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Vaters Wort und Mutters Liebe Roman von Wähä, Nina (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.06.2020
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Vaters Wort und Mutters Liebe

Ein Hof im finnischen Tornedal ist das Zuhause der vierzehnköpfigen Familie Toimi. Siri, die Mutter, ist eine sanftmütige Person, der das Wohl ihrer Kinder am Herzen liegt. Ganz im Gegensatz zu Pentti, dem herrischen Vater, um den alle lieber einen Bogen machen. Einige der zwölf Kinder haben bereits Reißaus genommen und sind nach Stockholm, Helsinki oder sogar Zypern gezogen, doch das Band und die Liebe zwischen den Geschwistern und der Mutter ist so stark, dass sie immer wieder zurückkehren. So auch diesmal, als die Geschwister zu einem Familientreffen nach und nach zu Hause ankommen, voller Erwartung und Vorfreude auf das Wiedersehen. Doch ein erster Zwischenfall trübt bald die Stimmung. Ein vielschichtiges und brillant erzähltes Familienepos, das den Leser packt und verzaubert und eindrücklich zeigt, wie auf Loyalität der Verrat und auf Liebe die Enttäuschung folgen kann. Nina Wähä wurde 1979 in Stockholm geboren. Sie war Schauspielerin und Leadsängerin der Indieband Lacrosse, bevor sie sich dem Schreiben zuwandte. 2007 debütierte sie mit dem Roman S som i syster (S wie in Schwester), drei Jahre später erschien Titta inte bakåt! (Schau nicht zurück!). Beide Romane wurden von der schwedischen Presse gefeiert. Nina Wähä lebt heute mit ihrer Familie in Stockholm.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 544
    Erscheinungsdatum: 22.06.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641257415
    Verlag: Heyne
    Originaltitel: Testamente
    Größe: 1512 kBytes
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Vaters Wort und Mutters Liebe

ANNIE FÄHRT NACH HAUSE

Annie kommt nach Hause. Das Drama nimmt seinen Lauf. Wir lernen die Landschaft und die Figuren kennen. Die Figuren? Nein, die Menschen!

Jemand wird ins Krankenhaus gebracht. Jemand anders glänzt durch Abwesenheit.

Aber eigentlich ist noch gar nichts passiert, oder?

Heimkommen ist immer etwas Spezielles. Entweder man freut sich darauf, oder man freut sich nicht, aber egal ist es einem nie. Bei Annie rief es jedes Mal widerstreitende Gefühle wach.

Einerseits negative - weil sie immer eine gewisse Angst befiel, dass ihr Elternhaus bei der Heimkehr seine Krallen in sie schlagen könnte und sie plötzlich dort festsitzen würde. Gefangen, zurückgeworfen, rein physisch außerstande, sich wieder loszureißen und zu sich nach Hause zu fahren. Ein Gefühl, das sie schon als Teenager immer befallen hatte, der Drang, sich beeilen und Hals über Kopf aufbrechen zu müssen, sonst würde dieser Ort, ihr Geburtsort, sich ihrer bemächtigen. Sie würde dort festwachsen, ihre Füße würden Wurzeln schlagen. Deshalb verließ sie ihr Elternhaus schon mit sechzehn.

Andererseits positive Gefühle - weil mehrere ihrer Geschwister (genau genommen die meisten) noch zu Hause wohnten. Die Bindung zu ihnen war stark und manchmal beinahe körperlich spürbar. Als wären sie, wenn nicht durch ihre Nabelschnüre, so durch andere unsichtbare starke Bande miteinander verknüpft. Wie ein Rattenkönig an den Schwänzen verknotet, unfreiwillig zusammengewachsen. So lebten sie ihre Leben, Seite an Seite, nie allein, immer vereint.

Doch heute, diesmal, hatte Annies innere Unruhe nicht unbedingt mit dem Heimkommen zu tun. Ihr Kleid spannte über der Taille, und sie hatte sich in diesem Winter einen neuen Mantel kaufen müssen, weil der alte zu eng geworden war. Sie strich mit den Händen über ihren Bauch, der sich im Kontrast zu ihrem ansonsten so mageren Körper inzwischen deutlich wölbte und in dem es jeden Abend zu strampeln begann, anfänglich ganz schwach und vielleicht auch nur eingebildet, was aber, und das wissen alle Mütter, mit der Zeit spürbar zunehmen würde. Ein Kind, das sie sich nicht gewünscht hatte, aber auch nicht hatte wegmachen wollen.

Sie hatte bereits eine Abtreibung hinter sich, und sie war erst siebenundzwanzig. Außerdem schreiben wir das Jahr 1981, man unterlässt es wenn möglich, mehrfach abzutreiben, damals genauso wie heute und wohl auch in Zukunft. Annie hatte die Ausschabung als schmerzhaft empfunden, und in Anbetracht der Narben in ihrer Gebärmutter hatten die Ärzte von einem weiteren Eingriff abgeraten, falls sie jemals Kinder haben wollte, und jetzt, wo ein Kind darin heranwuchs, warum sollte sie es ablehnen, noch dazu, wenn es womöglich ihr letztes (und einziges) sein würde?

Das erste Kind hatte sie unmöglich behalten können, denn der Mann, also der Vater (er hieß Hassan), war ein Ticket to nowhere gewesen. Eine Sackgasse. Arbeitsmigrant, genau wie sie selbst, allerdings aus einem außereuropäischen Land. Ein Land, in das er außerdem zurückkehren wollte, ein Land, in dem die Rechte der Frauen und der Kampf dafür längst noch nicht so weit gediehen waren wie in Skandinavien. Ein Land, in dem Annie nie würde wohnen können oder wollen. Annie erwartete mehr vom Leben.

Der Vater dieses Kindes hingegen, tja, the jury is still out, was ihn betrifft. Annie war nicht in ihn verliebt, das wusste sie. Sie war eigentlich noch nie verliebt gewesen. Bestimmt war sie gefühlsmäßig gestört, überlegte sie manchmal, vermutlich wegen ihrer Kindheit, den vielen Jahren ohne Liebe und, wie es ihr mitunter vorkam, ohne Eltern. Doch mit diesen Gedanken hielt sie sich nicht länger auf. Streifte sie flüchtig und ließ sie achselzuckend wieder fallen.

Dies war ihr Leben, es gehörte ihr allein, und sie hatte nicht vor, es mit irgendwem oder irgendwas Beliebigem zu vergeuden.

Aber jetzt ein Kind.

Zusammen mit Alex. Alex von der Arbeit. Alex mit den gefähr

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