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Vollkasko Roman von Bläsing, Rolf (eBook)

  • Verlag: Aufbau Verlag
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Vollkasko

Ehekrise, Klimakrise, Identitätskrise - für Arno, Mitte 40, geht es so nicht weiter. Immer hat er ja gesagt, zu Silke, zum Haus, zu den Kindern, sogar zur Familienkutsche. Einmal muss er etwas anders machen als die anderen. Er beschließt, ein Jahr lang in kein Auto zu steigen - obwohl er in einem Landstrich lebt, in dem der eigene Wagen so lebensnotwendig ist wie der Colt im Wilden Westen. Das gibt Ärger. Mit Silke, mit der Familie, den Kollegen. Nur nicht mit Annette, Grünen-Politikerin und Arnos Jugendliebe... 'Bläsings Geschichten strotzen vor trockenem Humor. Witzige Dialoge, kuriose Szenen - nach 'Der Halbmarathon-Mann' kommt auch 'Vollkasko' ausgesprochen kurzweilig daher.' HNA. Rolf Bläsing, geboren 1958, gewann durchs Laufen wichtige Erkenntnisse: Regelmäßige Bewegung relativiert kleinere bis mittlere Fehler beim Ess- und Trinkverhalten - und: Selbst bei Regen kann man sich draußen bewegen, ohne daran zugrunde zu gehen.Er lebt, läuft und schreibt in Hessen

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 272
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841203106
    Verlag: Aufbau Verlag
    Größe: 3845 kBytes
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Vollkasko

Kapitel 1

Arno Eggenthal dachte nach. Das war nichts Besonderes, denn Arno Eggenthal verbrachte viel Zeit mit Nachdenken über das, was einem im Leben so passieren konnte, über Krankheiten zum Beispiel, die man bekommen konnte, oder über mögliche Lottogewinne oder Beziehungsprobleme; alles Dinge also, die das Leben veränderten und in seinem Falle doch eher theoretischer Natur waren, denn er war bisher nie ernstlich krank gewesen und er spielte auch kein Lotto, und ein echtes eigenes Beziehungsproblem, wie es bei Bekannten ständig vorkam, das war ihm bisher fremd erschienen, fast unangemessen und auch ein bisschen anstrengend. Meinungsverschiedenheiten, wenn man das so nennen wollte, hatte es in letzter Zeit allerdings auch zwischen ihm und Silke, seiner Frau, häufiger gegeben. Wie vor einigen Minuten.

Sie hatten ihn in der Küche stehenlassen, Silke, die seinen Ausführungen nicht weiter zuhören wollte, und Luca, sein sechzehnjähriger Sohn, der ihm schon seit etwa einem Jahr nicht mehr zugehört hatte, und so war Arno die Treppe hinauf ins obere Stockwerk gegangen, in sein Arbeitszimmer, wo er jetzt am Fenster stand und hinausschaute.

Es war Freitagabend, die Nachbarn kamen von der Arbeit nach Hause, stellten ihre Wagen ab, und die Straße füllte sich. Zu manch einem Haus gehörten vier Autos, denn das Dorf hatte keine Verkehrsanbindung, es gab fast ein Parkplatzproblem hier am Ortsrand, in der Siedlung, wie sie es weiter unten im Dorf nannten.

Eggenthal musste diesmal aus einem ganz persönlichen Grund nachdenken, es ging um etwas, das ihn direkt betraf. Er hatte vorhin in der Küche durch einen einzigen Satz seine Lage verändert, es war dramatischer verlaufen, als er es geplant hatte, und es ging darum, ob er sich jetzt im Recht fühlen und trotzig sein durfte und, der erhofften Unterstützung seiner Frau beraubt, unbeirrbar sein Ziel weiterverfolgen konnte. Oder ob er, wie Silke es beim Verlassen der Küche formuliert hatte, sie tatsächlich nicht mehr alle hatte.

Die Ursachen für den Disput lagen Monate zurück. Es hatte im Sommer des vergangenen Jahres begonnen. Ein brandheißer, staubig trockener Juli war nach einem Kälteeinbruch von einem verregneten August abgelöst worden, Eggenthal wurde im Urlaub mit Wasser nur so zugeschüttet, und dieser Umstand gab ihm zwangsläufig viel Zeit zum Nachdenken und schärfte seine Sinne für die weitere Entwicklung.

Ihm fiel damals auf, dass der Sommer erst im Herbst fortgesetzt wurde, um dann allerdings bis Ende Oktober anzuhalten. Der November und auch der Dezember brachten Temperaturen, die an den Frühling erinnerten. Dann kam der Winter, gleich drei Mal. Das erste Mal vom 26. bis 27. Januar, und zwar mit Minustemperaturen! Das zweite Mal mit Schnee am 7. Februar von 7 bis 12 Uhr und dann noch mal, völlig unverhofft, am 8. Februar von 14 bis 17 Uhr.

Es schien, als wären die Jahreszeiten, so wie er sie bisher kannte, verschwunden, und zwar so plötzlich, als hätte jemand mit dem Finger geschnippt oder als hätte es einfach nur "Peng!" gemacht. Nachdem sie früher schon hin und wieder unzuverlässig gewesen waren, was sich durch das falsche Wetter zum falschen Zeitpunkt geäußert hatte und als zufälliges und immer wieder mal auftretendes Phänomen erklärt worden war, waren sie nun ganz weg, hatten sich abgemeldet und aufgelöst, so jedenfalls empfand es Eggenthal.

Und dann kam, Anfang Februar, auch noch die offizielle Bestätigung, der große Klimakatastrophenaufschrei, und alles, was die Zeitungen seit über zehn Jahren in kleinen Überschriften auf Seite siebenundzwanzig gedruckt hatten, brachten sie plötzlich auf Seite eins in Großbuchstaben. Die Reaktionen waren eher putzig und zeigten, dass noch nicht alle bereit waren für die neue Erkenntnis: Im Radio stellte der Nachrichtensprecher fest, dass das Unglück nicht aufzuhalten und die Lage ernst sei. Eine Minute später sagte eine Moderatorin des gleichen Sen

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