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Verliebt auf eigene Gefahr von Grasmeyer, Christa (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.08.2014
  • Verlag: EDITION digital
eBook (PDF)
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Verliebt auf eigene Gefahr

Mich wird so leicht keine wieder einfangen, denkt Johannes, und als er Irene kennenlernt, greift er zu höchst merkwürdigen Vorsichtsmaßnahmen. Aber gerade die bringen ihn in Schwierigkeiten. LESEPROBE: 'Entschuldigen Sie bitte', fängt sie an, 'ich habe eine Frage.' Sie steht vor ihm in ihrem verwaschenen, durchgeknöpften Jeanskleid, in den flachen Sandalen, den Kopf ein wenig zur Seite geneigt. Er bleibt sitzen, unhöflich, wie ihm wohl bewusst ist, und ohne das geringste Entgegenkommen. 'Oder vielmehr, die Kinder haben eine Frage', fährt sie unbeirrt fort. 'Die Kinder möchten wissen, ob Sie aus Kuba sind.' Er wendet sich den Kindern zu. Sie umringen seine Bank. Er sieht in die runden Gesichter, in die blanken, neugierigen Augen, und nimmt die Brille ab. 'Aus Kuba', fragt er, 'warum?' Die Aufsichtsperson erklärt ihm den Zusammenhang. Es gibt im Kindergarten ein Bilderbuch über Kuba, und manche Leute darin ähneln ihm. Deshalb fragen die Kinder jedes Mal. Er ärgert sich, weil sie die Kinder nicht selber antworten lässt. Er neigt sich vor zu einem lütten Bengel, der ihm die Hand aufs Knie gelegt hat. 'In Kuba sprechen die Menschen spanisch. Ich bin von hier, ich kann sogar Platt. Kannst du das auch?' Der Junge schüttelt den Kopf. Die Kinder drängen sich näher heran. 'Mein Opa kann's', sagt eine Kleine. Sie ist neben ihm auf die Bank geklettert und beginnt zu singen: 'Fieken hett schräben ut Hagenow ...' Johannes lacht. Er wünscht, die Kleine hätte von ihrem Opa die gängige Verballhornung dieses Liedes gelernt, nämlich 'Fieken hett schäten in't Haberstroh'. Da wär die Aufsichtsperson schön in Verlegenheit. Sie macht Anstalten, die Kinder wieder um sich zu scharen. Der Junge sagt schnell noch: 'Du hast aber ganz schwarze Haare und ganz schwarze Augen.' 'Ja, und du bist blond. Wenn wir alle gleich aussähen, wär's langweilig, nicht?' 'Und warum bist du krank?' Christa Grasmeyer wurde 1935 in Schwerin geboren. Sie arbeitete zunächst in verschiedenen Berufen, war Journalistin, Arztsekretärin, im Buchhandel tätig und als Sekretärin in einem Sportclub. 1975 veröffentlichte sie ihr erstes Buch, dann regelmäßig weitere Bücher, bis sich fünfzehn Jahre später ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen so grundlegend veränderten, dass sie das Schreiben aufgab und nur noch gelegentlich die eine oder andere Kurzgeschichte verfasste. Christa Grasmeyers Bücher wenden sich vorwiegend an jugendliche Leser. Ihre Erzählungen handeln von der schwierigen Lebensphase der Jugendzeit, von Liebe und Freundschaft, von familiären Konflikten oder von Problemen bei der Berufsausbildung. Christa Grasmeyer lebt in Schwerin, seit 1977 freischaffend. Bibliografie: Eva und der Tempelritter, Verlag Neues Leben, Berlin 1975 (Prag 1979, Warschau 1983, Budapest 1985) Kapitän Corinna, Verlag Neues Leben, Berlin 1977 Der unerwünschte Dritte, Verlag Neues Leben, Berlin 1979 (Budapest 1988) Ein Fingerhut voll Zuversicht, Verlag Neues Leben, Berlin 1980 Verliebt auf eigene Gefahr, Verlag Neues Leben, Berlin 1984 Aufforderung zum Tanz, Verlag Neues Leben, Berlin 1986 Friederike und ihr Kind, Verlag Neues Leben, Berlin 1988 Was hast du getan?, Kurzgeschichte in: "Wahnsinn", Verlag Otto Maier, Ravensburg 1990 Drei von draußen, Kurzgeschichte in: Hamburger Abendblatt 1996 Literarische Auslese "Weihnachtsveranstaltungen", Radius-Verlag, Stuttgart May be - Kurzgeschichte, unveröffentlicht

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 218
    Erscheinungsdatum: 28.08.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783956550362
    Verlag: EDITION digital
    Größe: 1151 kBytes
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Verliebt auf eigene Gefahr

'Entschuldigen Sie bitte', fängt sie an, 'ich habe eine Frage.' Sie steht vor ihm in ihrem verwaschenen, durchgeknöpften Jeanskleid, in den flachen Sandalen, den Kopf ein wenig zur Seite geneigt. Er bleibt sitzen, unhöflich, wie ihm wohl bewusst ist, und ohne das geringste Entgegenkommen. 'Oder vielmehr, die Kinder haben eine Frage', fährt sie unbeirrt fort. 'Die Kinder möchten wissen, ob Sie aus Kuba sind.' Er wendet sich den Kindern zu. Sie umringen seine Bank. Er sieht in die runden Gesichter, in die blanken, neugierigen Augen, und nimmt die Brille ab. 'Aus Kuba', fragt er, 'warum?' Die Aufsichtsperson erklärt ihm den Zusammenhang. Es gibt im Kindergarten ein Bilderbuch über Kuba, und manche Leute darin ähneln ihm. Deshalb fragen die Kinder jedes Mal. Er ärgert sich, weil sie die Kinder nicht selber antworten lässt. Er neigt sich vor zu einem lütten Bengel, der ihm die Hand aufs Knie gelegt hat. 'In Kuba sprechen die Menschen spanisch. Ich bin von hier, ich kann sogar Platt. Kannst du das auch?' Der Junge schüttelt den Kopf. Die Kinder drängen sich näher heran. 'Mein Opa kann's', sagt eine Kleine. Sie ist neben ihm auf die Bank geklettert und beginnt zu singen: 'Fieken hett schräben ut Hagenow ...' Johannes lacht. Er wünscht, die Kleine hätte von ihrem Opa die gängige Verballhornung dieses Liedes gelernt, nämlich 'Fieken hett schäten in't Haberstroh'. Da wär die Aufsichtsperson schön in Verlegenheit. Sie macht Anstalten, die Kinder wieder um sich zu scharen. Der Junge sagt schnell noch: 'Du hast aber ganz schwarze Haare und ganz schwarze Augen.' 'Ja, und du bist blond. Wenn wir alle gleich aussähen, wär's langweilig, nicht?' 'Und warum bist du krank?'

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