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Vielleicht auf einem anderen Stern Roman von Raney, Karen (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.08.2020
  • Verlag: Diana Verlag
eBook (ePUB)
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Vielleicht auf einem anderen Stern

Endlich ist Eves Leben genau so, wie sie es sich immer vorgestellt hat. Sie ist Kuratorin in einem Museum, hat einen liebevollen Partner an ihrer Seite und eine Tochter, die ihr das Wichtigste ist. Doch dann wird Maddy schwer krank. Hungrig nach Leben muss die Sechzehnjährige schnell erwachsen werden - und macht sich auf die Suche nach ihrem Vater, der von ihrer Existenz nichts weiß. Eve erkennt, dass sie Maddy immer vor allem beschützen wollte. Vieles hat sie ihr deshalb verschwiegen. Nun bricht sich das Ungesagte unaufhaltsam Bahn, und je weiter Maddy sich entfernt, desto klarer wird Eve, dass sie nicht alles in der Welt kontrollieren kann.

Karen Raney unterrichtet Kunst an der University of East London. Vor kurzem erlangte sie einen Creative Writing-Master an der Goldsmith University London. Ihr Debütroman "Vielleicht auf einem anderen Stern" wurde für den Pat Kavanagh-Preis nominiert. Raney wuchs in den USA auf und lebt heute in London.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 10.08.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641244262
    Verlag: Diana Verlag
    Serie: Diana-Taschenbücher 36051
    Originaltitel: All the Water in the World
    Größe: 3121 kBytes
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Vielleicht auf einem anderen Stern

1

Akustisch gesehen ist ein See gewissermaßen ein schwarzes Loch: Im Gegensatz zum Meer erzeugt er keinerlei Eigengeräusche, stattdessen spinnen Wind, Boote, Vogelgezwitscher und Kinderstimmen eine Art Lautkranz um das Wasser, was die Stille noch intensiver erscheinen lässt. Gelegentlich durchbrechen eine Schildkröte oder ein Fisch die Wasseroberfläche, wobei der Eindruck entsteht, als steige ein Geräusch aus den Tiefen empor. Maddy, die geborene Philosophin, würde wissen wollen, ob es tatsächlich ein Geräusch ist, oder ob dieses Auftauchen lediglich die Suggestion davon heraufbeschwört. Ich erwähne Maddy, weil sich die Gedankenwelt automatisch zweiteilt, sobald man ein Kind hat. Nichts, was ich denke oder tue, gehört noch länger mir alleine. Diese Wahrheit gilt heute mehr denn je.

Jeden Morgen gehe ich mit einem Becher Kaffee auf den Steg hinaus. Robin begleitet mich nie. Er hat das alles schon x-mal gehört, außerdem ist er mit dem neuen Zimmer unterm Dach beschäftigt - es ist so neu, dass auf den Fenstern noch die Schutzfolien kleben und der Boden aus Spanplatten besteht. Statt über eine Treppe gelangt man lediglich über die ausziehbare Leiter hinauf und muss sich durch die Luke zwängen. Es riecht nach Holz und Leim, außerdem herrschen wegen der Kiefern ringsum völlig andere Lichtverhältnisse als im restlichen Haus. Wenn es eines Tages fertig ist, wird man sich dort oben wie in einem Baumhaus fühlen. Geplant ist, dass es teils als Spiel-, teils als Arbeitszimmer dienen soll. Dass es erst jetzt entsteht, verleiht dem Projekt eine unwirkliche Note, und ich kann mich nicht durchringen, echtes Interesse dafür aufzubringen.

Der Schlaf und auch der Mangel daran beschwört so einiges in mir herauf, ein gesunder Appetit zählt allerdings nicht dazu. An dem Tag, als ich Norma kennenlernte, kam ich nach unten und verputzte jedoch erst einmal drei Scheiben Toast. Ich wartete nur darauf, dass Robin aufstand und mir applaudierte, doch er lächelte nur und meinte: »Ab mit dir.« Was ich auch tat. Ich ging über die unebenen Platten, zwischen deren Ritzen das Unkraut spross, wobei ich meinen Becher dem Rhythmus meiner Schritte anpasste, damit der Kaffee nicht über den Rand schwappte, wie ich es von Robin gelernt hatte.

Der Steg war T-förmig angelegt. Er bestand aus verwitterten, auf Styroporplatten ruhenden Holzbohlen und wackelte ziemlich heftig, was mir die Instabilität und die Unnachgiebigkeit des Wassers gleichermaßen vor Augen führte. Am Ende standen zwei grün gestrichene Adirondack-Holzstühle und ein niedriges Tischchen, auf dem ich meinen Becher abstellte, um den Tau von den Stühlen zu wischen, deren Lack von der Sonne bereits abblätterte und Blasen warf. Eigentlich müssten sie dringend frisch gestrichen werden, aber mir war klar, was ich zu hören bekäme, wenn ich das Thema anschneiden würde. »Hey, Eve, das ist doch eine wunderbare Aufgabe für dich«, würde Robin mit seiner typisch fröhlich-lauten Stimme sagen. Aber ich brauchte keine Aufgaben, wie Stühle streichen oder Kleiderschränke ausmisten. Wann immer ich hier bin, will ich am See sein, ohne irgendwelche Ablenkungen oder Arbeitsaufträge. Ich wusste, dass Robin früher oder später nach mir rufen würde, aber solange ich ihm zuwinkte, würde er mich nicht stören.

An manchen Tagen liegt der Dunst wie ein weißer Deckel auf dem Wasser, der sich nach einer Weile hebt und den Blick auf den reglos daliegenden See freigibt. Manchmal sind See und Himmel auch zu einer dunstigen Einheit verschmolzen, oder ich sehe die konzentrischen Kreise der Regentropfen auf der Wasseroberfläche, noch bevor ich sie auf der Haut spüren kann. An diesem Tag hatte sich der morgendliche Dunst bereits aufgelöst, die Umrisse waren klar und scharf, die Farben beinahe von schier unerträglicher Intensität: Gold, sattes Grün und nahezu alle Blauschattierungen.

Ich stand vor dem See, nahm ganz bewusst die Brise auf meinen nackten Armen und meine

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