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Vernichtung in guten Zeiten Egobericht Insolvenz - Siebenundzwanzig Essays, Notizen, Anekdoten. von Beck, Michael (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.12.2014
  • Verlag: Engelsdorfer Verlag
eBook (ePUB)
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Vernichtung in guten Zeiten

Es kommt einem vor wie ein biographischer "Tsunamie", aus dem viele Aspekte einer gescheiterten, selbständigen Existenz geschildert werden. Es wird detailliert geschildert wie es mit klaren Zielen und einer "handwerklichen Gründlichkeit" zu einem Dienstleistungsunternehmen kommt, was man tun kann, um großen Erfolg zu haben. Doch in diese Erfolgsstory ist kein "Sicherheitsgurt" eingebaut. Das mittelständische, sozialwirtschaftliche Unternehmen scheitert an der Bürokratie und ihrer unbeeinflussbaren Zahlungsmoral, dann auch noch an den eigenen Mitarbeitern und an seiner langjährigen Hausbank, die selbst vor der Pleite steht. Schließlich kommt es in dieser Sammlung von Essays, Notizen und Anekdoten dennoch nach einer ersten Insolvenz wieder zu einem beruflichen Neuanfang mit einem Kleinbetrieb. Dann kommt die nächste Finanzkrise und ein erneutes Scheitern durch den Kreditverkauf an einen Hedgefonds. Es sind tatsächlich zwei Kollapse hintereinander durchzustehen in wenigen Jahren. Eine derartige Verknüpfung von Ereignissen befindet sich außerhalb jeglichen unternehmerischen Planens und Handelns: Die öffentliche Hand bezahlt nicht, die Hausbank ist pleite, eine zweite Bank steht kurz vor der Pleite und verdient mit den Kreditverkäufen an Hedgefonds und staatlichen Liquiditätshilfen, ein Insolvenzverwalter sahnt fünfstellig ab und macht platt, obwohl das Unternehmen real und nach dem Gesetz rettbar ist, die Justiz schaut zu und verfolgt den Falschen wegen "vorsätzlicher Insolvenzverschleppung". Dann die Zwangsversteigerung der Immobilie, die inzwischen das Rückgrat des Neuanfangs war, an "Schnäppchenjäger", schließlich Zwangsräumung mit groben behördlichen Fehlern. Wertgegenstände verschwinden. Nun alles weg. Es geht hier um mehr als eine individuelle Biographie und deren persönliche Aufarbeitung, sondern um den Zustand der Sozialen Marktwirtschaft, den Schutz und die Förderung von Kleinbetrieben, um Psychologie und zukunftsorientierte Wirtschaftsphilosophie mit einer anderen Ethik. Das alles mitzuteilen ist in einer phantasievollen, mutigen, analytischen und auch unterhaltenden, sogar selbstironischen Weise ausgeführt. Jedes der siebenundzwanzig Kapitel steht für sich. Alle zusammen zeigen in ihrer Vielschichtigkeit des Aufarbeitens den roten Faden dieses Pechs. Der Autor Michael Beck kann noch lachen, auch auslachen und schimpfen! Beim Lesen fällt jedem der Groschen: das kann es nicht sein. Jemandem wurde übel mitgespielt. Jemand empört sich und deckt auf. Was anderes bleibt ihm nicht übrig.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 187
    Erscheinungsdatum: 29.12.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783957446503
    Verlag: Engelsdorfer Verlag
    Größe: 372kBytes
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Vernichtung in guten Zeiten

IIEmotionen

Im freien Fall

Das sich über Monate hinziehende Wegbrechen von Aufträgen vollzog sich verdeckt. Man hatte erst keine Ahnung und keinen Verdacht, aber auch keine Vorstellung über das Vorhandensein krimineller Energien und Machenschaften. Dann kamen das Aufwachen und die Erkenntnis, keinen Boden mehr unter den Füßen zu haben, Ohnmacht, Wehrlosigkeit.

Darauf folgte die aktive Wegnahme von Aufträgen durch einzelne Ämter. Eine Kampfsituation ohne Waffengleichheit wurde aufgezwungen. Und als dann alles zu Ende war, begann das Abwickeln. Jetzt wurde die Haut völlig abgezogen. Es schlossen sich erste handfeste Kontakte mit Gerichtsvollziehern an, mit der Kriminalpolizei, mit dem Stromversorger, mit der Telefongesellschaft. Alle wollten was oder wollten alles abstellen. Dann kam der Hammer: Das Büro war zugesperrt.

Obwohl man sich in der klar definierten Position des Beschütztseins und der Assistenz zur Insolvenzverwaltung befand, bestand Vogelfreiheit. Die verletzende Tragik bestand darin, dass man eigentlich ordentlich an der Abwicklung des Insolvenzverfahrens mitarbeiten wollte. Doch damit begab man sich trotz Gesetz in einen ungeschützten Raum. Es gab eigentlich nichts mehr, aber gar nichts mehr an Struktur oder Organisation - außer der eigenen Person, die all die Vorgänge zu ertragen hatte. Die eigene Intention, doch noch zu retten, umzuorganisieren, wie es das Insolvenzrecht vorsieht, und wie es bei der Abgabe des Insolvenzantrags mit der zuständigen Richterin am Insolvenzgericht Nürnberg empfohlen und besprochen war, lief ins Leere. Schüttelfrost, schweißnasse Nächte, völlige Apathie gegenüber Radio, Fernsehen, Zeitung oder öffentlichen Begegnungen, totales Desinteresse an sonstigen Geschehnissen und eine über allem stehende Angst, sich überhaupt nicht orientieren zu können, was los war und wo es hingehen könnte - wenn es überhaupt irgendwie weitergehen könnte -, waren die Folgen. Zentral natürlich der immer deutlicher werdende finanzielle Druck, haftend und voll verantwortlich zu sein - moralisch und rechtlich. Es reichte zu keiner Wut, nur zu einer abgrundtiefen Traurigkeit, sich selbst überlassen zu sein. Sonst mit den verschiedensten Lagen fertig werdend, gab es jetzt nicht den geringsten Funken einer Idee, wie die Situation auch nur irgendwie bewältigt werden könnte. Es ging nicht darum, dass jemandem (zum Beispiel dem kaufmännischen Leiter oder dem Geschäftsführer) ein gravierender Managementfehler unterlaufen wäre, der zwar zu einem großen Desaster geführt, aber kurzfristig hätte ausgebügelt werden können, sondern es lief die totale Vernichtung ab. Mit großer subjektiver Kraft wurde etwas aufgebaut, was sich in allen Fasern der Organisation nun fremd verursacht auflöste. Wie subtil diese Auflösung sich vollzog, ist schwer zu beschreiben. Sie erreichte letztlich meine ganze Seele und meinen Körper und machten beide sterbenskrank. Nicht nur die Bank stellte die Tatsachen falsch dar, sondern auch eigene Mitarbeiter, Amtspersonen. Was für mich Verträge und Vertrauen und gewachsene zwischenmenschliche (Geschäfts-)Beziehungen gewesen waren, erwies sich nun als eine unbekannte, ekelhafte Substanz, mit der man nach mir warf und die mich durchdringen sollte.

Daran gewöhnt, alle möglichen und unmöglichen Alltagsaufgaben eines 70-Personen-Unternehmens ordentlich, technokratisch zu managen, empfand ich neuartige Aufgaben in diesen Niederungen schon wieder als wohltuend (mich beispielsweise darum kümmern zu können, dass der Strom wieder angestellt wurde, das Telefon wieder gehen sollte, die Räume minimal gereinigt wurden usw.).

Als gut empfand ich die Begegnungen mit den Gerichtsvollziehern, die sich immer die Zeit nahmen, sich meine Geschichte anzuhören, und unverrichteter Dinge wieder gingen. Unweigerlich - als "reine Formsache" - kam es zu Anzeigen gegen mich, die ich bei der Kriminalpolizei entkräften musste. Auch diese Herren

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