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Vom Glück zu finden In Schrift, Form, Farbe von Frerichs, Petra (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.03.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Vom Glück zu finden

Ein Kulturbuch, das Fundstücke präsentiert, die beglücken und das zum Lesen von Büchern und Bildern anregen möchte. Das Spektrum an Sujets ist breit, doch mit markanten Schwerpunkten. Im ersten Teil die Literatur: Krieg und Nachkrieg im Werk von Dieter Wellershoff und Arno Schmidt; Ironie erklärt von Martin Walser und praktiziert von Franz Schuh, vielleicht auch von Peter Kurzeck am Vorabend; den Tod miterlebt, begleitet und literarisch betrauert durch Günter Steffens; den Tod vor Augen, gesehen von Dieter Wellershoff, Fritz J. Raddatz und Victor Bromberg. Dann folgt die Malerei: Zwei Abhandlungen über Schriftsteller, die sich mit der Bildenden Kunst auseinandersetzen - die erste widmet sich dem bildschönen wie inhaltsschweren Kunstband von Dieter Wellershoff. Was die Bilder erzählen; der zweite Text greift Kunstinterpretationen von John Berger, Cees Nooteboom, Paul Nizon und Peter Handke auf und lädt sie zu Dialogen ein. Abschließend werden Bilder von Paul Wunderlich, Alfred Kubin und Zezo Dinekov besprochen. Petra Frerichs, geb. 1947; Studium der Literatur- und Sozialwissenschaften; Dr. phil.; langjährige wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut zur Erforschung sozialer Chancen in Köln; seit 2012 freie Autorin; neuere Veröffentlichungen: 'Momentaufnahmen. Notizen über Literatur, Malerei, Film', 2010; zusammen mit Joke Frerichs: 'Lesespuren. Notizen zur Literatur', 2011; 'Leben braucht keine Begründung. Zum literarischen Werk von Dieter Wellershoff', 2012; 'Literarische Entdeckungen. Vergessene und neu gelesene Texte', 2012; 'Leben und Schreiben - was sonst? Ein Streifzug durch die Werkausgabe von Dieter Wellershoff', 2014; 'Das Mysterium der Suche', 2014.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 212
    Erscheinungsdatum: 01.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783741216121
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 195 kBytes
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Vom Glück zu finden

Arno Schmidt - ein Nachkriegsautor der besonderen Art

Im vorvergangenen Jahr hätte Willy Brandt 100. Geburtstag gehabt, in 2015 der Schriftsteller Arno Schmidt. Dass Schmidt zu den markantesten Nachkriegsautoren Westdeutschlands zählt, ist, wenn überhaupt gewürdigt, dann wieder in Vergessenheit geraten. Anlässlich des 70. Jahrestages der Beendigung des Zweiten Weltkrieges und seines 100. Geburtstages gibt es einen doppelten Anlass, an diesen immer noch zu wenig bekannten Autor zu erinnern. Und das tut man am besten, indem man ihn (wieder) liest und sich mit ihm beschäftigt.

Wenn sich im Jahr 2015 das Ende des Zweiten Weltkriegs zum siebzigsten Mal jährt, wird dieses Datums wahrscheinlich auch im Spiegel der (westdeutschen) Nachkriegsliteratur gedacht. Wie schon beim 50jährigen Gedenken 1995, so werden wohl auch am 70. Jahrestag dieses Ereignisses wieder vor allem die Namen Borchert und Böll genannt. So haben wir es schon in der Schule gelernt. Vor allem diese beiden Autoren stehen mit den Stücken Draußen vor der Tür und Wanderer, kommst du nach Spa... an vorderster Stelle für die Nachkriegsliteratur schlechthin. Warum wird nicht auch Arno Schmidt genannt, dessen literarisches Werk ganz entscheidend auf Erfahrungen von Krieg, Gefangenschaft und Nachkriegszeit beruht? Sie sind ihm zum Gegenstand seiner inhaltlichen und formalen Arbeit geworden. Nur wenige Kenner - allen voran Jan Philipp Reemtsma - haben hinter den stilistischen Finessen den politischen Autor Arno Schmidt erkannt. Reemtsma hält ihn zu Recht für einen der bedeutendsten Nachkriegsautoren. Gleichwohl findet man ihn nicht im Kanon des Schulunterrichts; schon gar nicht sind seine Schriften so bekannt geworden wie die der beiden genannten Schriftsteller.

Die Rezeption von Arno Schmidt hat sich gemeinhin auf dessen galligen Humor und Witz konzentriert, ohne dabei die untergründigen Quellen dieser besonderen Komik und ihre politischen Implikationen freizulegen. Angeregt von den hervorragenden Textanalysen und -interpretationen von Reemtsma 4 soll anhand von einigen Texten gezeigt werden, wie Arno Schmidt diese politisch-aufklärerischen Implikationen unter Einsatz besonderer literarischer Formen realisiert.

Hier ein paar Beispiele zur Einstimmung:

Wenn ich nicht schon von Geburt Atheist wäre, würde mich der Anblick Adenauer=Deutschlands dazu machen!

"Dir wolln wir treu-er-ge-bänn-sein: / getreu bis ihihihinn den Tod": Aber warum denn? ... Ehe Du für Dein Vaterland sterben willst, sieh Dir s erst mal genauer an! (Und "Mein Leben für den Führer"?!: für n Politiker faß ich mich nich an'Hintern!!). -

Geschichte? Schicksal? Die Politik ist das Schicksal! (Dabei war mir nichts weniger als nach Ausrufungszeichen zumut: es ist ja zu traurig, was in der Hinsicht mit uns eben jetzt wieder gemacht wird! Die Kipper und Wipper unserer demokratischen Freiheiten!

Wie Borcherts Draußen vor der Tür , so hat auch Schmidt mit Brand's Haide (1950) einen sogenannten Heimkehrerroman geschrieben. Doch wie verschieden sind beide Texte trotz des gleichen Motivs: Die Gefühlslage, die Borcherts Stück durchzieht, dient vor allem der psychischen Verarbeitung des Krieges sowie der Herstellung einer Art Gefühlsnormalität. Er plädiert für einen unbefangenen Umgang mit der Vergangenheit und zielt auf die Beruhigung des kollektiven Gewissens. Larmoyanz scheint das Gefühlsmedium zu sein, in dem sich das doch wohl etwas ramponierte Gewissen wiedergutmacht. Reemtsma zieht sogar einen kühn anmutenden Vergleich mit dem Film Rambo I , wenn er davon spricht, dass in beiden Fällen der Held davon überzeugt ist, dass der Krieg oder Kampf hätte gewonnen werden können, wenn man auf ihn gehört und ihn nur gelassen hätte. In dieser Auffassung teilen sie das Muster der Unbelehrbarkeit. Und in beiden Fällen findet nach Reemtsma die Umstilisierun

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