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Verliebte Lügner von Yates, Richard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.12.2018
  • Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt
eBook (ePUB)
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Verliebte Lügner

Richard Yates prägte eine ganze Generation von Schriftstellern. Seine Short Storys gehören zum Besten, was je in diesem Genre geschrieben wurde, und er gilt als der wichtigste literarische Chronist des amerikanischen Durchschnittslebens der 1930er bis späten 1960er Jahre. In "Verliebte Lügner" zeichnet Richard Yates mit lakonischer Schärfe die Schattenseiten des amerikanischen Traums. Richard Yates gehört zu den wichtigsten amerikanischen Autoren des zwanzigsten Jahrhunderts. Richard Ford und Raymond Carver zählen ihn zu ihren literarischen Vorbildern, und Kurt Vonnegut rühmte ihn als die "Stimme einer ganzen Generation". "Verliebte Lügner" ist der zweite Short-Story-Band von Richard Yates, dem Meister der klaren Worte. Eine vollkommen untalentierte Bildhauerin darf für das Weiße Haus Präsident F. D. Roosevelt in Stein meißeln und kann die Chance ihres Lebens nicht nutzen. Ein unerfahrener GI versucht vergeblich, im Paris der Nachkriegszeit seine Jungfräulichkeit zu verlieren. Eine junge Prostituierte vergrault durch ihr zwanghaftes Lügen den Mann, den sie liebt. Schonungslos und lakonisch beschreibt Richard Yates das Leben jenseits des American Dream. Das unausweichliche Scheitern seiner Figuren zeichnet er mit einer Mischung aus tiefer Sympathie und ironischer Distanz. Diese erbarmungslose Darstellung seines Personals macht Yates so einzigartig und das Lesen seiner Bücher so bewegend. Yates' Roman "Zeiten des Aufruhrs" wird mit Leonardo DiCaprio und Kate Winslet verfilmt. Richard Yates wurde 1926 in Yonkers, New York, geboren und lebte bis zu seinem Tod 1992 in Alabama. Obwohl seine Werke zu Lebzeiten kaum Beachtung fanden, gehören sie heute zum Wichtigsten, was die amerikanische Literatur des 20. Jahrhunderts zu bieten hat. Wie Ernest Hemingway prägte Richard Yates eine Generation von Schriftstellern. Die DVA publiziert Yates' Gesamtwerk auf Deutsch, zuletzt erschien der Roman 'Eine strahlende Zukunft'. Das Debüt 'Zeiten des Aufruhrs' wurde 2009 mit Leonardo DiCaprio und Kate Winslet in den Hauptrollen von Regisseur Sam Mendes verfilmt. 'Cold Spring Harbor', zuerst veröffentlicht 1986, ist Yates' letzter vollendeter Roman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 17.12.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641247157
    Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt
    Originaltitel: Liars in Love
    Größe: 1521 kBytes
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Verliebte Lügner

Ein natürliches Mädchen

Im Frühling ihres zweiten Studienjahres, als sie zwanzig war, sagte Susan Andrews ganz ruhig zu ihrem Vater, daß sie ihn nicht mehr liebe. Sie bereute es, oder zumindest ihren Tonfall, nahezu sofort, aber es war zu spät: Er saß ein paar Augenblicke da wie vor den Kopf gestoßen und begann dann zu weinen, tief nach vorn gebeugt, um sein Gesicht vor ihr zu verbergen, mit einer unsicheren Hand versuchte er, ein Taschentuch aus seinem dunklen Anzug zu ziehen. Er war einer der fünf oder sechs angesehensten Hämatologen der Vereinigten Staaten, und seit vielen Jahren war ihm nichts Vergleichbares widerfahren.

Sie waren allein in Susans Zimmer im Studentenwohnheim eines kleinen, berühmten geisteswissenschaftlichen College namens Turnbull in Wisconsin. Sie hatte an diesem Tag ein sittsames gelbes Kleid angezogen, weil es seinem Besuch angemessen schien, aber jetzt fühlte sie sich eingezwängt von seiner Korrektheit und der Art und Weise, wie es sie verpflichtete, ihre schmalen hübschen Knie zusammenzudrücken. Sie hätte viel lieber verwaschene Jeans und ein Männerhemd getragen, die obersten beiden Knöpfe geöffnet, wie an den meisten anderen Tagen. Ihre braunen Augen waren groß und blickten kummervoll, und ihr langes Haar war fast schwarz. In letzter Zeit war ihr viele Male mit Begeisterung und zu Recht gesagt worden, daß sie schön sei.

Sie wußte, daß sie die Worte hätte zurücknehmen können, wenn sie die Erklärung im Zorn oder unter Tränen abgegeben hätte, aber sie bedauerte nicht wirklich, daß sie diese Möglichkeit nicht mehr hatte. Sie kannte den Wert und den Preis von Ehrlichkeit in allen Dingen: Wenn man sich klar verhielt, gab es nichts zurückzunehmen. Aber es war das erste Mal, daß sie ihren Vater weinen sah, und das schnürte auch ihr die Kehle zu.

"Na gut", sagte Dr. Andrews mit brechender Stimme und hängendem Kopf. "Na gut, du liebst mich nicht mehr. Aber sag mir eins, Liebes. Sag mir warum."

"Es gibt kein Warum", sagte Susan und war dankbar, daß ihre Stimme normal klang. "Es gibt ebensowenig einen Grund, warum man nicht liebt, wie es einen Grund gibt, warum man liebt. Ich denke, die meisten intelligenten Menschen begreifen das."

Er stand langsam auf und sah zehn Jahre älter aus als noch ein paar Minuten zuvor. Er mußte nach Hause nach St. Louis, und die lange Fahrt würde eine Qual werden. "Tut mir leid, daß ich geweint habe", sagte er. "Wahrscheinlich werde ich zu einem rührseligen alten Mann. Jedenfalls muß ich jetzt los. Tut mir leid. Es tut mir alles sehr leid."

"Ich wünschte, du würdest dich nicht ständig entschuldigen. Mir tut es auch leid. Warte, ich bringe dich zum Wagen."

Und auf dem Weg zu dem von der Sonne in blendend helles Licht getauchten Parkplatz, vorbei an sehr alten gepflegten Collegegebäuden und Gruppen laut lachender Jugendlicher - hatte irgend jemand je gedacht, daß es so viele Jugendliche geben würde? - versuchte Edward Andrews sich Abschiedsworte zurechtzulegen. Er wollte nicht noch einmal sagen, daß es ihm leid täte, aber etwas anderes fiel ihm nicht ein. Schließlich sagte er: "Ich weiß, daß deine Mutter gern von dir hören würde, Susan, und deine Schwestern auch. Warum rufst du heute abend nicht zu Hause an, wenn du nicht zu beschäftigt bist."

"Okay, klar", sagte sie. "Ich bin froh, daß du mich daran erinnert hast. Also. Fahr vorsichtig." Dann war sie fort, und er war unterwegs.

Edward Andrews hatte sieben Töchter, und es gefiel ihm, als Familienmensch betrachtet zu werden. Gern und oft dachte er daran, daß alle seine Mädchen hübsch waren und die meisten von ihnen patent: Die Älteste war seit langem mit einem tiefgründigen Philosophieprofessor verheiratet, der furchteinflößend gewirkt hätte, wäre er nicht auch nach Jahren noch ein schüchterner und verletzlicher Junge; die zweite sah er nur selten, weil ihr Mann ein bewundernswert zuverlässiger Anwalt in Baltimore war, der nicht

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