text.skipToContent text.skipToNavigation

Von früher und heute von Adolph, Karl (eBook)

  • Erschienen: 11.08.2015
  • Verlag: OTB eBook publishing
eBook (ePUB)
1,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Von früher und heute

Karl Adolph ( 19. Mai 1869 in Wien, 22. November 1931 ebenda) war ein österreichischer Schriftsteller. Adolph arbeitete zunächst als Malergehilfe und war ab 1901 als Kanzleigehilfe in der Verwaltung des Wiener Allgemeinen Krankenhauses tätig, wo er es bis zum Adjunkt brachte. Mit Schackerl erzielte er 1912 seinen ersten literarischen Erfolg. Daneben war er ständiger Mitarbeiter der Wiener Arbeiter-Zeitung. Karl Adolph schilderte in Romanen und Skizzen das Leben von Proletariern und Kleinbürgern der Wiener Vorstädte in naturalistischer Darstellung. 1914 erhielt er den Bauernfeld-Preis. (Auszug aus Wikipedia)

Produktinformationen

    Größe: 258kBytes
    Herausgeber: OTB eBook publishing
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 114
    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet
    ISBN: 9783956768156
    Erschienen: 11.08.2015
Weiterlesen weniger lesen

Von früher und heute

Ein Totschlag

Also erzählen Sie!" sagte der Vorsitzende zu dem wegen meuchlerischen Totschlages Angeklagten. Dieser begann: "Ich habe meinen Verteidiger gebeten, mir selbst die Vertretung meiner Angelegenheit zu überlassen. Er möge es nicht als Mißtrauen in seine Fähigkeiten auffassen. Aber wie der natürliche Aufschrei der Not fester ins Ohr dringt als der gekünstelte der Darstellung, so glaube ich, meine Herren Geschwornen, wird meine einfache Erzählung Sie mehr dem Motiv meiner Tat nähern, als es die mittelbare Darstellung des Herrn Verteidigers vermöchte.

"Der Tatverhalt ist folgender: Mich hat ein Mensch tötlich beleidigt, und ich schlug ihn hinterrücks nieder. Ich leugne nichts und werde mich bemühen, auch nichts zu beschönigen, soweit es die in mir empörte menschliche Natur zuläßt. Verzeihen Sie, wenn ich mich meines Opfers nur insoweit erinnere, daß ich eine unnütze, gefährliche Bestie aus dem Wege geräumt habe.

"Ich bin das, was man einen 'gebildeten Proleten' nennt. Ein Mann mit aufgestapeltem Wissen, fähig zu hohen Berufen, aber unfähig, sein Brot durch Lastentragen zu verdienen. 17 Meine Hände vertragen keine Schwielen, und mein Hirn - leider Gott! - es war weniger zu gebrauchen als meine Hände. Allen fehlte die rauhe Rinde der Erwerbsfähigkeit.

"Ich mute den Herren des hohen Gerichtshofes nicht einmal die Vorstellung zu, daß sie es probieren möchten, tagelang mit ungesättigtem Magen herumzulaufen, nächtelang im Freien zu schlafen, solange es die milde Natur gestattet; denn das, was Obdachlosen oft als Obdach zugemutet wird, konnte ich nicht ertragen. Ein Deklassierter ist eben anspruchsvoll, zu seinem Unheil.

"Bisher jedoch war auch mein Magen ebenso anspruchsvoll wie der Ihre - das heißt, ich konnte gewisse Fleischgattungen nicht ohne Widerwillen, ja Abscheu auch nur nennen hören. Aber jetzt waren mir Stücke aus einer Pferdefleischauskocherei ein Leckerbissen geworden. Begreifen Sie doch! . . . Ein Feiertagsbissen. Nun etwas weiter . . . Wie ich zu Hundefleisch kam . . . Eines Tages irrte ich außerhalb der Stadt durch die Felder. Wie gern durchwanderte ich einst diese. Wo ich als Kind Gott den allmächtigen Herrn gelobt, der Blumen und Falter gerade zu meinem Vergnügen geschaffen hatte, sank ich hin, verlassener als die hungrigste Bestie.

"Der Hunger des 'verschämten Armen' hatte mich ohnmächtig, willenlos, feig, verzweifelt gemacht.

"Da, am Rande des Feldes, sitzt auf einem Stein ein Mensch und kaut an einem Stück Fleisch. Ja: Fleisch, sage ich Ihnen, den Begriff 18 werden Sie nie ermessen. Ich könnte vielleicht sagen, das Wasser rann mir im Munde zusammen - doch hat die Sprache keinen Ausdruck für die Empfindung meines damaligen tierischen Hungers.

"Mein Anblick muß erbarmungswürdig gewesen sein. Doch - nicht das! Meine Augen müssen gesprochen haben, mit der schreienden Sprache, die die Natur den leidenden Kreaturen als leider nur immer zu stumpfe Waffe mitgegeben hat.

"Ob Tier - ob Mensch! Mich haben solche Blicke stets gerührt . . . Doch ich verirre mich nun. Ich sage, mein Anblick oder die Sprache meiner Augen müssen es gewesen sein, die den armen, am Wege lungernden Slowaken veranlaßten, mir den widerlichen Brocken anzubieten.

"Ich wußte noch nicht, was ich aß.

"Als ich gesättigt war und mir dessen bewußt wurde, den treuesten, dankbarsten Freund unseres Geschlechtes gefressen zu haben . . . Worte sagen nichts - Tränen alles. Der arme, landstreicherische Slowak . . . wie gütig war er und doch wie grausam, als er grinsend sagte: 'Hund is gut zum Fressen, sehr gut.' Ich war zu gesättigt und zu müde von der Sättigung, um Abscheu empfinden zu können. Und so dankbar war ich. Ich stand neben dem Menschen, der mehr Tier war als der Hund, der uns zum Fraße gedient. Aber war ich jetzt erhaben über diesen armen, unwissenden Mit

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen

    ALDI life eBooks: Die perfekte App zum Lesen von eBooks.

    Hier finden Sie alle Ihre eBooks und viele praktische Lesefunktionen.