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Vine Valley von Groot, Ludvig de (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.05.2017
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Vine Valley

Napa Valley, Kalifornien. Die Heimat der renommiertesten Weine des amerikanischen Kontinents - und der Zielort eines überaus lukrativen Auftrages für Vinzenz Preiss: Starönologe und als solcher gestandener Meister seines Fachs. Als unbeirrbarer Profi schreckt er vor keiner Herausforderung zurück - doch die Arbeit rückt in dem Moment in den Hintergrund, als er sich plötzlich mit der Person konfrontiert sieht, die sein Leben so nachhaltig geprägt hat, wie niemand sonst. Ludvig de Groot unternahm seine ersten schriftstellerischen Versuche bereits im frühen Kindesalter. Zu seinen literarischen Heroen zählen alte Meister wie Poe, Dumas und Tieck sowie moderne Schriftsteller wie Wolfgang Hohlbein und Bernhard Hennen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 172
    Erscheinungsdatum: 18.05.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783743197855
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 279 kBytes
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Vine Valley

Kapitel Eins

Mit einem simplen Knopfdruck lasse ich die Lehne des Flugzeugsitzes absinken und wage einen Blick aus der ovalen Fensteröffnung. Regen. Ein ungemütlicher Regen. Kein stürmischer Regen zwar und dennoch - ungemütlich. Wenn ich das Ganze so betrachte, drängt es mich überhaupt nicht, diese Maschine allzu bald landen zu sehen. Trotzdem wird der Flug nicht mehr übermässig lange andauern, dessen bin ich mir wohl bewusst.

Lustlos wende ich meinen Blick von der gräulichen Szenerie ab und krame die Aktentasche hervor, die ich unter meinem Sitz verstaut habe. Mit findigen Händen blättere ich meine Unterlagen durch und stosse bald auf das eine Schriftstück, aufgrund dessen ich mir diesen Flug überhaupt erst aufgebürdet habe. Flinken Auges überfliege ich die sich mir präsentierenden Zeilen als liesse sich durch deren wiederholtes Lesen ein Aspekt freilegen, der sich meiner Kenntnisnahme bislang entzogen hat. Wie zu erwarten war, bleibt ein entsprechendes Erlebnis aus. Nein. Es ist ein Auftrag wie jeder andere, dem ich bisher nachgekommen bin - und doch ist er andersartig als alles Bisherige.

Die erste Anfrage aus Amerika - aus dem Napa Valley, um präzise zu sein. Ich hatte bereits mit Kellereien in ganz Europa zu tun. Im Burgund half ich einem angeschlagenen Weingut wieder auf die Beine, einer Kellerei in der spanischen Levante verhalf ich zu einer regelrechten Monopolstellung in diesem Gebiet und auch im Piemont arbeitete ich mit einem alteingesessenen Weingut zusammen, das ich mittlerweile aufgekauft habe. Ich habe mir in den letzten Jahren durchaus einen Namen gemacht. Vinzenz Preiss ist Kennern der Branche längst ein Begriff und durch meine zahlreichen - oder sollte ich sagen zahllosen? - Aufträge habe ich ein Vermögen angehäuft, von dem es sich ohne weiteres für den Rest meines Lebens relativ gut leben liesse - aber Geld kann man ja bekanntlich nie genug haben. Aus diesem Grund hege ich auch nicht die Absicht, meine Karriere in nächster Zukunft an den Nagel zu hängen. Und trotzdem - wer hätte gedacht, dass es jemals so weit kommen würde, dass ich einen Auftrag aus Kalifornien annehme? Die Vereinigten Staaten waren mir seit jeher das am meisten verhasste der etablierten Weinländer. Selbstverständlich, es gibt guten amerikanischen Wein - es hätte keinen Sinn, dies bestreiten zu wollen - doch die Einstellung der Amerikaner zum Wein ist anders als überall sonst auf der Welt. Schon allein die önologischen Verfahren, die in nämlichen Kellereien schablonenhaft Anwendung finden, während sie anderenorts verboten und allgemein geächtet sind, sind mir ein Gräuel... Ich wage es einmal, die plumpe Behauptung aufzustellen, dass alles notorisch darauf ausgerichtet ist, ein immergleiches Produkt herzustellen. Allfällige Jahrgangsunterschiede sucht man so gut es geht zu eliminieren - als würde man die simple Wahrheit scheuen, dass Wein trotz aller kellertechnischer Eingriffe ein Naturprodukt ist, dessen Charakter meistenteils von den Bedingungen des Rebjahres abhängt. Man geht an das Produkt heran, als wäre man nichts weiter als ein stumpfsinniger Limonadenproduzent.

Ein weiterer Punkt, der es mir unmöglich macht, amerikanischem Wein mit viel mehr als desinteressierter Geringschätzung zu begegnen, ist das lachhafte Selbstverständnis seiner Produzenten, man könne den grossen Weinnationen - den tatsächlich grossen, meine ich - in Sachen Qualität und Renommee unmöglich nachstehen. Man sieht sich an einer gemeinsamen Spitze stehend - wenn man nicht gar so vermessen ist, sich eine Nasenlänge vorne zu wähnen. Geradezu frevelhaft, dieser Gedanke, wie ich meine. Wenn man beispielsweise einen preistechnisch eher als Luxusgut zu bezeichnenden Bordeaux kauft, dann bezahlt man nicht nur für den Wein, man bezahlt für die lange und ehrwürdige Geschichte, die hinter dem Weingut steckt, man bezahlt zugegebenermassen in grossen Teilen für den blossen Namen des Gutes, doch muss man sich dabei

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