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Vergiftete Zeit Der Fall des Dr. Danesch von Farsaie, Fahimeh (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.04.2014
  • Verlag: Dittrich Verlag
eBook (ePUB)
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Vergiftete Zeit

Dieser Roman der aus dem Iran stammenden Autorin ist ein Polit-Thriller. Er basiert auf einem authentischen Fall, der in den 1980-er Jahren bekannt wurde. Geschildert werden Hintergründe der Hinrichtung des in der Bundesrepublik Deutschland ausgebildeten Arztes Dr. Danesch in den Kerkern der Islamischen Republik Iran. Fahimeh Farsaie entfaltet ein Panorama der politischen Verhältnisse im Iran nach der Islamischen Revolution und erzählt von der Doppelexistenz von Vater und Tochter Danesch im Exil in Deutschland. Gleichzeitig verschafft sie den Leserinnen und Lesern Einblicke in das psychlogische Innenleben der Pasdaran, der Protagonisten des Unterdrückungsapparates der Islamischen Republik Iran.

Fahimeh Farsaie wurde 1952 in Teheran geboren. Als Redakteurin, Film- und Literaturkritikerin war sie im Iran für mehrere Zeitungen tätig. Wegen ihrer Leidenschaft für engagierte Kunst und Literatur war sie unter dem Schah-Regime 18 Monate im Gefängnis. Unter der Khomeini-Regierung wurde sie ebenfalls, wegen einer Erzählung gegen den Krieg, verfolgt. Seit 1983 lebt sie in Deutschland, arbeitet als freie Journalistin für Hörfunk und Zeitungen (taz, Freitag, Deutsche Welle, Saarländischen Rundfunk). Fahimeh Farsaie engagiert sich für Migrantinnen und setzt für Antidiskriminierung in Deutschland ein. Sie erhielt den iranischen Fernsehpreis Tamascha für junge Autoren, den Barans-Fond-Preis für die Literatur im Exil sowie diverse Literatur- und Drehbuchstipendien in Deutschland. Veröffentlichungen neben zahlreichen Essays: Das giftige Grün (Theaterstück, Westfälisches Landestheater), 2012 Eines Dienstag beschloss meine Mutter Deutsche zu werden (Roman), 2006 Asche der Liebe (Drehbuch), 2004 Hüte dich vor den Männern mein Sohn, (Roman), 1998 Die Flucht und andere Erzählungen, 1994 Vergiftete Zeit, (Roman), 1991 Das Warten (Hörspiel), 1990 Die gläserne Heimat, (Erzählungen), 1989 (auch in englischer Sprache erschienen).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 390
    Erscheinungsdatum: 20.04.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783943941449
    Verlag: Dittrich Verlag
    Größe: 1102 kBytes
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Vergiftete Zeit

Nachdem Mehri von den mysteriösen Umständen dieses Mordes erfahren hatte, dessen Akte ohne die Klärung der rätselhaften Einzelheiten seitens der Regierung für abgeschlossen erklärt und aufgrund des Selbstmords des Täters und des Versiegens dieser wichtigen Informationsquelle in den spinnennetzumwobenen Regalen des Justizministeriums abgelegt wurde, überwältigte sie eine so tiefe Trauer und Verzweiflung, dass sie es nicht einmal wagte, Frau Sami ein Beileidstelegramm zu schicken. Sie schaffte es nicht, nicht nur weil alle Beziehungen Frau Samis von den Sicherheitsorganen des Regimes strengstens kontrolliert wurden und jede Kontaktaufnahme mit ihr die Lage Dr. Daneschs gefährden konnte. Nein, auch deshalb nicht, weil sie keine Worte fand, um ihren starken Empfindungen Ausdruck zu verleihen. Sie fühlte, dass jeder Versuch, Frau Sami ihr Mitgefühl mitzuteilen, eigentlich überflüssig war. Zu ihren Freundinnen sagte sie: "Was kann ich machen? Dieser Schmerz ist so groß, dass man sie überhaupt nicht trösten kann!"

Aber manche, die Politik mit Klatsch und Tratsch verwechselten, zweifelten an ihren Worten. Während sie in Klatschbasenmanier ihre Augenbrauen hoben und ihre Lider langsam und vieldeutig senkten, ließen sie absichtlich Mehris Wohlwollen außer Acht und riefen ihr die letzte frostige Begegnung mit Frau Sami in Erinnerung. Nun konnte sich Mehri über jede Kränkung und Beleidigung hinweg an jenen Tag erinnern. Sie sah Frau Sami, die unruhig auf dem Sofa am Fenster saß und ihr zuhörte. Sie war bei ihrer sinnlosen Suche nach dem Aufenthaltsort Dr. Daneschs, die sie drei Monate zuvor angetreten hatte, dorthin gelangt. Als sie die Türklingel drückte, die sie seit vier Jahren nicht betätigt hatte, waren nur die Lampen des einzigen Milchgeschäfts in der Straße erleuchtet. Sie wollte nicht, dass irgendjemand sie in das Haus eintreten sah. Seit die Revolution die beiden Freunde entzweit hatte, waren ihre Beziehungen abgebrochen. Aber sie wussten einerseits aufgrund der Zuneigung, die sie seit ihrer Kindheit in einer versteckten Ecke ihrer Herzen füreinander bewahrt hatten, und andererseits aus Neugier über ihr jeweiliges Schicksal Bescheid, das ihr Alltagsleben in einen endlosen Kampf um den Beweis der Richtigkeit ihrer Standpunkte verwandelt hatte. Während sie nach dem Klingeln ihren rechten Arm noch hochhielt, erinnerte sie sich an die Glut des Zornes, die beim Heraustreten aus jener Tür in ihren Wangen entbrannt war.

Dr. Danesch ging mit den Händen in der Tasche pfeifend vor ihr im Schatten eines riesigen Mandelbaumes, der seine Blütenpracht zur Schau stellte, auf und ab. Er versuchte, sich ruhig und sorglos zu zeigen. Aber je weiter er sich von jener Tür entfernte, um so schwerfälliger und trauriger wirkte er. Als er dann endgültig das Pfeifen vergaß, nahm er die Hände aus den Taschen und löste gereizt und nervös seinen Krawattenknoten. Sie standen schon vor dem Milchgeschäft. Sein Besitzer war gerade dabei, sich über seinem runden, dicklichen, müden Schatten aufzuraffen, um den Rollladen herunterzuziehen. Der Milchmann hatte sich gerade wie eine Feder über seinen Schatten gebeugt, als er Dr. Danesch sah und ihm mit seinen verschlafenen Augen zublinzelte. Dr. Danesch begriff seine Geste nicht sofort. Und dies nicht, weil der flüchtige Blick des Mannes, der vor lauter Schlaf dem Blick eines Wahnsinnigen ähnlich war, ihn für einen Moment erschaudern ließ, sondern weil er in der Finsternis seiner Verwirrung und Verzweiflung unter der Sonne jenes Frühlingsmittags nach einem erlösenden Lichtstrahl suchte. Deshalb blieb er plötzlich stehen, drehte sich um und fragte Mehri: "Glaubst du, dass er mich g

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