das Stadthaus und das seltsame antike Theater, von dem wir eben herkommen, erfunden und ausgeführt. Da ich für deine Kunstbildung verantwortlich bin, hab' ich dir auch das zeigen wollen. Aber zwingen will ich dich nicht. Da kommt eben der Pförtner, dem kanns

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