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Utopia von Morus, Thomas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.10.2018
  • Verlag: Manesse
eBook (ePUB)
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Utopia

Berühmter Vorläufer von '1984' und 'Schöne neue Welt'
Wohlstand und leichte Arbeit für alle, Partnerschaften ohne Konflikte und Kultur von Kindesbeinen an - so muss sie aussehen, die beste aller möglichen Welten. Nie wieder wurde über das Zusammenleben in einer Gesellschaft so menschenfreundlich fantasiert wie in "Utopia" ("Nichtort"), diesem ersten Staatsroman unserer Zeit. Dabei konnte der Kontrast im 16. Jahrhundert, geprägt durch soziale Missstände, Konflikte und Kriminalität, kaum größer sein. Thomas Morus' Schilderung einer Reise zum Hort purer Harmonie war vor diesem Hintergrund auch nicht durchwegs ernst gemeint. Vielmehr kippt "Utopia" häufig ins Ironische, was den Roman zu einer noch heute ebenso anregenden wie sympathischen Lektüre macht.

Thomas Morus (1478-1535) war ein englischer Staatsmann, Humanist und Schriftsteller. Er wurde in London als Sohn eines Richters geboren, studierte in Oxford und wurde selbst Richter und Mitglied des Parlaments. Als sein König Heinrich VIII. mit der katholischen Kirche brach, verweigerte Morus ihm seine Gefolgschaft, wurde verhaftet und enthauptet. 1935 wurde er als Märtyrer des Katholizismus heiliggesprochen.
Thomas Morus ist die bedeutendste Gestalt des englischen Humanismus. Von ihm stammt der Begriff der Utopie: Sein Hauptwerk, 'Utopia', ist der erste moderne Staatsroman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 15.10.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641223557
    Verlag: Manesse
    Originaltitel: Utopia
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Utopia

Die Insel der Utopier erstreckt sich in ihrer Mitte - hier ist sie am breitesten - über zweihundert Meilen, wird lange kaum schmäler und verengt sich dann allmählich gegen ihre Enden hin. Diese liegen auf einer wie mit einem Zirkel gezogenen Linie, die einen Kreis von fünfhundert Meilen Durchmesser beschreibt, und verleihen der ganzen Insel die Gestalt eines zunehmenden Mondes. 71 Dessen Hörner trennt das dazwischen hindurchflutende Meer auf eine Strecke von etwa elf Meilen, wobei sich das weite Meer hier vergleichbar einem großen See eher ruhig als aufgewühlt zeigt und die ganze Bucht - das beinahe ringsherum reichende Land hält nämlich die Winde ab - in einen Hafen verwandelt, 72 sodass die Schiffe zum Nutzen der Bewohner überallhin fahren können.

Die Zufahrt ist auf einer Seite wegen Untiefen, auf der andern wegen Klippen äußerst gefährlich. Etwa in der Mitte ragt ein einzelner Fels hoch empor und ist daher für die Schifffahrt ungefährlich. Einen darauf errichteten Turm benutzt man zur Sicherung der Einfahrt. Die übrigen Klippen sind jedoch verborgen und daher heimtückisch. Allein die Einheimischen kennen die Fahrrinnen, und so gelangt nur selten ein Fremder ohne einen Lotsen der Utopier in diese Bucht. Die Zufahrt ist sogar für sie selbst nur dann gefahrlos, wenn der Weg ihnen von der Küste aus mittels Signalen gewiesen wird. Durch Verschieben dieser Signale könnten sie jede feindliche Flotte, egal wie zahlreich, ins Verderben führen. Auf der andern Seite der Insel liegen recht rege besuchte Hafenplätze, aber überall ist die Zufahrt von Natur aus oder von Menschenhand so befestigt, dass selbst große Truppen von nur wenigen Verteidigern abgewehrt werden könnten.

Wie übrigens überliefert wird und schon die Form des Geländes verrät, war dieses Land einst nicht ganz vom Meer umgeben. Aber Utopus - die Insel trägt seinen Namen, seit er sie erobert hat, vor dieser Zeit hieß sie Abraxa 73 -, der den wilden und ungesitteten Volkshaufen bis zu einem solchen Grad von Kultur und Menschlichkeit erzogen hat, dass die Utopier heutzutage fast alle andern Menschen übertreffen, dieser Utopus ließ, gleich nachdem er bei seiner ersten Landung den Sieg errungen hatte, die Verbindung zum Kontinent abtrennen und führte so das Meer ringsherum. Da er nicht nur die Einwohner der Insel zu diesem Unternehmen gezwungen, sondern außerdem auch alle seine Soldaten einbezogen hatte, damit man die Arbeit nicht als Schmach empfand, wurde die Aufgabe - die nun auf eine große Zahl Menschen verteilt war - in unglaublicher Schnelligkeit bewältigt. Der Erfolg ließ die Nachbarn, die anfänglich über die Vergeblichkeit des Vorhabens gelacht hatten, vor Bewunderung und Entsetzen betroffen zurück.

Die Insel zählt vierundfünfzig Städte; sie sind alle weitläufig und prachtvoll, in allen wird dieselbe Sprache gesprochen, herrschen die gleichen Sitten, gibt es die gleichen Institutionen und Gesetze, gleich ist zudem ihr Grundriss und ihre äußere Erscheinung, soweit es die natürliche Beschaffenheit des Geländes erlaubt. Die einander am nächsten gelegenen Städte sind nur vierundzwanzig Meilen voneinander entfernt, und keine ist so abseits gelegen, dass man aus ihr nicht in einem Tagesmarsch in eine andere Stadt gelangen könnte.

Aus jeder Stadt kommen einmal im Jahr drei Bürger, Greise, die also über große Lebenserfahrung verfügen, in Amaurotum 74 zusammen, um über die Angelegenheiten der Insel zu verhandeln. Diese Stadt gilt als die wichtigste und angesehenste, weil sie, sozusagen im Nabel des Landes befindlich, für die Abgeordneten aus allen Landesteilen am günstigsten gelegen ist.

Das Ackerland ist den Städten so zweckmäßig zugeteilt, dass eine jede auf keiner Seite weniger als zwölf Meilen Land hat; wo die Städte weiter voneinander entfernt liegen, ist es bedeutend mehr. Keine Stadt hat das Bedürfnis, ihr

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