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Vom Wesen der Götter Roman von Lobo Antunes, António (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.10.2018
  • Verlag: Luchterhand Literaturverlag
eBook (ePUB)
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Vom Wesen der Götter

Ein sprachgewaltiger Roman über die sogenannte feine Gesellschaft Portugals zurzeit des Diktators Salazar.
Die besseren Familien Portugals residieren in Cascais, einem westlich von Lissabon gelegenen Badeort, insbesondere in der Quinta da Marinha, wo man den Atlantik rauschen hört und die Dünen hinter den Pinien sieht. Hier spielt sich das gesellschaftliche Leben ab, hier wohnt man in herrschaftlichen Villen. Da gibt es den 'Senhor Doutor', einen reichen Unternehmer und Vertrauten des Diktators Salazar, der sich mit Härte und Lieblosigkeit aus einfachen Verhältnissen nach oben gekämpft hat. Seine Frau lebt zurückgezogen im obersten Stock, die Tochter des Hauses, 'Senhora' genannt, wurde vom Butler gezeugt und verbringt ihre Tage damit, ihr Hündchen zu streicheln und Bücher zu lesen, die ihr eine Buchhändlerin aus dem Ort vorbeibringt. Und dann gibt es noch eine junge Fadosängerin, deren Gefühle nicht erwidert werden ...

António Lobo Antunes wurde 1942 in Lissabon geboren. Er studierte Medizin, war während des Kolonialkrieges 27 Monate lang Militärarzt in Angola und arbeitete danach als Psychiater in einem Lissabonner Krankenhaus. Heute lebt er als Schriftsteller in seiner Heimatstadt. Lobo Antunes zählt zu den wichtigsten Autoren der europäischen Gegenwartsliteratur. In seinem Werk, das mittlerweile mehr als zwanzig Titel umfasst und in vierzig Sprachen übersetzt worden ist, setzt er sich intensiv und kritisch mit der portugiesischen Gesellschaft auseinander. Er erhielt zahlreiche Preise, darunter den 'Großen Romanpreis des Portugiesischen Schriftstellerverbandes', den 'Jerusalem-Preis für die Freiheit des Individuums in der Gesellschaft' und den Camões-Preis.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 720
    Erscheinungsdatum: 15.10.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641220358
    Verlag: Luchterhand Literaturverlag
    Originaltitel: Da natureza dos deuses
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Vom Wesen der Götter

ERSTES KAPITEL

Das erste Mal wurde ich ungefähr zu der Zeit zum Haus der Senhora geschickt, als ich den Obdachlosen auf der Stufe zur Buchhandlung schlafend antraf, aber ehrlich gesagt, habe ich ihn erst in dem Augenblick bemerkt, in dem ich den Schlüssel aus der Handtasche zog, um die Tür zu öffnen, oder, besser gesagt, zwei Schlüssel an einem Ring mit einem Stoffbärchen, dem das rechte Auge fehlte, der richtige und ein zweiter, von dem ich noch immer nicht weiß, wozu er gut ist, bereits als Kind haben mich Schlüssel verwirrt, waren sie unheimlich, rätselhaft, was öffnen sie, wenn man sie ins Schlüsselloch steckt, fragte ich sie

- Was öffnet ihr?

würde mich die Antwort sicher beunruhigen, wie viele Zimmer hinter den Zimmern, die ich kenne, wie viel Rauschen schwarzen Wassers, das Meer von Cascais hört man vom Laden aus nicht, es bleibt bäuchlings, unaufhörlich zitternd im Sand liegen

- Was ist mit dir?

würde ich ohne die Lampen der Laternen und der Fenster in den Gebäuden bei geschlossenen Rollläden schlafen, hätte ich Angst, das Haus der Senhora war riesig, der Gärtner goss gerade die Beete, Schatten spähten mich durch die Fensterrahmen aus, was wollten sie, der Obdachlose steckt immer in einer Art Sack, ich sage ihm guten Tag, er macht sich klein, um mich vorbeizulassen, demnächst wird er den Sack zusammenfalten, ihn im Rucksack verstauen und unter den Duschen am Strand ein Bad nehmen, während ich draußen die Tabletts mit den Büchern aufstelle, meine Kollegin hilft mir, auf dem Dach gegenüber hin und wieder eine Möwe, zwischen den Möwen nichts, Tauben, die Eisdiele nimmt im Mai den Betrieb auf, schließt im Oktober, ich bin in Afrika geboren, kam als Kind nach Portugal, wohne mit meinem Sohn im Hinterland von Cascais, wo die Miete billiger ist, aber dennoch bleibt, wenn ich sie bezahlt habe, so wenig übrig, ich kann mich nicht an die Kälte gewöhnen, beim Haus der Senhora vom Kies bis zum Eingang Dutzende Marmorstufen, Balkons, Terrassen, der Swimmingpool lag nicht bäuchlings da wie das Meer, sondern auf dem Rücken, der Chauffeur folgte mir schweigend, der Obdachlose kommt dann mit nassem Haar vom Duschen zurück, ich habe ihn nie lächeln sehen, habe ihn nie mit jemandem zusammen gesehen, er setzt sich auf dem Platz beim Hamburgerrestaurant hin, wenn ich nicht im Laden zu Mittag esse, tue ich im Vorbeigehen so, als bemerkte ich ihn nicht, als ich die Bücher zur Senhora brachte, der Angestellte

- Komm rein

keine Anrede, kein Sie, er duzte mich

- Komm rein

weiße Jacke, silbrige Metallknöpfe, möglicherweise so alt wie mein Vater, aber vornehmer, eleganter, er hat nicht mit Negern an einem Staudamm gearbeitet, ich erinnere mich an die Affenbrotbäume, strohgedeckte Hü

- Komm rein

Hütten, in meiner Vorstellung liegt meine Mutter im Bett

- Das ist der Nierenstein

der Obdachlose holt Bälle aus dem Rucksack und wirft sie in die Luft wie im Zirkus, ohne dass ein einziger herunterfällt, im Haus der Senhora forderte ein Dienstmädchen mit Häubchen

- Die Bücher

keine Anrede, kein Sie, auch sie duzte mich, dies außerhalb von Cascais, fast am Guincho, wo der Wind beginnt, Dünen sich auflösen und wieder zusammenfügen, dorniges Gestrüpp, im Januar rüttelt der Wind am Haus, in dem mein Sohn und ich leben, der Angestellte mit der weißen Jacke

- Worauf wartest du noch?

in der Eingangshalle mit Säulen übergroße Möbel, riesige Bilder, die Decke ewig weit entfernt, ringsum eine Veranda, wo ein Hündchen bellte, und auf der Veranda noch mehr Möbel, noch mehr Bilder, das Gefühl, dass eine alte Frau mich ausspähte, aber ich bin mir nicht sicher, ich zum Angestellten nicht per du, per Sie

- Seien Sie unbesorgt ich gehe gleich wieder ich erwarte nichts

so wie auch der Obdachlose nichts erwartet, er steckt die Bälle in den Rucksack, schwört mir, dass ich niemals alt werde und man mich später nicht allein lassen

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