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Von "Deutschland" nach Deutschland Zeitzeugnis von Straube, Joachim (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.02.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Von "Deutschland" nach Deutschland

Für den jungen Autoren ist das Leben in der DDR nicht zu ertragen. Er versucht, zusammen mit seinem Cousin, über die Tschechei nach Westdeutschland zu fliehen. Sie werden verhaftet, verurteilt und leben fast ein Jahr in den Gefängnissen der DDR. Ihre Freiheit erlangen Sie durch den damaligen Freikauf der Gefangenen von der BDR. Dieses Buch besitzt in seinem Anhang die vollkommene Dokumentation der Schilderungen.

Der Autor Joachim Straube wurde 1959 als 2. Kind schlesischer Eltern in der DDR geboren und wuchs dort auf. Nach dem Abitur versuchte er 1977 mit seinem Cousin Rainer über die CSSR in die Bundesrepublik zu flüchten. Die Festnahme erfolgte in den Anlagen der Grenzsicherung der Tschechei. Nach Auslieferung an die staatlichen Organe der DDR wurde er knapp ein Jahr lang in verschiedenen Gefängnissen eingesperrt. Im August 1978 wird er, wie so viele andere politische Häftlinge, von der BRD frei gekauft. Seine Erlebnisse hat er in einer Niederschrift kurz nach dem Freikauf festgehalten.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 15.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783741215148
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 28662 kBytes
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Von "Deutschland" nach Deutschland

Vorbereitung

I m Oktober 1977 konnten wir endlich unseren lang gehegten Plan in die Wirklichkeit umsetzen.

Wir, mein Vetter Rainer und ich, hatten im Sommer das Abitur geschafft und seit einigen Tagen lag der Einberufungsbefehl zur Nationalen Volksarmee auf unseren Schreibtischen.

An einem wunderschönen, herbstlichen Samstagmorgen, es sollte der letzte warme Tag in jenem Jahr sein, brachen wir unsere "Zelte" in Werdau, einer Kleinstadt im Süden der DDR, ab. Dick bekleidet war ich gegen 7 Uhr zu Rainer gegangen. Eigentlich hatten wir vereinbart, dass er mich mit seinem Motorrad, einer MZ 250 mit 17 PS, abholt. Da der verabredete Zeitpunkt schon weit vorüber war, machte ich mich zu Fuß auf den Weg zu ihm.

Ich hatte für die Fahrt, sehr viel angezogen. Ein Unterhemd, einen dicken Wollpullover mit Rollkragen, eine Strickjacke, eine Trainingsjacke, einen dünnen gelben Anorak, den ich heute noch habe, weiter eine Gummijacke, wie sie auf Baustellen bei schlechtem Wetter getragen werden, und schließlich einen Parker mit Fell, der meinen Oberkörper gegen Feuchtigkeit und Kälte schützen sollte. Eine Unterhose, eine Turnhose, eine Trainingshose, eine Jeans und eine lederne Motorradhose hatte ich an den Beinen.

An den Füßen trug ich dicke Socken und Füßlinge, die ich für die zu großen Lederstiefel nicht nur gegen Kälte brauchte.

Die Hände waren durch Skihandschuhe und darüber durch Motorradhandschuhe, deren Schaft über die Unterarme reichte, geschützt. Auf dem Kopf trug ich einen dunkelblau gespritzten Sturzhelm.

Außerdem hatte ich noch einen kleinen Proviantbeutel mit zwei belegten Broten, zwei Äpfeln und einigen Karotten bei mir, den mir unsere Großmutter fürsorglich gefüllt hatte.

Als ich nach fünf Minuten Fußweg bei meinem Vetter ankam, hatte dieser bereits das Motorrad vom Schuppen auf den Hof geschoben. Er befestigte gerade eine Tasche daran. Ich begrüßte ihn und sagte, dass ich es vor Aufregung nicht mehr zu Hause ausgehalten und ich mich deswegen schon auf den Weg gemacht habe.

Nach der Begrüßung kontrollierten wir noch einmal unsere Sachen. Als wir sicher waren, nichts vergessen zu haben, schob Rainer das Motorrad vom Hof.

Es ging also los! Der lang ersehnte Augenblick war endlich gekommen. Wie oft hatte ich mir den Beginn meines Weges in die Freiheit in Gedanken und Träumen ausgemalt. Wie oft hatte ich abends im Bett gelegen und davon geträumt, den Kommunisten nicht mehr ausgeliefert zu sein.

Ob unsere Reise ins Ungewisse ein gutes Ende nehmen würde? Ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen, lief wie im Trance hinter Rainer vom Hof. Er hatte das Motorrad bereits in Gang gebracht, als ich auf die Straße trat.

Da wir aber ausgemacht hatten, uns beim Fahren abzuwechseln und ich mit seinem Fahrzeug nicht so vertraut war, nahm Rainer die ersten Kilometer auf dem Sozius, dem hinteren Beifahrersitz, Platz. So konnte meine Fahrunsicherheit durch die Straßenkenntnis etwas ausgeglichen werden. Mit wackligen Knien und zittrigen Händen lenkte ich das Kraftrad einem Ziel entgegen, das zu diesem Zeitpunkt nur wir beide kannten.

Unseren Eltern hatten wir die Reise mit einem Besuch bei einem Freund, der seinen Wehrdienst bei der NVA, der Nationalen Volksarmee der Deutschen Demokratischen Republik gerade ableistete, begründet. Sabine, meine damalige Verlobte, wusste nichts von unserem Unterfangen, ebenso wenig Rainers Freundin Petra.

Rathenaustraße, Werdau

Auf den ersten Metern der Fahrt durch die Straßen der Heimatstadt Werdau überkam mich ein eigenartiges Gefühl. Durch die Aufregung lief alles regelrecht wie in einem Film vor mir ab. Die Häuser und Straßen mit all ihrem Schmutz, selbst die Menschen, glichen Bildern. Wir sollten sie auf unbestimmte Zeit nicht wiedersehen.

Von Rainers Wohnung aus fuhren wir gerade hinunter zur Hauptstraße, die hier Plauensche St

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