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Von Gleich zu Gleich Roman von Smith, Ali (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.04.2016
  • Verlag: Luchterhand Literaturverlag
eBook (ePUB)
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Von Gleich zu Gleich

Eine Engländerin und eine Schottin - kann das gehen? Ein faszinierender, ungewöhnlicher Liebesroman voller Rätsel und raffinierter Spiegelungen: Die Geschichte von Amy und Ash, einer Engländerin und einer Schottin, deren Begegnung in jungen Jahren so intensiv ist und so dramatisch endet, dass sie ihr ganzes späteres Leben bestimmt. Ali Smith wurde 1962 in Inverness in Schottland geboren und lebt in Cambridge. Sie hat mehrere Romane und Erzählbände veröffentlicht und zahlreiche Preise erhalten. Sie ist Mitglied der Royal Society of Literature und wurde 2015 zum Commander of the Order of the British Empire ernannt. Ihr Roman "Beides sein" wurde 2014 ausgezeichnet mit dem Costa Novel Award, dem Saltire Society Literary Book of the Year Award, dem Goldsmiths Prize und 2015 mit dem Baileys Women's Prize for Fiction. Mit "Herbst" kam die Autorin 2017 zum vierten Mal auf die Shortlist des Man Booker Prize.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 368
    Erscheinungsdatum: 28.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641199685
    Verlag: Luchterhand Literaturverlag
    Originaltitel: Like
    Größe: 1763 kBytes
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Von Gleich zu Gleich

Amy

A my steht an der Bahnsteigkante und sieht hinunter auf die Gleise. Sie sind sauber und silbern, es sind wohl die Räder der durchfahrenden Schnellzüge, von denen sie so glänzen. Stumpfe Holzschwellen liegen zwischen den Gleisen wie die Sprossen einer Leiter. Über Amys Kopf zanken sich Spatzen in den Dachsparren des Bahnhofshäuschens. Holzrauch liegt in der Luft, oder irgendwo verbrennt jemand Laub.

Solche Städte sind die besten. Züge halten hier nicht immer. Manchmal fährt einer durch und vorbei, ohne auch nur seine Geschwindigkeit zu verringern, so schnell, dass die Lautsprecherstimme die Leute ermahnen muss, von der Bahnsteigkante zurückzutreten, damit sie nicht mitgerissen werden.

Amy dreht den Kopf in die eine Richtung, wo sie weit in die Ferne sehen kann, so als führte sie direkt in den Himmel. Auf der anderen Seite erstreckt sich die Ferne in die entgegengesetzte Richtung, durchschneidet mit einer geraden Linie aus Licht und Raum die künstlich errichteten Ränder der Stadt. Sie stellt sich den tunnelförmigen Raum vor, der an den Wohnungen und Häusern und den nur aus Fenstern bestehenden Bürotürmen vorbeiführt, durch das heruntergekommene Gewerbegebiet, wo es nach brennenden Reifen riecht, und hinaus in schäbiges offenes Land.

Sie hat die Füße so weit über die Bahnsteigkante hinausgeschoben, wie es geht. Wippt auf den Fersen, testet sich. Aber es werden schon Leute auf sie aufmerksam, es könnte sie jemand erkennen, und wegen Kate tut sie deshalb so, als suche sie unter der Bahnsteigkante nach etwas, das sie fallen gelassen oder verloren hat. Nein, nichts zu sehen. Ist es das? Na schön, dann ist es eben weg. Sie gibt auf, tritt zurück und geht unter der viktorianischen Uhr durch, die über der Automatiktür zur Eingangshalle hängt. Ein Blick zur Uhr. Sie darf nicht zu spät zu Kate kommen. Das muss aufhören.

Amy Shone. So ein Nachname verfolgt dich dein Leben lang. Bei allem wähnst du, damals, früher, in den strahlenden Tagen, hättest du das besser hingekriegt. Natürlich nur, wenn du dir es gestattest.

Amy Shone und Kate Shone. Wenn Amy etwas unterschreiben muss, sieht es aus, als habe sie Amy Shore geschrieben. Es sind die einzigen Wörter, die Kate Amy je hat schreiben sehen, und sie findet das lustig, wo sie doch jetzt direkt am Meer wohnen. Kate mag es, dass sie Shone heißt. Kate Shone, Kathleen Shone, Kate Shone, spricht sie sich vor. (Kathleen Räbchen kommt eher hin, sagt Amy und stupst sie mit dem Wattepäckchen in die Rippen, als sie sie nach dem Duschen abtrocknet.) Kate Shone klingt wie aus einer Geschichte, sagt Kate. Als käme ich in dieser Geschichte in ein Zimmer voller Leute, und in dem Moment muss der, der die Geschichte erzählt, das sagen - Kate Shone, Kate leuchtete -, denn was Besseres fällt dem dazu nicht ein.

Nicht dem, ihm fällt nichts ein - oder ihr, verbessert Amy sie, während sie ihr die Haare durchkämmt. Aber eigentlich kommt's darauf nicht an, sagt sie noch. Darauf kommt es überhaupt nicht an.

Die Leute drehten sich alle um, sagt Kate, als die Tür aufging. Kate Shone. Sie machte ihrem Namen die ganze Nacht alle Ehre. Das Licht, das sie ausstrahlte, war so hell, dass man damit sehen konnte, es hat den Palast so hell erleuchtet, dass Leute, die meilenweit entfernt wohnten, sich fragten, was los war, und Vögel, die meilenweit entfernt in ihren Nestern schliefen, aufwachten und dachten, es sei Tag, und zu singen anfingen. Sie strahlte, weil sie ein wunderschönes Ballkleid anhatte, das allerschönste im ganzen Ballsaal.

Kate hat es momentan gerade mit Ballsälen und Ballkleidern. Vor einer Woche hat sie bei einer Freundin zu Hause Disneys Cinderella gesehen, und wenn Amy jetzt im Wohnwagen aus dem Fenster sieht und Kate allein in den Dünen spielt, kann sie vermuten, dass Cinderella eines dieser Spiele ist, d

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