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Vorgeschichte zu Das Modehaus. Töchter einer neuen Zeit von Kröhn, Julia (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.12.2018
  • Verlag: Blanvalet
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Vorgeschichte zu Das Modehaus. Töchter einer neuen Zeit

Das Modehaus - Wie alles begann Frankfurt im Revolutionsjahr 1848: Das Kleid, das die Tochter der ehrwürdigen Frankfurter Bürgerfamilie Lohmann zur Hochzeit tragen soll, ist ein Skandal. Es ist nämlich weiß, und zwar ausschließlich weiß, und mit solch einem Gewand schritten bislang, wenn überhaupt, ausschließlich Königinnen zum Altar. Ein noch größerer Skandal ist allerdings, dass Henriette, die als 'Nähmamsell' für die Lohmanns arbeitet und das Kleid angefertigt hat, verbotenerweise hineinschlüpft, will sie doch unbedingt wissen, wie sie darin aussieht. Und bevor sie es wieder ablegen kann, liegt der blutüberströmte Revolutionär Jan Hinrichs in der Küche ihrer Arbeitgeber, der sich vor Barrikadenkämpfen dorthin hat retten können, und die Ereignisse überschlagen sich ... Die große Leidenschaft von Julia Kröhn ist nicht nur das Erzählen von Geschichten, sondern die Beschäftigung mit der Geschichte: Die studierte Historikerin veröffentlichte - manchmal auch unter Pseudonym - bislang über dreißig großteils historische Romane. Mit "Das Modehaus" wagt sie den Sprung vom Mittelalter ins 20. Jahrhundert - und hat dabei einen Heimvorteil: Seit 2001 lebt die gebürtige Österreicherin in Frankfurt am Main, dem Schauplatz des Romans.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 40
    Erscheinungsdatum: 03.12.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641237684
    Verlag: Blanvalet
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Vorgeschichte zu Das Modehaus. Töchter einer neuen Zeit

Frankfurt, September 1848

A m Tag, an dem sich das Leben meiner Mutter grundlegend veränderte, trug sie ein Hochzeitskleid.

Das mag nicht weiter erstaunen: Die Eheschließung gilt nebst der Mutterschaft schließlich als größter Einschnitt im Leben einer Frau. Manche Leute sagen sogar, dass die Frau, das schwache Efeu, sich nun endlich an den Stamm einer Eiche schmiegen dürfe. Wer immer sich das ausgedacht hat, hatte nicht viel Ahnung von Efeu, und wahrscheinlich auch nicht sonderlich viel von Frauen. Ich zum Beispiel war nie anschmiegsam, sanft und selbstverleugnend. Aber darum geht es jetzt nicht, es geht um das Hochzeitskleid, das meine Mutter an besagtem Tag trug - und das, obwohl es gar nicht mal ihr eigenes war und nicht sie demnächst darin heiraten sollte, sondern Fräulein Charlotte, die älteste Tochter der ehrwürdigen Frankfurter Familie Lohmann. Zuvor waren allerdings noch Änderungen notwendig geworden, denn Charlotte liebte es zu naschen - vorzugsweise Apfelweinkuchen und Frankfurter Bethmännchen - und hatte um die Taille etwas zugelegt. Sie war natürlich der Meinung, nicht sie habe zu viel gegessen, sondern meiner Mutter, die das Kleid geschneidert hatte, sei beim Maßnehmen ein Irrtum unterlaufen. So oder so musste meine Mutter auf Knien vor dem Kleid herumrutschen. An ihrem Gürtel hingen wie immer Nadelbüchse, Fingerhüte und Scheren aus Silber, mit denen sie jetzt etwas Stoff herausließ. Diese Gelegenheit nutzten die Frauen des Haushalts - die Köchinnen ebenso wie Charlottes Kammerjungfer, die Dienstmädchen und sogar die Wasch- und Plättfrauen, die kaum je die Kellerräume verließen - , um sich das Kleid anzusehen.

Stetig anschwellendes Geschnatter erfüllte den Raum, das Frau Lohmann gewiss unterbunden hätte, hätte sie sich nicht wegen ihrer Rückenschmerzen ins Schlafzimmer zurückgezogen und sich dort mit warmer Asche und ebenso warmen Kirschkernen ihr Leiden behandeln lassen.

"Wie kann man nur in so einem Kleid heiraten?"

"Was hast du denn? Königin Victoria trug vor ein paar Jahren ein ganz ähnliches Kleid, als sie Prinz Albert heiratete."

"Was einer Königin steht, steht noch lange keinem Fräulein."

"Ein König des Geldes ist ihr Vater aber auch."

"Stinkt Geld nicht deutlich mehr als eine Krone?"

Henriette - dies war der Name meiner Mutter - blickte auf. "Das Kleid stinkt ganz sicher nicht, es dufte nach Waldmeister und Lavendel." Erst heute Morgen hatte sie es mit einer Pulvermischung aus beidem zum Schutz gegen die Motten eingestäubt.

Das Geschnatter verebbte, als das Hausmädchen Pauline laut in die Hände klatschte. "Hört auf zu schwatzen, erst recht von Königen! Erschallt seit letztem März nicht just in unserer Stadt der immer lautere Ruf, dass alle Menschen gleich sind?"

Die Köchin teilte ihre Meinung. Sie fand zwar ganz und gar nicht, dass alle Menschen gleich waren, - sie war ohne Zweifel von höherem Rang als ein Waschweib - , doch sie hatte genug von der Tuschelei, dem Kichern, dem sich-gegenseitig-Anstupsen und auf-das-Brautkleid-Lugen. Sie befahl den Frauen, wieder an die Arbeit zu gehen, und kurz darauf widmete sich jede wieder ihren Pflichten: Die eine wusch die feine Bügelwäsche, die andere bereitete Nierenfett zu und wieder eine andere reinigte rostige Töpfe.

Pauline tat, als teile sie den allgemeinen Eifer und fuhr mit einem Staubwedel über den Kirschbaumschrank. Doch kaum war sie mit Henriette allein, hielt sie inne, betrachtete das Kleid erneut, und neigte den Kopf.

"Man kann nicht leugnen, dass es ... ungewöhnlich ist."

Henriette nickte, sie wusste genau, was Pauline meinte.

Dass Fräulein Charlotte zur Hochzeit ein neues Kleid tragen würde und nicht etwa das Brautkleid ihrer Mutter, war nicht weiter ungewöhnlich, sondern bei reichen Familien mittlerweile üblich. Ebenso die federleichten Stoffe wie Musselin, Organdy und Tüll

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