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Venus Roman von Buschheuer, Else (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.06.2013
  • Verlag: Aufbau-Verlag
eBook (ePUB)
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Venus

Verena alias Venus beugt sich über die sehr blutige Leiche eines Mannes. Wie unter Schock läuft sie barfuß in ihrem roten Kleid durch New York, bis sie in God's Motel, einer skurrilen Mischung aus Touristenlager und Tempelkirche, Zuflucht findet. Hier beginnt die ungewöhnlichste Liebesgeschichte, die man sich denken kann: zwischen einer mutmaßlichen Mörderin ohne Gedächtnis und einem Mönch ohne Vergangenheit ... Else Buschheuer wurde in Eilenburg/Sa. geboren. Bekannt wurde sie als Fernsehmoderatorin und Buchautorin. Von 2001-2005 lebte sie in New York City; vielbeachtet waren ihre Berichte über die Anschläge vom 11. September. Heute wohnt Else Buschheuer in Leipzig. Sie arbeitet u. a. für den mdr, für 'Spiegel', 'Süddeutsche' und 'Tagesspiegel'. Ihre Romane 'Ruf! Mich! An!' (2000), 'Masserberg' (2001), 'Venus' (2005) und 'Der Koffer' (2006) waren Bestseller. Verena alias Venus beugt sich über die sehr blutige Leiche eines Mannes. Wie unter Schock läuft sie barfuß in ihrem roten Kleid durch New York, bis sie in God's Motel, einer skurrilen Mischung aus Touristenlager und Tempelkirche, Zuflucht findet. Hier beginnt die ungewöhnlichste Liebesgeschichte, die man sich denken kann: zwischen einer mutmaßlichen Mörderin ohne Gedächtnis und einem Mönch ohne Vergangenheit ... Else Buschheuer wurde in Eilenburg/Sa. geboren. Bekannt wurde sie als Fernsehmoderatorin und Buchautorin. Von 2001-2005 lebte sie in New York City; vielbeachtet waren ihre Berichte über die Anschläge vom 11. September. Heute wohnt Else Buschheuer in Leipzig. Sie arbeitet u. a. für den mdr, für 'Spiegel', 'Süddeutsche' und 'Tagesspiegel'. Ihre Romane 'Ruf! Mich! An!' (2000), 'Masserberg' (2001), 'Venus' (2005) und 'Der Koffer' (2006) waren Bestseller.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 18.06.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841206398
    Verlag: Aufbau-Verlag
    Größe: 291 kBytes
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Venus

1 Verliebung
Eine halbe Stunde später ist die Protagonistin unserer Sommergeschichte schon fünfundzwanzig Blocks downtown gelaufen, und uns beruhigt die Vorstellung, dass kein Mensch New York zu Fuß verlassen kann, weil das Wasser ihn früher oder später aufhalten wird, in welche Himmelsrichtung er auch immer zu fliehen versucht.
Die Venus wird über kurz oder lang den Südzipfel der Insel erreichen, und dann ist nämlich Sense.
Aber das scheint sie nicht zu stören. Sie läuft. Sie läuft. Sie läuft wie jemand, dessen Ziel es ist, zu laufen, den steinharten Boden Manhattans mit sorgsam manikürten Zehen abzumessen, wie jemand, der kapriziös ist oder wütend oder ganz und gar gedankenversunken. Wir sind fest davon überzeugt, dass es nicht zum Tagesgeschäft dieser Frau gehört, mit nackten Füßen über New Yorks heißen Asphalt zu laufen, dazu sieht sie zu elegant aus und die Füße zu verhätschelt, aber wir begegnen ihr ja im Moment ihrer Lebenswende, das allein macht sie für uns interessant, also folgen wir ihr weiter.
Doch weil dieser New Yorker Sommer sich besonders schwül anfühlt, so wie jedes Jahr, weil sie erschöpft ist, weil sie keinen Hitzschlag erleiden soll, schicken wir ihr Angebote entgegen. Wir schicken einen Polizisten, einen Feuerwehrmann, einen Soldaten, einen Bodybuilder, einen Skilehrer, starke, potente Männer. Sie kommen in kurzen Abständen auf sie zugelaufen, lächeln, sagen hi, suchen ihren Blick, aber sie sieht sie nicht, sie sieht sie nicht, sie läuft weiter. Also schicken wir ihr einen Akademiker, einen Dichter, einen Studenten, aber auch diese Männer sind offenbar unsichtbar für sie.
Etwa zehn Blocks vor der Houston Street biegt sie urplötzlich nach links ab, läuft ostwärts, zwei Blocks weiter, dann wieder downtown, vorbei an Paolo's Deli, Laptop Repair, Dolphin Gym, Ugly Coyote Thrift Shop, King's Pharmacy, Theodoro Grocery, Dry Cleaner and Landromat, Hairdresser unisex. Vor Paolo's Car Repair jedoch strauchelt sie und fällt. Wir sehen, dass ihre Fußsohlen bluten. Wir sehen, wie ein kahl rasierter Riese in einer orangen Kutte sie aufhebt, auf sie einredet. Wir sehen, wie sie kurz Gegenwehr leistet, wie ihr Gesicht sich höhnisch verzieht, wie sie aber dann aufgibt und nachgibt und sich auf seine starken Arme heben und wegtragen lässt. Wir frohlocken. Eine gefallene Prinzessin und ein Bettelmönch. Eine Mörderin und ein Heiliger. Ihr Anblick und wie sie gemeinsam in einer kleinen Barockkirche auf der Avenue B verschwinden, hat unsere Phantasie angeregt, so sehr angeregt, dass wir alle Termine absagen, dass wir es als unumstößlich betrachten, diesem Paar weiter zu folgen, in ein Treppenhaus, in einen Fahrstuhl, in ein mit Goldbrokat und rotem Samt ausgeschlagenes Zimmer mit niedriger Decke, voll gestopft mit Buddhastatuen, Kruzifixen und kitschigen indischen Göttergemälden.
Schon sitzt sie auf einem Stuhl, der Kopf hängt nach unten, das weißblonde Spaghettihaar hat sich wie ein Schleier vor ihrem Gesicht geschlossen. Sie bietet ein Bild des Jammers, das muss man schon sagen, aber selbst im Jammer ist sie noch anmutig. Jetzt, langsam, hebt sie den Kopf, der etwas Gläsernes hat, der Vorhang öffnet sich, mit flaschengrünen Augen unter dichten weißen Wimpern sieht sie sich unwillig um. Was soll man sagen, wenn man aufwacht und sich alles wie ein Traum anfühlt, in diesen Dingen ist selten einer originell.
"Wo bin ich?", fragt sie da auch schon.
"In God's Motel", säuselt ein Stimmchen. "Willkommen!"
Wir werfen nun einen Blick hinter ihre helle Stirn, in das Chaos in ihrem Kopf. Eben de 1 Verliebung

Eine halbe Stunde später ist die Protagonistin unserer Sommergeschichte schon fünfundzwanzig Blocks downtown gelaufen, und uns beruhigt die Vorstellung, dass kein Mensch New York zu Fuß verlassen kann, weil das Wasser ihn früher oder später aufhalten wird, in welche Himmelsrichtung er auch immer zu fliehen versucht.

Die Venus wird über kurz oder lang den Südzipfel der Insel erreichen, und dann ist nämlich Sense.

Aber das scheint sie nicht zu stören. Sie läuft. Sie läuft. Sie läuft wie jemand, dessen Ziel es ist, zu laufen, den steinharten Boden Manhattans mit sorgsam manikürten Zehen abzumessen, wie jemand, der kapriziös ist oder wütend oder ganz und gar gedankenversunken. Wir sind fest davon überzeugt, dass es nicht zum Tagesgeschäft dieser Frau gehört, mit nackten Füßen über New Yorks heißen Asphalt zu laufen, dazu sieht sie zu elegant aus und die Füße zu verhätschelt, aber wir begegnen ihr ja im Moment ihrer Lebenswende, das allein macht sie für uns interessant, also folgen wir ihr weiter.

Doch weil dieser New Yorker Sommer sich besonders schwül anfühlt, so wie jedes Jahr, weil sie erschöpft ist, weil sie keinen Hitzschlag erleiden soll, schicken wir ihr Angebote entgegen. Wir schicken einen Polizisten, einen Feuerwehrmann, einen Soldaten, einen Bodybuilder, einen Skilehrer, starke, potente Männer. Sie kommen in kurzen Abständen auf sie zugelaufen, lächeln, sagen hi, suchen ihren Blick, aber sie sieht sie nicht, sie sieht sie nicht, sie läuft weiter. Also schicken wir ihr einen Akademiker, einen Dichter, einen Studenten, aber auch diese Männer sind offenbar unsichtbar für sie.

Etwa zehn Blocks vor der Houston Street biegt sie urplötzlich nach links ab, läuft ostwärts, zwei Blocks weiter, dann wieder downtown, vorbei an Paolo's Deli, Laptop Repair, Dolphin Gym, Ugly Coyote Thrift Shop, King's Pharmacy, Theodoro Grocery, Dry Cleaner and Landromat, Hairdresser unisex. Vor Paolo's Car Repair jedoch strauchelt sie und fällt. Wir sehen, dass ihre Fußsohlen bluten. Wir sehen, wie ein kahl rasierter Riese in einer orangen Kutte sie aufhebt, auf sie einredet. Wir sehen, wie sie kurz Gegenwehr leistet, wie ihr Gesicht sich höhnisch verzieht, wie sie aber dann aufgibt und nachgibt und sich auf seine starken Arme heben und wegtragen lässt. Wir frohlocken. Eine gefallene Prinzessin und ein Bettelmönch. Eine Mörderin und ein Heiliger. Ihr Anblick und wie sie gemeinsam in einer kleinen Barockkirche auf der Avenue B verschwinden, hat unsere Phantasie angeregt, so sehr angeregt, dass wir alle Termine absagen, dass wir es als unumstößlich betrachten, diesem Paar weiter zu folgen, in ein Treppenhaus, in einen Fahrstuhl, in ein mit Goldbrokat und rotem Samt ausgeschlagenes Zimmer mit niedriger Decke, voll gestopft mit Buddhastatuen, Kruzifixen und kitschigen indischen Göttergemälden.

Schon sitzt sie auf einem Stuhl, der Kopf hängt nach unten, das weißblonde Spaghettihaar hat sich wie ein Schleier vor ihrem Gesicht geschlossen. Sie bietet ein Bild des Jammers, das muss man schon sagen, aber selbst im Jammer ist sie noch anmutig. Jetzt, langsam, hebt sie den Kopf, der etwas Gläsernes hat, der Vorhang öffnet sich, mit flaschengrünen Augen unter dichten weißen Wimpern sieht sie sich unwillig um. Was soll man sagen, wenn man aufwacht und sich alles wie ein Traum anfühlt, in diesen Dingen ist selten einer originell.

"Wo bin ich?", fragt sie da auch schon.

"In God's Motel", säuselt ein Stimmchen. "Willkommen!"

Wir werfen nun einen Blick hinter ihre helle Stirn, in das Chaos in ihrem Kopf. Eben de

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