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Viele Himmel über dem Siebten Roman von Op de Beeck, Griet (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.05.2019
  • Verlag: btb
eBook (ePUB)
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Viele Himmel über dem Siebten

Warum fühlt sich das Leben manchmal so schwer an? Und wie kann es gleichzeitig so wunderschön sein? Die zurückhaltende Eva und ihre lebenskluge Nichte Lou sind das Zentrum einer Familie, in der die anderen nur um sich selbst kreisen: Evas Schwester, deren Liebhaber, der zurückgezogene Vater, auf dessen Schultern etwas so Schweres lastet, dass niemand sich traut, danach zu fragen. Sie alle sind bestimmt von ihrem Alltag, heimlichen Zweifeln und zu großen Geheimnissen. Bis Eva eines Tages fort ist. Fünf Leben stehen still, fünf Menschen treten aus der Zeit, blicken sich um und sehen, dass sie mitten in dieser Welt stehen, die manchmal so schwer zu verstehen ist und manchmal ganz unerwartetes Glück bereithält. Griet op de Beeck, Jahrgang 1973, arbeitete als Dramaturgin, Journalistin und Kolumnistin, bis sie Anfang 2013 mit Vele hemels boven de zevende ihren ersten Roman vorlegte. Sie wurde mit dem De Bronzen Uil Publikumspreis ausgezeichnet und für den AKO-Literaturpreis nominiert. Der Roman wurde in Flandern und den Niederlanden ein sensationeller Bestseller. Griet op de Beeck zweiter Roman, Komm her und lass dich küssen verkaufte sich sage und schreibe 250.000 Mal.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 13.05.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641201012
    Verlag: btb
    Serie: btb 71818
    Originaltitel: Vele hemels boven de zevende
    Größe: 2155 kBytes
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Viele Himmel über dem Siebten

ELSIE

Ich bin mit Walter in New York gewesen. Fünf Tage. Wir haben im Mondrian SoHo gewohnt, einem Luxushotel in guter Lage. Nur wir beide, zum ersten Mal seit Jahren. Das würde mir helfen, den Kopf wieder freizukriegen, den Blick in die richtige Richtung zu lenken. Leben ist, was man selbst daraus macht, man denkt nur an die Menschen, an die man denken will.

Walter und ich sind verrückt nach New York. Durch die Stadt zu schlendern, von einem Viertel ins andere, von Vibe zu Vibe. So viel Welt auf so kleiner Oberfläche, da können nicht viele Städte mithalten. Zwischendrin richtig gut essen, viel trinken und noch mehr Kunst ansehen. Hier sind wir as good as it gets.

"Nicht so mein Ding", sagt Walter, als wir den Frühstücksraum des Hotels betreten. "Zu verschnörkelt." Mir gefällt es sehr gut. Die Lüster sind ein wenig zu groß geraten, man würde sie eher im Ballsaal eines alten Schlosses erwarten, ansonsten ist alles hypermodern, eine hohe Lichtkuppel, weiße Tische, durchsichtige Plexiglasstühle, überall stehen üppige Pflanzen, hier und da ein Hauch von Kitsch, aber gut dosiert. Es ist toll gemacht, denke ich. Sage es nicht. Auch das nicht.

Walter schluckt den letzten Bissen Müsli mit Joghurt hinunter und sieht mich an, anders als ich es von ihm gewohnt bin. "Was ist?", frage ich. "Nichts." Er wirkt aufgewühlt, so habe ich ihn seit langem nicht mehr gesehen. "Ich musste gerade an unseren ersten New-York-Besuch denken, erinnerst du dich? Wie wir uns ... im Central Park geschworen haben, mit diesem Eichhörnchen als Zeugen, dass wir für immer zusammenbleiben würden?" "Sure." Ich nicke. "Dir ist doch klar, wie sehr ich dich liebe, oder?" Ich lege meine Hand in seine. Er drückt sie.

Wenn Walter klein ist, mag ich ihn am liebsten. Warum, kann ich nicht gut erklären.

Walter und ich lunchen im Blue Ribbon Sushi, trinken Caramel Macchiato im Starbucks und ich einen Karotte-Apfel-Ingwersaft im Jamba Juice, woraufhin Walter sich über meinen spontanen Gesundheitswahn lustig macht. Wir schauen mal eben bei Prada rein - mehr Rutschbahn als Geschäft, findet Walter, ein kleines Architekturwunder, finde ich. Darf nichts anprobieren vor meinem Mann. Ich und meine Kreditkarte auf Streifzug, das ist eine gefährliche Kombination. Walter erzählt, er glaube, bei dem Kind mit komplexem nephrotischen Syndrom kurz vor einem Durchbruch zu stehen. Ich bin froh, ihn mal wieder begeistert von seiner Arbeit sprechen zu hören, denn im Allgemeinen scheint sie ihn eher zu langweilen. Nieren sind nicht gerade die spannendsten Organe, stellen einen aber manchmal vor Probleme, die zunächst unlösbar scheinen, für die er dann aber doch eine Lösung findet. Und darüber freut er sich dann. Dann ist er lieb. Er erzählt mir von seinen Vorträgen der letzten Wochen, den Erfolgen, die er verbuchen konnte: "Doch nicht schlecht, für einen Trottel wie mich."

Alles läuft. Denn damit kennen wir uns aus. Von dem, was sich vertraut anfühlt, geht immer etwas Verführerisches aus. Es bietet Halt, Boden unter den Füßen.

Manchmal, wenn ich Walter einfach zu Hause sitzen sehe, in ein Buch vertieft, maximal konzentriert, oder wenn er fast über den Hund stolpert und sich dann bei ihm entschuldigt oder wenn er den Kindern damit auf die Nerven geht, dass sie dringend mal zum Friseur müssten, und dann entrüstet tut, wenn sie "Mann, Papa!" seufzen, dann denke ich: Meine Liebe zu diesem Mann ist stark.

Ich weiß noch ganz genau, warum ich mich in Walter verliebt habe. Er war ein Jugendfreund eines meiner ehemaligen Kommilitonen und anders als die meisten. Er war witzig. Nicht witzig im Sinne von Schenkelklopfen, sondern geistreich-witzig. Und kreativ, was ich von einem Arzt nicht erwartet hatte. Noch dazu von einem Nephrologen, ich wusste zu der Zeit nicht einmal, dass das Nierenspezialist bedeutete. Wilder Denker, offener Blick. Weitgereist. Ambitioniert und loyal. Immer mit irgendwas beschäftigt. Ganz anders

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